„Wir arbeiten gerne gemeinsam daran, den Steillagenwein als ein ganz besonderes Produkt in unserer Region und darüber hinaus noch attraktiver zu machen“, so Landrat Allgaier. In den vergangenen Jahren habe sich die alte Kulturlandschaft im Kreis schleichend verändert. „Mittlerweile ist an vielen Stellen zu sehen, dass die über 1.000 Jahre alten Weinbergterrassen entlang des Neckars und der Enz verbuschen. Noch bleibt uns ein kleines Zeitfenster, um hier einzugreifen. Dafür müssen wir unsere Kräfte bündeln.“ Teil der Diskussionsrunde waren auch Vertreter der privaten Weingüter Herzog von Württemberg und exNicrum Weinmanufaktur sowie der Landtagsabgeordnete Tobias Vogt und Umweltexperte Claus-Peter Hutter.
Lage der Winzer ist schwierig – Priorisierung als Teil der Lösung
Die Vertreter der Winzer schilderten die derzeitige Lage mit einem schwierigen Herbst für den Trollinger, bürokratischen Hürden und fehlendem Nachwuchs. Deshalb würden immer mehr Weinbaubetriebe aufgeben. Im Gespräch wurde klar, dass der historisch gewachsene Bestand an Rebflächen in den Steillagen nicht komplett erhalten werden kann. „Wir müssen einen neuen Kurs einschlagen und der heißt Priorisierung“, folgerte der Landrat aus den Rückmeldungen. Hier seien auch die Kommunen gefragt, die gemeinsam mit den jeweils betroffenen Genossenschaften und Betrieben definieren sollten, welche Lagen besonders prägend für die Landschaft, geeignet für den Weinbau und wichtig für die Bevölkerung seien.
Bürger tragen als Konsumenten Mitverantwortung
Der Landrat appellierte aber auch an die Bürgerinnen und Bürger, die als Konsumenten mit darüber entschieden, wie viel ihnen der Erhalt der Steillagen als Kulturlandschaft wert sei. Ergänzend dazu sei eine öffentliche Förderung der Steillagen notwendig. „Diese darf nicht daran scheitern, dass sie als EU-widrige Wettbewerbsverzerrung zugunsten deutscher Winzer dargestellt wird“, so der Landrat weiter. Vielmehr dienten die Fördermittel dem Erhalt der Kulturlandschaft und brächten die Weinbauern erst auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau.
Verständnis für Unmut – EU muss bürokratische Fesseln aufweichen
Zudem sprachen die Experten mit dem Landrat über neue Rebsorten, die besser an die heutigen Klimabedingungen angepasst sind und aus denen hochwertige Weine erzeugt werden. Dafür liegt mit dem Projekt „Steile Weine“ bereits ein Konzept vor. „Wir müssen das Rad also nicht neu erfinden, aber vorwärtsbewegen“, sagte der Landrat. Er zeigte Verständnis für den Unmut der Winzer, die teilweise öffentliche Mittel nur deshalb nicht beantragten, weil die Verfahren zu komplex seien. „Hier muss die EU die bürokratischen Fesseln wieder aufweichen.“ Zudem müsse verhindert werden, dass die EU jeglichen Pflanzenschutz in Schutzgebieten verbiete. Notfalls müssten Landschaftsschutzgebiete neu definiert werden.
Arbeit in Steillagen ist mühevoll – Landrat würdigt Engagement
Der Landrat würdigte die bisherigen Anstrengungen der Weingärtner, die noch mühevoll die steilen Rebflächen pflegen, sowie die Initiativen von Genossenschaften, Gemeinden und privaten Akteuren, um dem Verfall des einmaligen Kultur- und Naturerbes Einhalt zu gebieten. „Aber die Zeit, der Generationenwandel und die Auswirkungen des Klimawandels arbeiten gegen uns. Deshalb müssen wir auf allen Ebenen anpacken“, unterstrich Allgaier.
Landratsamt koordiniert weiteren Prozess
„Ich werde einen praxisnahen Prozess unter der Koordination des Landratsamts anstoßen, der schnellstmöglich zu konkreten Entscheidungen führt und den Weingärtnern wie Kommunen Planungssicherheit bringen soll“, stellt der Landrat in Aussicht. „Unsere Steillagen müssen in wichtigen repräsentativen Teilbereichen erhalten werden. Das steht für mich fest.“