Die in den 1890er Jahren gebaute schmalspurige Bottwartalbahn verband einst Marbach am Neckar und Heilbronn. In den 1960er Jahren wurden auf der Strecke zunächst der Personenverkehr und später schrittweise der Güterverkehr weitgehend eingestellt. Inzwischen ist die Strecke stillgelegt und größtenteils entwidmet. Der Personenverkehr der Schozach-Bottwartalbahn wurde 1966 aufgrund eines stetig wachsenden motorisierten Individualverkehrs sowie einer parallel geführte Bahnbus-Linie eingestellt. Bereits in den 1990er und 2000er Jahren gab es jedoch erste Überlegungen zu einer Reaktivierung der Strecke im Dieselbetrieb oder als Stadtbahnstrecke. Einen neuen Schub bekam das Projekt vor sechs Jahren: Überfüllte Autobahnen und Straßen sowie ein generelles Umdenken zum Schutz von Natur und Umwelt in Zeiten des Klimawandels führten dazu, dass die Landkreise Heilbronn und Ludwigsburg sowie die Stadt Heilbronn sich erneut mit der Reaktivierung befassten.
Die Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn in Kooperation mit den Anliegerkommunen entlang der Bottwartal und die Stadt Heilbronn haben nun das Thema erneut aufgegriffen und haben gemeinsam eine neue Machbarkeitsstudie inklusive einer Standardisierten Bewertung für die Verbindung von Marbach über Beilstein nach Heilbronn beauftragt. Mit der Studie wurde die technische und betriebliche Machbarkeit einer durchgehenden BOStrab-Verbindung (BOS steht für "Betriebsordnung Straßenbahn") untersucht und anschließend der für eine Förderung erforderliche volkswirtschaftliche Nutzen nachgewiesen.
Eine bereits 2020 fertiggestellte Studie konnte jetzt aufgrund geänderter Förderbedingungen aktualisiert werden und dient nun als Vorstudie für eine folgende Standardisierte Bewertung zur Darlegung des volkswirtschaftlichen Nutzens und der Förderfähigkeit. Nachdem die Ergebnisse 2020 noch sehr ernüchternd waren, was eine mögliche Reaktivierung der Strecke Heilbronn – Beilstein – Marbach angeht, zeigt die auf der Grundlage neuer Förderbedingungen aktualisierte Machbarkeitsstudie jetzt konkrete positive Perspektiven für eine Reaktivierung auf.
Am 25. Juli 2023 wurden den Gremien der beteiligten Landkreise und Kommunen in einer Informationsveranstaltung in der Reblandhalle in Neckarwestheim die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorgestellt. Untersucht wurden der Ludwigsburger Abschnitt von Marbach über Murr, Steinheim, Großbottwar, Oberstenfeld bis Beilstein. Auf Heilbronner Seite wurden vier Varianten untersucht. Auf Grundlage der Standardisierten Bewertung 2016+, die beispielsweise Klimaschutzziele stärker bewertet, haben die Varianten bei einer ersten überschlägigen Betrachtung voraussichtliche Nutzen-Kostenfaktoren von 1,59 bis 1,91.
In einem nächsten Schritt muss im Heilbronner Abschnitt festgelegt werden, welche der vier Varianten als Vorzugsvariante bei der Standardisierten Bewertung weiter verfolgt werden. Außerdem möchte die Stadt Heilbronn untersuchen, wie die Bahn auf dem Stadtgebiet verlaufen soll.
