zum Hauptmenü zum Seiteninhalt zur Subnavigation zum Footermenü zur Suchfunktion zu den Hinweisen der Barrierefreiheit


Schäferlauf-Gedicht 2022 von Landrat Dietmar Allgaier

Liebe Markgröningerinnen und Markgröninger, liebe Gäste aus Nah und aus Fern, endlich blüht er wieder auf – der Schäferlauf-Stern. Was war das für eine Zeit in den letzten zwei Jahren, kein Festumzug ist durch Markgröningen gefahren, es gab keinen Stoppellauf draußen mit Schäferinnen und Schäfern am Feld, dass nichts stattgefunden hat, lag noch nicht einmal am fehlenden Geld. Schuld war ausnahmsweise in dem Fall auch nicht die Politik, wenngleich es trotzdem genügend Menschen gab, die übten Kritik, nein, es lag einzig und allein und – liebe Leut' – das vergesse ich nie, an dieser unsäglichen, unerwarteten und bitteren Pandemie.

Ein Mann in einem eleganten Anzug und einem Zylinderhut sitzt in einer mit Blumen geschmückten Kutsche. Er winkt fröhlich in die Menge. Neben ihm sitzt eine weitere Person in formeller Kleidung. Im Hintergrund sind Bäume und Wagen zu sehen.
Eine Gruppe von Menschen in traditioneller Tracht steht auf einer Straße. Sie halten Stöcke in der Hand und bilden eine Reihe. Im Hintergrund sind Fahrgeschäfte und Zelte zu sehen, die auf eine Festveranstaltung hindeuten.
Vier Menschen in historischen Kostümen marschieren auf einer Straße. Sie tragen blaue Oberteile mit Wappen und halten große gelbe Fahnen. Im Hintergrund sind farbenfrohe Buden und Karussells zu sehen. Die Szene vermittelt festliche Stimmung und historische Tradition.
Eine Blaskapelle marschiert in einer Reihe auf einer Straße. Die Musiker tragen blaue Uniformen mit roten Akzenten und schwarze Hüte. Sie spielen verschiedene Blasinstrumente. Im Hintergrund sind Bäume und im Hintergrund eine Fahne zu sehen.

Nun, ob sie vorbei ist oder auch nicht, wir wissen es ja net wirklich so recht,
aber dass wir heuer den Schäferlauf feiern, das ist real und richtig echt,
den Schäferlauf 2022, den nimmt uns niemand mehr weg,
aus dieser Stadt bewegt sich bis Montag keiner vom Fleck.
Wir werden feiern, Traditionen bewahren, wir werden essen und auch etwas trinken,
wir tun dieser Tage einfach alles für unser wertes Wohlbefinden,
schief gehen kann ab jetzt eigentlich so gut wie überhaupt nichts mehr,
wenn da nicht noch ein kleines Hindernis wär'.

Liebe Gäste, ich weiß nicht so recht, wie soll ich's Euch sagen,
jetzt kommen die Worte, die schon seit Tagen mich plagen,
wie bringe ich es Euch näher, wie erklär ich's dem Volk,
dass dieser Schäferlauf auch kann werden ein richtiger Misserfolg.
Denn an der Spitze von diesem traditionellen, diesem legendären Fest,
stehen zwei Greenhorns, beruflich gerade mal frisch ausgeschlüpft aus ihrem Nest,
der Landrat zum ersten Mal in der Rolle des Landvogts mit mir in Person beim Schäferlauf dabei,
aber als ob das nicht schon genug der Gefahr wäre, nein, ich sprach ja von zwei,
der Bürgermeister Hübner hat in diesem Jahr auch seine Premiere,
als Schäferlaufstadt-Bürgermeister ist man ja bekanntlich oben angekommen in der Karriere,
die Gefahr besteht schon, dass wir zwei Neulinge dieses Fest noch bringen zum Wanken,
dass der Schäferlauf-Tanker kommt so richtig ins Schwanken.
Doch für den Fall, dass alles aus dem Ruder läuft, alles schief geht und dem Fest der Abbruch droht,
für den Fall mache ich dann aus der Tugend ganz einfach eine Not,
ich werde flüchten, mich aus dem Staub machen, ganz schnell und ganz fix,
da bin ich dann ganz flott, da kenne ich nix,
und den Bürgermeister, den überlasse ich dann gerne dem Markgröninger Volk, 
mit dem könnt Ihr dann machen – egal –, was Ihr wollt.

Doch ob es soweit kommt, jetzt warten wir mal ab, wir wissen es ja noch nicht,
übrigens warum der Schäferlauf etwas später heuer beginnt, ist eine ganz andere G'schicht',
die Stadtverwaltung ließ ja verkünden, man wolle mehr Gäste zum offiziellen Beginn am Rathausplatz,
also ich musste schmunzeln, als ich las diesen Satz,
denn der wahre Grund, der wahre Grund, warum das Fest im Vergleich zu früher dieses Jahr um eine Stunde später beginnt,
auf den Grund kommt Ihr auch, liebe Leute, wenn Ihr Euch etwas stärker besinnt,
es lag überhaupt nicht daran, Euch zu ärgern oder gar Euch zu strafen,
nein, der Landrat wollte halt etwas länger noch schlafen.

Doch das nicht alleine, nein, bis ich hierherfand, Heidanei, da war ich auch nicht so schnell,
ich stand ewig rum, dort draußen am Schäfle-Rondell,
niemand kam, also machte ich mich zu Fuß dann schließlich auf den Weg,
von wegen mit Kutsche und Pferd, der Landrat hat hier Privileg,
alleine irrte ich rum in Markgröningen, dieser beschaulichen Stadt,
mit Frack und Zylinder, ich war völlig platt,
bis mich dann Gott sei Dank am Cap-Supermarkt jemand fand und ich stieg auf,
schnell, sagte ich, Kutscher, jetzt noch zum Marktplatz hinauf,
sodass ich jetzt doch selbst hier bin und keine Vertretung,
aber halt eben mit einer ganzen Stunde Verspätung.

Wer weiß, wie der Schäferlauf in Zukunft sich zeigen wird, mit welchem Bild,
die Traditionen werden bewahrt bleiben, was das angeht, bin ich gechillt,
aber es kann schon sein, dass der Landrat nicht mehr mit der Kutsche anreist,
Ihr merkt schon, ich bin heute ganz forsch, vielleicht sogar dreist,
2029 werde ich vielleicht mit der Stadtbahn anrücken,
das wird die Menschen dann hoffentlich auch entzücken,
nachdem die Ludwigsburger jetzt endlich aufgewacht sind aus ihrem Stadtbahn-Schlaf,
ich will gar nicht provozieren, im Gegenteil, ich bin was das angeht, versprochen, ganz brav,
ich sage nur, es war jetzt auch wirklich höchste Zeit,
dass in Ludwigsburg die Entscheidung fiel, manche werden halt a bissle später g'scheit,
also 2029 im Sommer zum Schäferlauf, da komme ich auf Schienen,
im Schlepptau in den Waggons dann die Schäfer-Männer und die Schäfer-Bienen,
die Stadtbahn wird natürlich gezogen von einem Pferdegespann,
und spätestens dann bin ich auch wieder eine Stunde früher dran.

Doch bis dahin ist noch genügend Luft, dass wir beide Greenhorns werden bereit,
um den Schäferlauf – den größten, den besten, den schönsten unserer Zeit,
zu achten, zu ehren und auch zu repräsentieren,
unsere Anfangsfehler nach und nach zu verlieren,
und im Übrigen haben wir Unterstützung auch von ganz oben,
von Bund und Land und den Vertretern der Kirchen in Roben,
sodass wir nun gehen können ganz locker voran,
um weiterzumachen im organisierten Schäferlaufprogramm.

Ich wünsche allen Schäferinnen und Schäfern, allen Besuchern und Freunden von diesem Feste,
jetzt wirklich nur das Allerbeste,
der besondere Dank geht an die Organisatoren,
die im Vorfeld sicher viel private Zeit haben verloren,
der Spaß und die Freude sollen jetzt im Vordergrund stehen,
über Markgröningen die Sonne und ein laues Lüftchen wehen,
der Treue Bartel wird einladen zu seinem szenischen Spiel,
der Festumzug lädt ein zum Zusehen und mitzulaufen bis zum Ziel,
der Schäfertanz wird geschwungen im Reigen der Musik,
auch ich werde da noch mithalten auf Schritt und auf Tritt,
und nun zum Ende trinke ich, liebe Gäste, diesen Becher gefüllt mit Wein,
aufs Wohl der Schäferinnen und Schäfer soll der Trunk jetzt sein.

Zum Wohl Ihr Lieben!
Viel Spaß Euch allen beim Schäferlauf 2022 in Markgröningen!