Schon seit dem Jahr 2020 kämpfen die Verkehrsunternehmen mit Fahrgastrückgängen durch die Corona-Pandemie. Trotz dieser fehlenden Einnahmen wurden die Fahrleistungen in den vergangenen zwei Jahren ohne wesentliche Einschränkungen erbracht. Möglich war dies, weil die Verbundlandkreise von Anfang an die Verkehrsunternehmen mit Liquiditätshilfen und Ausgleichzahlungen für die Fahrgeldrückgänge unterstützt haben. Während Bund und Land mit ihren Rettungsschirmen für einen finanziellen Ausgleich bei den Einnahmerückgängen gesorgt haben, ist dies für die Kostenexplosion im Energiebereich nicht vorgesehen. So mussten es die Landkreise und die Verkehrsunternehmen den letzten Veröffentlichungen des Finanzministeriums entnehmen.
Für die örtlichen Aufgabenträger wie den Landkreis Ludwigsburg bedeutet dies, dass die dramatischen Kostensteigerungen, die bei den Unternehmen existenzbedrohende Ausmaße angenommen haben, rein kommunal finanziert werden müssen. Landrat Dietmar Allgaier betonte, dass sich die Landkreise ihrer Verantwortung bewusst seien und diese auch annehmen würden. Die vereinzelt bereits eingetretenen Insolvenzen würde die Dramatik und Eilbedürftigkeit deutlich machen. „Viele unserer Bürgerinnen und Bürger, aber auch eine große Zahl unserer Firmen sind auf ein funktionierendes ÖPNV-System angewiesen“, so Allgaier weiter. „Wir müssen alles daransetzen, dass unsere Verkehrsunternehmen während und auch nach der Krise noch in der Lage sind, unsere Fahrgäste mit den erforderlichen ÖPNV-Leistungen zu versorgen.“ Hierfür wird der Kreis Ludwigsburg im Jahr 2022 nach aktuellen Schätzungen mehr als drei Millionen Euro zur Verfügung stellen müssen.
Bereits kurz nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine und der in der Folge entstandenen Kostenexplosion bei den Energiepreisen, deren Niveau im März rund 70 Prozent über denen des Vorjahres lagen, hätten die Verbundlandkreise erste Gespräche geführt und nach Möglichkeiten gesucht, wie die ÖPNV-Branche unterstützt werden könnte. Die nun beschlossenen vertraglichen Anpassungen seien in ihrer jetzigen Form landesweit einmalig und der engen Zusammenarbeit der beteiligten Akteure zu verdanken.
Am vergangenen Dienstag kamen Vertreter von 23 Verkehrsunternehmen des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) auf Einladung der vier Verbundlandkreise im Landratsamt Ludwigsburg zusammen, um gemeinsam die Ergänzungsverträge zu unterzeichnen. An der Vertragsunterzeichnung nahmen neben den Geschäftsführern der Verkehrsunternehmen auch Vertreter der Verbundlandkreise und des VVS teil. Landrat Dietmar Allgaier begrüßte stellvertretend für die Landräte der Verbundlandkreise die Unternehmen und machte einmal mehr deutlich, dass Ankündigungen auch Taten folgen müssten.
Man sei sich bei den Verbundlandkreisen den Herausforderungen, welche die Branche in der kommenden Zeit bewältigen muss, bewusst. Die Landkreise stünden den Unternehmen als verlässlicher Partner bei. Auch wenn sich das Land entgegen früheren Beteuerungen, den ÖPNV durch einen Dieselpakt zu stützen, dazu nicht mehr in der Lage sehe, würden die Verbundlandkreise zu ihrem Wort stehen.
