Für Tim Köstler ist es ein besonderer Anlass, der ihn in den Besigheimer Stadtwald bei Ottmarsheim verschlägt. Er trifft sich mit Sebastian Häußer von der Felsengartenkellerei und Besigheims Bürgermeister Dr. Florian Bargmann, um acht Eichenstämme aus dem Stadtwald zur Fassherstellung an die Felsengartenkellerei zu übergeben. „Es handelt sich um besonders schöne Eichen. Die Stämme sind dick, gerade und astfrei und damit bestens zur Herstellung von Fässern geeignet“, erläutert er. Das ist auch nötig, denn selbst der kleinste Ast würde dafür sorgen, dass das hergestellte Fass undicht wäre.
Viel Handarbeit und Fingerspitzengefühl: Fässer werden in Burgund gefertigt
Die Übergabe der besonderen Baumstämme an die Felsengartenkellerei findet direkt im Wald statt. Häußer kann sich so von der Qualität der Bäume überzeugen. Von der Fällung der Bäume bis zum fertigen Fass vergehen mehrere Jahre. Nach einer zweijährigen Trocknungszeit werden die Fassdauben – das sind die Längshölzer – unter Zuhilfenahme von Feuer und Wasser gebogen. Durch das Feuer wird außerdem die Röstung – das sogenannte Toasting – gesteuert, die sich ganz entscheidend auf den Geschmack auswirkt.
Die Herstellung der Eichenfässer ist eine Kunst, die bis heute viel Handarbeit, Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert. „Unsere Fässer werden im Burgund hergestellt. Dort ist das Wissen um die richtige Verarbeitung der Eichenstämme erhalten geblieben“, berichtet Häußer. Dabei schwingt leichtes Bedauern mit, dass die Fässer nicht direkt im Landkreis Ludwigsburg gefertigt werden können.
Seit 15 Jahren kommen Baumstämme für Fässer aus heimischem Wald
Mit den Baumstämmen aus Besigheim ist Häußer sehr zufrieden. Er freut sich über die langjährige Zusammenarbeit mit dem Forstrevier und der Stadt Besigheim, welcher der Wald gehört. Ganz nach dem Motto „heimische Eichen für heimischen Wein“ kauft die Felsengartenkellerei nun seit 15 Jahren Baumstämme aus dem heimischen Wald, um Fässer herzustellen. Ein Umstand, den auch Bürgermeister Bargmann gutheißt: „Besigheim ist ein Weinort, dessen Stadtbild bis heute stark vom Weinbau geprägt ist. Sehr gerne unterstützen wir daher die lokalen Winzer.“ Die fertigen Barriquefässer werden nur mit Spitzenqualitäten der heimischen Weine befüllt, die schließlich als Barrique-Weine verkauft werden.
Förster Köstler freut sich über die besondere Nutzung der Eichen. „Damit heute aus einer unserer Eichen ein Barrique-Fass hergestellt werden kann, haben unsere Vorfahren diese Eiche circa 150 bis 200 Jahre lang gepflegt“, berichtet Köstler. Er sieht es als seine Verantwortung, auch der nächsten Generation einen Wald zu hinterlassen, der sowohl Menschen als auch Tieren einen Rückzugsraum bietet, aber auch den nachwachsenden Rohstoff Holz zur Verfügung stellt. Und von allen Verwendungen des Eichenstammholzes ist die Herstellung von Weinfässern wohl eine der schönsten.
