Im Landkreis Ludwigsburg ist die Stadtbahn Lucie bereits auf einem guten Weg: Die Vorplanung als Basis für die Kosten-Nutzen-Untersuchung ist in Arbeit, die Bürgerbeteiligung gestartet. Die nun von den Mitgliedern des AUT im Kreis Ludwigsburg bereits befürwortete Studie soll untersuchen, ob eine Verlängerung der Stadtbahn nach Waiblingen sinnvoll und wirtschaftlich ist. „Zwischen den Kreisen Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis gibt es starke Pendlerverflechtungen. Der Wunsch nach einer leistungsfähigen Schienenverbindung liegt daher auf der Hand und wurde schon früh artikuliert“, erläutert der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier. Im Öffentlichen Personennachverkehr (ÖPNV) seien Waiblingen und Ludwigsburg derzeit nur über eine stündliche Expressbuslinie direkt miteinander verbunden; das Gros der Pendlerinnen und Pendler müsse daher mit der S-Bahn den Umweg über Stuttgart fahren. „Der Wunsch nach einer leistungsfähigen Schienenverbindung ist naheliegend“, stellt Allgaier fest.
Rahmenbedingungen haben sich verändert – Besserer Kosten-Nutzen-Faktor erwartet
Bereits 2006 und 2008 wurde die Möglichkeit einer Stadtbahn auf der Achse Ludwigsburg-Waiblingen untersucht – jedoch ohne positiven Kosten-Nutzen-Faktor. Deshalb wurde das Thema zurückgestellt. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen verändert. So wird durch den beschlossenen Bau der Westrandumfahrung für Remseck-Neckargröningen die Brücke der L 1140 in Remseck (Neue Mitte) vom Autoverkehr freigesetzt und könnte voraussichtlich für eine Stadtbahn genutzt werden. Das würde zu einer erheblichen Kosteneinsparung führen. Zudem wohnen immer mehr potenzielle Pendlerinnen und Pendler entlang der angedachten Trasse. Damit werden voraussichtlich auch mehr Fahrgäste die Stadtbahn nutzen.
Bundesverkehrsministerium hat Kriterien verändert
Das Bundesverkehrsministerium berücksichtigt bei der Bewertung neuer Schienenprojekte mittlerweile auch Komponenten wie den Flächenverbrauch oder die CO2-Emmissionen. Damit verbessert sich das Kosten-Nutzen-Ergebnis deutlich. Parallel wurde die Hürde für die Zuschussfähigkeit von neuen Infrastrukturprojekten gesenkt. „Diese geänderten Rahmenbedingungen lassen erwarten, dass eine neuerliche Bewertung einer Stadtbahn-Verlängerung von Ludwigsburg-Oßweil nach Waiblingen ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis ergeben wird“, so Landrat Allgaier weiter. Die Zuschussgeber aus Bund und Land würden neuen Schienenprojekten einen Schub geben, in dem die aktuellen Fördersätze heute investitionsfreundlicher gestaltet seien.
Landrat Dr. Richard Sigel vom Rems-Murr-Kreis begrüßte das positive Votum aus Ludwigsburg: „Die Stärkung des ÖPNV ist auch dem Rems-Murr-Kreis ein großes Anliegen. Wir haben mit der S4 zwischen Backnang-Marbach-Ludwigsburg bereits gute Erfahrungen gemacht. Eine direkte Verbindung zwischen dem Rems-Murr-Kreis und Ludwigsburg könnte ein weiterer Baustein sein, den ÖPNV attraktiver zu machen und Menschen dazu zu animieren, vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Die Machbarkeitsstudie ist ein erster Schritt auf diesem Weg.“
Auch der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht, der Mitglied im Zweckverband Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg ist, befürwortet die Machbarkeitsstudie: „Ludwigsburg hat eine hohe Anziehungskraft und leidet bei vielen Ereignissen unter der Verkehrsbelastung, vor allem bei Veranstaltungen im Blühendem Barock und in der Innenstadt. Uns hilft alles, was die Erreichbarkeit der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbessert. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie interessieren uns deshalb sehr. Fraglich wird aber vor allem sein, ob die Verlängerung in diesen schwierigen Zeiten finanzierbar ist.“
Für die Städte Waiblingen und Remseck sehen auch die dortigen Stadtoberhäupter Vorteile für ihre Bürgerinnen und Bürger: „Die stärkere Verknüpfung der wirtschaftsstarken Räume Waiblingen und Ludwigsburg ist ein langgehegter Wunsch. Ich bin überzeugt davon, dass es im Rahmen der Machbarkeitsstudie gelingt, aufzuzeigen, welch große Vorteile dies für die vielfältigen Pendlerbeziehungen haben wird. Durch diese große Infrastrukturmaßnahme könnte unser gemeinsamer Wirtschaftsstandort deutlich gestärkt werden. Diese Chance müssen wir ergreifen“, sagt Waiblingens Oberbürgermeister Sebastian Wolf.
Und Remsecks Oberbürgermeister Dirk Schönberger sagt: „Eine Schienenverbindung von Ludwigsburg über Remseck am Neckar weiter nach Waiblingen wäre für die gesamte Region Stuttgart ein Zugewinn. Denn gerade diese Querverbindungen auf der Schiene im nordöstlichen Bereich von Stuttgart dienen auch der Entlastung der Stammstrecken im Stuttgarter Talkessel. Deshalb freut es mich, dass die Machbarkeitsstudie vom AUT des Landkreises unterstützt wird.“
Grobe Trasse, Kosten, Fahrgastströme und Wirtschaftlichkeit werden untersucht
Wenn das finale Go für die Finanzierung der Machbarkeitsstudie aus dem Rems-Murr-Kreis kommt, soll in den kommenden 18 bis 24 Monaten eine Grobplanung der Trasse untersucht werden. Zudem erfolgt eine Kostenabschätzung für die Investitionen und den Betrieb. Darüber hinaus ermitteln die Experten Fahrgastströme und die Wirtschaftlichkeit der möglichen Verlängerung.