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Lichtacker-Projekt im Kreis denkt Landwirtschaft und Artenschutz gemeinsam

Können Landwirte hochwertige Lebensmittel erzeugen und gleichzeitig bedrohten Feldvögeln wie Rebhuhn und Feldlerche einen Lebensraum bieten? Im Landkreis Ludwigsburg zeigt ein innovatives Projekt, dass beides möglich ist. Anfang Juli trafen sich die beteiligten Landwirte gemeinsam mit dem Landschaftserhaltungsverband Landkreis Ludwigsburg (LEV) und der Stuttgarter Hofbräu Umweltstiftung, die das Projekt mit 80 Prozent der Kosten fördert. Dabei tauschten sie sich über die bisherigen Erfahrungen und Ergebnisse aus.

Ein weites Feld mit reifem Getreide, das sanft im Wind wiegt. Zwischen den Ähren blühen bunte Wildblumen in verschiedenen Farben. Im Hintergrund ist eine sanfte Hügellandschaft mit Bäumen zu sehen und der klare Himmel darüber vermittelt eine ruhige, natürliche Atmosphäre.

Lichtäcker mit Untersaat bieten Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten und sichern gleichzeitig eine hochwertige Getreideproduktion (Bild: LEV).

In diesem Jahr beteiligen sich erneut zehn landwirtschaftliche Betriebe an dem Projekt. Die Nachfrage unter den Landwirten ist inzwischen größer als die verfügbaren Fördermittel.

 

Felder sollen für Feldvögel aufgewertet und weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden

 

Im Mittelpunkt stehen sogenannte „Lichtäcker“ – Getreidefelder mit erweitertem Reihenabstand, teilweise ergänzt durch blühende Leguminosen-Untersaaten. Ziel ist es, die Felder für Feldvögel ökologisch aufzuwerten, ohne die landwirtschaftliche Nutzung aufzugeben. Die lückigeren Bestände schaffen Nahrung, Deckung und Brutstrukturen für Arten wie Rebhuhn und Feldlerche und fördern gleichzeitig Insekten und Ackerwildkräuter.

 

Das Rebhuhn gilt bundesweit als stark gefährdet und ist in Baden-Württemberg sogar vom Aussterben bedroht. Besonders in den intensiv genutzten Agrarlandschaften rund um Stuttgart sind geeignete Lebensräume selten geworden. Im „Schmidener Feld“ bei Fellbach und Remseck/Aldingen konnten durch gezielte Maßnahmen des Feldvogelschutzes dieses Frühjahr erstmals wieder steigende Rebhuhn-Bestände beobachtet werden.

 

Rebhühner bevorzugen Lichtäcker mit weitem Reihenabstand

 

„Wir brauchen Lösungen, die sowohl ökologisch wirksam als auch landwirtschaftlich praktikabel sind“, erklärt Andreas Fallert, Geschäftsführer vom Landschaftserhaltungsverband Landkreis Ludwigsburg. „Viele Landwirte sind bereit, neue Wege auszuprobieren, wenn die Maßnahmen in den Betriebsablauf integrierbar bleiben und wirtschaftlich tragfähig sind.“

 

Begleitet von wissenschaftlichen Untersuchungen der Universität Hohenheim, des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität Mannheim (IfAB) sowie weiterer Projektpartner konnte gezeigt werden, dass Lichtäcker mit weitem Reihenabstand von Rebhühnern deutlich bevorzugt werden. Gleichzeitig bleiben Erträge und Vermarktungsqualität bei angepasster Bewirtschaftung weitgehend stabil.

 

Leguminosen-Untersaaten erhöhen Nahrungsangebot für Insekten erheblich

 

Besonders vielversprechend sind Lichtäcker mit blühenden Leguminosen-Untersaaten. Diese erhöhen das Nahrungsangebot für Insekten erheblich und schaffen zusätzliche Strukturen für Feldvögel. Untersuchungen zeigen deutliche Zunahmen bei Insektenbiomasse und Feldlerchenbruten.

 

„Einerseits sollen wir hochwertige Lebensmittel produzieren, andererseits Artenvielfalt, Klima, Boden und Wasser schützen – und gleichzeitig günstig wirtschaften. Das ist eine enorme Herausforderung“, sagt Florian Petschl, Vorstandsmitglied des Kreisbauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Umso wichtiger seien praxisnahe Lösungen, die Naturschutz und Landwirtschaft miteinander verbinden.

 

Landwirte schaffen durch besondere Anbauweise wertvolle Lebensräume

 

Das Projekt im Landkreis Ludwigsburg setzt bewusst auf Kooperation statt auf reine Stilllegung. Die Landwirte reduzieren Pflanzenschutz und Düngung gezielt, verzichten während der Brutzeit auf mechanische Bodenbearbeitung und schaffen durch die besondere Anbauweise wertvolle Lebensräume mitten in der Produktionslandschaft.

 

Finanziert wird das Projekt derzeit überwiegend durch die Stuttgarter Hofbräu Umweltstiftung. Im April 1991 wurde diese ins Leben gerufen und mit einem Stiftungsvermögen von 1 Mio. DM ausgestattet. Mit dem Ertrag aus diesem Stiftungskapital fördert sie seither Natur-, Landschafts- und Umweltschutzprojekte zum Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt in Baden-Württemberg. Mehr als 200 solcher Projekte hat diese Stiftung seither mit über 600.000 Euro gefördert. Weitere Mittel stammen aus dem Landkreis sowie aus Mitgliedsbeiträgen des LEV. Aufgrund der hohen Nachfrage hoffen die Projektpartner auf zusätzliche Unterstützung, um künftig noch mehr Betriebe beteiligen zu können.

 

Sowohl Landwirtschaft als auch Biodiversität können profitieren

 

„Die Erfahrungen zeigen, dass Landwirtschaft und Biodiversität kein Widerspruch sein müssen“, so Fallert. „Mit fachlicher Beratung, Offenheit für neue Ansätze und fairer Vergütung können beide Seiten profitieren – die Landwirtschaft ebenso wie die bedrohten Arten unserer Kulturlandschaft.“