Sprungziele

Radschnellverbindungen

Direkt – schnell – sicher

Der Name sagt es schon: Auf Radschnellverbindungen oder gebräuchlicher „Radschnellwegen“ sollen Radfahrende besonderes schnell vorankommen. Lange zusammenhängende Strecken zwischen wichtigen Pendlerzielen, möglichst wenig Kreuzungen, die zum Bremsen oder gar Absteigen zwingen, mit gutem Belag und breit genug, dass man  sicher überholen kann – so sollen sie aussehen, diese attraktiven Radrouten, die insbesondere Pendlerinnen und Pendler zum klimafreundlichen und gesunden Umstieg aufs Rad animieren sollen. Auch im Landkreis Ludwigsburg werden mehrere geplant.

Radschnellverbindungen

  • … sind mindestens 5 km lang.
  • … haben ein Potential von mindestens 2.000 Fahrradfahrten täglich.
  • … sind zwischen 3 Meter (Einrichtungsverkehr) und 4 Metern (Zweirichtungsverkehr) breit.
  • … verlaufen möglichst getrennt vom Fuß und Kfz-Verkehr.
  • … sind kreuzungsfrei bzw. haben nur minimale Wartezeit an Kreuzungen.
  • … weisen einen guten Belag und nur geringe Steigungen auf.

Planungen im Landkreis Ludwigsburg

Aktuell sind sechs Radschnellverbindungen angedacht, die später durch den Landkreis Ludwigsburg führen bzw. hier enden sollen.

1.  Ludwigsburg <-> Waiblingen (RS 8)

  • Streckenverlauf: Ludwigsburg – Oßweil – Neckargröningen – Neckarrems – Hegnach – Waiblingen
  • Länge: ca. 15 Km
  • Potenzial: 2.100 Radfahrende/Tag
  • Zuständigkeit: Gemeinschaftsprojekt des Rems-Murr-Kreises (Federführung) mit dem Landkreis Ludwigsburg und den Städten Ludwigsburg, Waiblingen und Remseck am Neckar
  • Status: Machbarkeitsstudie (Hauptdokument / Anlage1+2 / Anlage 3+4) ist erfolgt; Bund/Land-Förderung in Höhe von 87,5 % zugesichert; aktuell erfolgt die Planung 

2.  Bietigheim <-> Stuttgart

  • Streckenverlauf: Bietigheim/Bissingen – Ludwigsburg – Kornwestheim – Stuttgart
  • Länge: ca. 15 km
  • Potenzial: teilweise über 9.000 Radfahrende/Tag
  • Status: Machbarkeitsstudie fast abgeschlossen (Federführung Landkreis Ludwigsburg)

3.  Vaihingen/Enz <-> Stuttgart

  • Streckenverlauf: Vaihingen/Enz – Schwieberdingen – Stuttgart (von Vaihingen aus Fortführung bis Pforzheim)
  • Länge: ca. 20 km
  • Potenzial: bis zu 3.000 Radfahrende/Tag
  • Status: Machbarkeitsstudie fast abgeschlossen (Federführung Landkreis Ludwigsburg)

4. Leonberg <-> Stuttgart

  • Streckenverlauf: Leonberg – Gerlingen (Schillerhöhe) – Stuttgart West – Stuttgart Mitte
  • Länge: 16 Km
  • Potenzial: > 2.000 Radfahrende/Tag
  • Status: Machbarkeitsstudien unter Federführung des Landkreises Böblingen (abgeschlossen) und der Stadt Stuttgart (wird in Kürze veröffentlicht)

5.  Ditzingen <-> Stuttgart

  • Streckenverlauf: Ditzingen – (Stg) Weilimdorf – (Stg) Feuerbach – Stuttgart Mitte
  • Länge: ca. 16 Km
  • Potenzial: 2.600 Radfahrende/Tag
  • Status: Machbarkeitsstudie wird in Kürze veröffentlicht (Federführung Stadt Stuttgart)

6.  Korntal-Münchingen <-> Weil der Stadt

  • Streckenverlauf: Korntal-Münchingen – Ditzingen – Leonberg – Renningen – Weil der Stadt
  • Länge: ca. 24 Km
  • Potenzial: zw. 1.200 und  4.300 Radfahrende/Tag
  • Status: Machbarkeitsstudie unter Federführung des Landkreises Böblingen 2019 abgeschlossen; liegt zur Beurteilung beim Regierungspräsidium Stuttgart

Von der Idee bis zum Radschnellweg

Das Land Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil des Radverkehrs bis 2030 landesweit auf 20 % zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der massive Ausbau der landesweiten Infrastruktur zwingend notwendig. Als ein Instrument setzt das Ministerium für Verkehr daher auf die Realisierung von Radschnellwegverbindungen. Als erster Zwischenschritt ist bis 2025 die Realisierung von zehn Radschnellverbindungen im Land geplant. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, plant das Land den Bau eigener Strecken, zum anderen unterstützt es die Kreise und Gemeinden mit Fördermitteln für Planung und Umsetzung von kommunalen Radschnellverbindungen. Weil Planung und Bau komplexer und aufwändiger sind als übliche Radwege und sich eher mit dem Aufwand für Straßen vergleichen lassen, sind Radschnellverbindungen eigens ins Straßengesetz aufgenommen und dort mit Landes- und Kreisstraßen gleichgesetzt worden.

Mit einer ersten Potenzialanalyse wurden mithilfe von Verkehrsmodellen potenzielle Korridore für Radschnellwege in Baden-Württemberg ermittelt. Dazu wurden auch Stellungnahmen von wichtigen Akteuren – Regierungspräsidien, Regionalverbände, Stadt- und Landkreise sowie der ADFC –berücksichtigt. Im Ergebnis konnten 70 Korridore für mögliche Radschnellwege ermittelt werden, von denen 32 ein Potenzial von über 2.000 Radfahrenden/Tag aufweisen und daher als „vordringlich“ eingestuft wurde, diese werden nun in Machbarkeitsstudien weiter untersucht.

Dieser ganze Prozess von der ersten Idee bis zur Realisierung nimmt eine ganze Menge Zeit in Anspruch, auch, da viele unterschiedliche Akteure beteiligt sind und unterschiedliche Interessen miteinander vereinbart werden müssen. Auch Rechtsverfahren können nicht ausgeschlossen werden. Im Groben läuft es so ab:

  1. Machbarkeitsstudie: Eine Machbarkeitsstudie zeigt auf, wo konkreter Bedarf für einen Radschnellweg besteht. Aktuell laufen in Baden-Württemberg mehrere Machbarkeitsstudien unter Federführung der Landkreise, allein im Regierungsbezirk Stuttgart werden knapp 30 Trassen unter die Lupe genommen. Die Untersuchungen konkretisieren die errechneten Zahlen aus der Potenzialanalyse, überprüfen also das Nutzerpotenzial, listen Zuständigkeiten und mögliche Problemstellen auf. Bezüglich der Streckenführung werden in einer Machbarkeitsstudie zunächst nur grob Korridore festgelegt, aber noch kein konkreter Routenverlauf definiert.
  2. Zuständigkeit: Aufgrund der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie wird die Baulastträgerschaft geregelt. Hier geht es  um die prognostizierte Auslastung, also ob eher mehr als 2.500 Radfahrende zu erwarten sind (dann Zuständigkeit Land) oder weniger (dann Zuständigkeit Kreis/Kommune) sowie um die Funktion, also ob die Strecke eher regionale oder sogar überregionale Verbindungsfunktion aufweist (dann Zuständigkeit Land) oder eher nahräumige und gemeindeübergreifende Verbindungsfunktion (dann Zuständigkeit Kreis).  
  3. Planungen: In mehreren Stufen wird der Radschnellweg nun geplant. Aus den in der Machbarkeitsstudie definierten Trassen wird eine Vorzugsvariante ausgewählt und weiter verfeinert, um einen konkreten Streckenverlauf beschreiben zu können. Ebenfalls zur Planung gehört es, Auswirkungen auf die Umwelt zu prüfen und ggf. Ausgleichsmaßnahmen vorzuschlagen. Und natürlich werden die Kosten berechnet.
  4. Finanzierung/Förderung: Radschnellwege sind teurer als normale Radwege, aber es gibt Fördermöglichkeiten für die Kommunen. So stellt der Bund den Ländern im Rahmen des Programms „Radschnellwege 2017–2030“ Finanzhilfen für die Planung und den Bau in Höhe von 25 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung. Die Förderquote liegt bei bis zu 90% der zuwendungsfähigen Kosten. Die Finanzierung von Radschnellwegen des Landes erfolgt über den Landeshaushalt.
  5. Beschluss: Die konkreten Planungen zum Radschnellweg werden nun den entsprechenden Gremien (Kreistag, Gemeinderat bzw. Ausschüssen) vorgelegt und müssen dort beschlossen werden.
  6. Bau: Nun kann es endlich losgehen, der Radschnellweg wird gebaut!

Radschnellwege anderswo

Vorreiter sind natürlich wieder die Niederlande und Dänemark, in denen es schon länger Radschnellwege gibt. Seit den 1980er Jahren wurde in den Niederlanden bereits ein Streckennetz von 300 Kilometern realisiert, weitere 600 km sind geplant. Dänemark ist noch nicht ganz so lange aktiv, hat aber schnell aufgeholt: Allein in der Hauptstadt Kopenhagen sind 45 sogenannte „Supercykelstier“ mit einer Gesamtlänge von 746 km geplant.

Aber auch außerhalb der nordischen Radnationen werden bereits Radschnellverbindungen umgesetzt. Zum Beispiel in London, wo die „Cycleways London“ – ein zusammenhängendes Netz aus Schnellwegen (Cycle Superhighways) und ruhigeren Nebenverbindungen (Quietways) – bis 2024 auf eine Länge von 450 km anwachsen soll.

Und auch in Deutschland gibt es bereits ein Leuchtturmprojekt: Den Radschnellweg Ruhr (kurz RS1) zwischen Duisburg und Hamm. Ihm wird eine Entlastung von rund 50.000 Pkw zugeschrieben. Kein Wunder bei der Gesamtlänge von 101 Km – das ist übrigens Weltrekord!

Und natürlich darf der Radschnellweg zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart nicht unerwähnt bleiben – das „Pionierprojekt“ in Baden-Württemberg. Die erste Teilstrecke wurde im Mai 2019 eingeweiht. Hier gibt’s die Live-Auswertung der Zählstelle.

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Bei Fragen und Anregungen rund um das Thema Radverkehr im Landkreis stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Radverkehrsbeauftragte:

Lisa Röthinger
Tel.: 07141 144-43087

Madeleine Janker
Tel.: 07141 144-42739


radverkehr[at]landkreis-ludwigsburg.de