Die extremen Sommer von 2018 und 2019 haben auch in den Wäldern des Strombergs tiefe Wunden hinterlassen. „Mit den großen Schäden in der Waldkiefer hatten wir so nicht gerechnet, denn sie gilt als vergleichsweise trockenheitstolerante Baumart. Den Sommer 2003 hatten die Kiefern im Stromberg ja noch unbeschadet überstanden“, so Revierleiter Theo Wöhr. Um die Ursachen des Absterbens der Waldkiefer zu klären und Empfehlungen für die weitere Behandlung zu erarbeiten, wurde in Kooperation mit der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg eine Bachelorarbeit ausgeschrieben.
Die Bearbeitung dieser anspruchsvollen Fragestellung übernahm Vivian Beschmann, die Bachelorarbeit betreute Prof. Stefan Ruge, der die Professur für Botanik und Waldbau-Grundlagen in Rottenburg innehat. Wesentliche Ergebnisse ihrer Arbeit gab Beschmann im Rahmen einer Präsentation samt Exkursion in den Vaihinger Stadtwald an die Ludwigsburger Förster weiter.
„Im Rahmen meiner Untersuchungen konnte ich einen klaren Zusammenhang zwischen der für die Bäume nutzbaren Wassermenge an einem spezifischen Standort und dem Auftreten der Absterbe-Erscheinungen feststellen“, sagte Beschmann. Dieses Ergebnis war zu erwarten. Andere Ergebnisse der Arbeit waren jedoch überraschend: „Ebenso konnte ein direkter Zusammenhang zwischen der Konkurrenz mit Traubeneichen und dem Absterben der in diesem Fall unterlegenen Waldkiefer festgestellt werden. Es zeigte sich in allen untersuchten Boden-profilen, dass die Traubeneiche deutlich tiefer wurzelt als die Waldkiefer und somit in der Lage ist, in direkter Konkurrenz ums Wasser dieses besser zu erreichen. Dagegen war die Kiefer ohne direkte Konkurrenz durch die Eiche vitaler“, so ein weiteres Fazit ihrer Arbeit. Mischwälder tun dem Wald selbst zwar grundsätzlich gut, aber nicht unbedingt jeder Baum-art, in diesem Fall der Waldkiefer.
„Auch konnte für das Untersuchungsgebiet eine gegenüber dem Jahr 2003 entscheidend andere Niederschlagsverteilung nachgewiesen werden, die mutmaßlich als Hauptursache für das Absterben zu identifizieren sein dürfte“, so Beschmann weiter. Prof. Ruge ergänzte: „Unsere heimischen Baumarten sind, bis auf wenige Ausnahmen, nicht an langanhaltende Trockenheit und Hitze angepasst. Dementsprechend ist es unbedingt notwendig, hier Forschungsarbeit zu leisten, um die tatsächlichen Potenziale unserer heimischen Baumarten genau auszuloten und auf besonders warmen und trockenen Standorten auch mögliche Alternativen zu prüfen.“ Die Waldkiefer kämpft nicht nur mit der Trockenheit, auch die Hitze der vergangenen Sommer macht der Baumart zunehmend zu schaffen.
Glücklicherweise gibt es in der Familie der Kiefern auch Arten wie die Schwarzkiefer, die gut sowohl mit Hitze als auch mit Trockenheit umgehen können und daher eine mögliche Alter-native zur Waldkiefer darstellen. So können die derzeitigen Mischwälder im Stromberg, bestehend aus Eichen, Buchen, Waldkiefern und einigen mehr, durch Pflanzung von Schwarzkiefern in nur leicht veränderter Form weiterbestehen.
„Die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen und die Förderung von Nachwuchskräften sind uns ein großes Anliegen. So können wir unser Wissen auf dem neuesten Stand halten und neueste Forschungsergebnisse direkt in der täglichen Arbeit anwenden, er-klärte Nill zum Abschluss. „Gleichzeitig wird den Studierenden die Möglichkeit gegeben, praxisnah und an aktuell relevanten Themen zu forschen.“
