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Das Ziel nie aus den Augen verlieren

Zum heutigen Thema „Familie, Schule, Vereine“ der Serie "Erfolgsgeschichten der Integration" berichtet Shefket Aliev, der als Zwölfjähriger 2015 mit seiner Familie nach Vaihingen an der Enz gekommen ist.

Ein junger Mann steht an einem Aussichtspunkt und schaut auf eine weitläufige, bewaldete Landschaft mit Hügeln im Hintergrund. Der Himmel ist klar und im Abendlicht erstrahlt die Szene in warmen Farben.

Seit 2018 unterstützen 48 Integrationsmanagerinnen und Integrationsmanager Geflüchtete auf dem Weg zu einer selbstständigen Lebensführung. In einer losen Serie stellen wir Erfolgsgeschichten der Integration im Landkreis Ludwigsburg vor.

Ganze sechs Jahre ist es her, dass Shefket Aliev gemeinsam mit seiner Familie aus Mazedonien geflohen ist. An diese Zeit erinnert ihn heute fast nichts mehr, denn „angekommen“ ist die Familie im schönen Enzweihingen bereits lange. Shefket startete 2015 in der Vorbereitungsklasse auf der Schlossbergschule in Vaihingen an der Enz. Damals war er zwölf Jahre alt.

Als Geflüchtete kamen Shefket, seine drei Geschwister und die Eltern damals in Aalen an. Schnell wurden sie in die Landeserstaufnahmeeinrichtung nach Ellwangen versetzt. Kurze Zeit darauf erfolgte der Transfer nach Ludwigsburg. Hier kam die Familie in einer vorläufigen Unterbringung in Vaihingen-Enzweihingen an. „Die Unterkunft war in Ordnung und der Garten war sehr schön“, erinnern sie sich heute.

Die Familie wurde sehr herzlich im Ort aufgenommen. Bekanntschaften über den Ehrenamtskreis in Enzweihingen waren schnell geknüpft. Shefket und seine Geschwister wurden sehr schnell in der Indiaka-Gruppe aufgenommen. Hier verbesserten sich die Deutschkenntnisse so gut, dass Shefket nicht mehr in der Vorbereitungsklasse bleiben musste.

Durch die geknüpften Kontakte in der Indiaka-Gruppe kam dann auch schon der Einstieg in die Jungschar. Hier fühlte er sich von Beginn an wohl. Auch die Geschwister von Shefket sind Teil der Jungschar. Shefket findet hier, zusätzlich neben der Schule, Freunde und wird angenommen und akzeptiert. Das ist als Geflüchteter nicht selbstverständlich. Als er zu alt für die Jungschar wurde, kam als nächster Schritt der Jugendbund. Hier folgen Aktivitäten wie gemeinsame Wanderungen und eine mehrtätige begleitete Reise in den Sommerferien. 2019 besuchte er gemeinsam mit dem Jugendbund die Umgebung von Dresden. „Das war schon echt cool“, erzählt Shefket. Auch heute noch ist er aktiv im Jugendbund.

Der Umzug in die Anschlussunterbringung erfolgte dann 2018. Hier fühlte die Familie sich zwar immer noch sehr wohl, da sie weiterhin in Enzweihingen wohnen konnte, jedoch wuchs der Wunsch nach einer Privatwohnung. Denn Shefket und seine Geschwister wurden immer älter und der Platz für die Familie immer weniger. Mit dem Umzug in die Anschlussunterbringung begann für Shefket und seine Familie das Integrationsmanagement im Pakt für Integration. Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin vom Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Lud-wigsburg e.V. werden die Ziele von Shefket und seiner Familie genau erfasst und festgehalten. Die Ziele werden gemeinsam angesteuert und in den meisten Fällen auch erreicht. Die Ziele der Eltern sind klar definiert: Weiterhin im Arbeitsverhältnis bleiben, denn beide Elternteile sind berufstätig. Ihren Kindern möchten Sie gerne das ermöglichen können, was Sie selbst nicht hatten.

Durch den Ehrenamtskreis und die Tätigkeit der Mutter wurde im Oktober 2019 ein Anwohner aus Enzweihingen auf die Familie aufmerksam. Er renovierte damals sein Elternhaus, das genügend Platz für die ganze Familie bieten würde. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern und der Sozialarbeiterin mietete die Familie erfolgreich das Objekt seit Dezember 2020.

Der Umzug in eine größere Wohnung kam wie gerufen, denn Shefket hatte im Frühjahr 2021 seine Prüfungen für den Hauptschulabschluss in Bietigheim-Bissingen. Er brauchte ganz besonders viel Ruhe beim Lernen. Den Abschluss hat er gut geschafft und bereits für September 2021 einen Ausbildungsvertrag.

„Shefket und seine Familie haben bis heute tolle Ziele erreicht. Integration ist ein langer Prozess und wir sind noch nicht am Ende, jedoch sind wir auf der richtigen Spur und das Ziel rückt immer näher. Für Shefket beginnt ab September 2021 ein neues Kapitel mit der Ausbildung und ich freue mich darauf, ihn dabei unterstützen zu können“, freut sich Sinem Jenner vom DRK Kreisverband Ludwigsburg.

Die Familie hat aktuell eine Beschäftigungsduldung, da der Vater bereits seit mehr als drei Jahren sozialversicherungspflichtig angestellt ist. Das Ziel ist die dauerhafte Bleibeperspektive in Deutschland. Es gibt also noch Einiges zu tun für Shefket und seine Familie.

Zum Hintergrund: Der Pakt für Integration

Das Integrationsmanagement / Pakt für Integration ist ein breites Netzwerk von Arbeiterwohl-fahrt, Caritas, Kreisdiakonieverband, dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes und dem Landratsamt Ludwigsburg erweist sich als grundlegender Erfolgsbaustein. Dieses beruht auf der freiwilligen Teilnahme der Geflüchteten. Grundlage ist die Feststellung von Bedarfen in Gesprächen zwischen Sozialarbeitern und Geflüchteten. Auf dieser Basis werden gemein-sam konkrete Ziele formuliert. Diese werden in einem Integrationsplan schriftlich festgehalten und nach und nach bearbeitet. Ziele sind die Integration in die Wohnortgemeinde, Anbindung an die Systeme der Regelversorgung und der Erwerb von Fähigkeiten zu einer selbstständigen Lebensführung. Sind die konkreten Ziele erreicht und der Geflüchtete kann sein Leben selbst-ständig organisieren, kann das Integrationsmanagement beendet werden. Weitere Unterstützung kann der Geflüchtete danach bei Bedarf bei den Regeldiensten wie der Migrationsberatung erhalten.

Zum Jahresbeginn 2021 werden 2469 Geflüchtete im Integrationsmanagement betreut, davon 970 Minderjährige. 13 Prozent der erwachsenen Klienten befinden sich in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Zusätzlich gehen vier Prozent einer Ausbildung, einem Praktikum oder einem Studium nach. Bei 1253 Personen wurde das Integrationsmanagement bereits beendet (Stand 01.03.2021). Davon konnten 780 Personen einen Mietvertrag abschließen und verfügten erstmals über einen privaten Wohnraum.