Seit 2018 unterstützen 48 Integrationsmanagerinnen und Integrationsmanager Geflüchtete auf dem Weg zu einer selbstständigen Lebensführung. In einer losen Serie stellen wir Erfolgsgeschichten der Integration im Landkreis Ludwigsburg vor. Heute geht es um die Themen Arbeit und gesellschaftliche Integration.
Für Mohannad Almouhamadi gehen Arbeit, Ehrenamt und Integration Hand in Hand. Der jungen Mann, der aus dem Irak nach Deutschland gekommen ist, hat durch seine ehrenamtlichen Tätigkeiten in verschiedenen Projekten sehr viele Menschen kennengelernt und zu diesen Menschen Beziehungen aufgebaut, die für ihn „Familie bedeuten“.
Vor fünf Jahren floh der damals 21-Jährige aus Falludscha/Irak vor der Terrormiliz Islamischer Staat nach Deutschland und stellte im April 2016 seinen Asylantrag beim Bundesamt für Flüchtlinge und Migration. Von Mai 2016 bis Oktober 2017 lebte Herr Almouhamadi in einer staatlichen Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises Ludwigsburg in Sachsenheim. Nach der positiven Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wurde er der Anschlussunterbringung in Sachsenheim zugewiesen. So konnte nahtlos an die laufenden Integrationsprozesse in Sachsenheim angeknüpft werden. Bis zu seinem Umzug Anfang Januar 2021 wurde Mohannad Almouhamadi durch die Flüchtlingssozialarbeit des Kreisdiakonieverbandes Ludwigsburg begleitet und in allen Fragen der Alltagsbewältigung unterstützt.
Herr Almouhamadi ist mittlerweile in einem privaten Mietverhältnis und geht einer unbefristeten Erwerbstätigkeit nach. Seine Pläne für die Zukunft: Das Abitur an einem Abendgymnasium nachholen und in Deutschland eine Ausbildung als Mediengestalter absolvieren. Der jetzt 26-Jährige will für immer in Deutschland leben, sich einbürgern lassen und eine Familie gründen.
Schon direkt nach seiner Ankunft wollte Mohannad Almouhamadi sich für die Gesellschaft einsetzen, die ihn aufgenommen hat. So übernahm er ehrenamtlich in einem Projekt der Grund- und Hauptschule die Betreuung von Kindern mit Fluchterfahrung und mit Migrationshintergrund am Nachmittag. Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen unterstützte er die Kinder bei den Hausaufgaben und spielte mit ihnen Fußball.
2017 engagierte sich Almouhamadi ehrenamtlich im Altkleiderprojekt und in der Kleiderkammer in Sachsenheim. Er sortierte dort Kleidung und übersetzte für Menschen mit Fluchterfahrung, die die deutsche Sprache noch nicht gut genug beherrschten. Im Jahr 2017 engagierte er sich in dem Projekt „Einfach singen“ im Kulturhaus in Sachsenheim. Hier kamen Menschen aus unterschiedlicher Herkunft zusammen, um Lieder aus ihrer Heimat zu singen. So kam es, dass 20 bis 30 Personen Lieder in einer fremden Sprache zusammen sangen. Mohannad Almouhamadi ist der Meinung, dass es wichtig ist unterschiedliche Kulturen in Deutschland kennenzulernen, um so auch das Kulturverständnis unter den Bürgerinnen und Bürgern in der Gesellschaft zu fördern.
In den Jahren 2019 und 2020 beteiligte sich Almouhamadi an einem Kochprojekt. Das Projekt beinhaltete das Kochen und den Verkauf von typischen Landesgerichten. Der Erlös wurde zu Gunsten von Sprachkursen für Menschen mit Fluchterfahrung gespendet. Neben seiner Arbeit übersetzt der mittlerweile gut integrierte Neubürger ehrenamtlich für Personen, die seine Hilfe bei Behördengängen und anderem benötigen.
Zum Hintergrund: Der Pakt für Integration
Das Integrationsmanagement / Pakt für Integration ist ein breites Netzwerk von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Kreisdiakonieverband, dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes und dem Landratsamt Ludwigsburg. Dieses beruht auf der freiwilligen Teilnahme der Geflüchteten. Grundlage ist die Feststellung von Bedarfen in Gesprächen zwischen Sozialarbeitern und Geflüchteten. Auf dieser Basis werden gemeinsam konkrete Ziele formuliert. Diese werden in einem Integrationsplan schriftlich festgehalten und nach und nach bearbeitet. Ziele sind die Integration in die Wohnortgemeinde, Anbindung an die Systeme der Regelversorgung und der Erwerb von Fähigkeiten zu einer selbstständigen Lebensführung. Sind die konkreten Ziele erreicht und der Geflüchtete kann sein Leben selbstständig organisieren, kann das Integrationsmanagement beendet werden. Weitere Unterstützung kann der Geflüchtete danach bei Bedarf bei den Regeldiensten wie der Migrationsberatung erhalten.
Zum Jahresbeginn 2021 werden 2469 Geflüchtete im Integrationsmanagement betreut, davon 970 Minderjährige. 13 Prozent der erwachsenen Klienten befinden sich in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Zusätzlich gehen vier Prozent einer Ausbildung, einem Praktikum oder einem Studium nach. Bei 1253 Personen wurde das Integrationsmanagement bereits beendet (Stand 01.03.2021). Davon konnten 780 Personen einen Mietvertrag abschließen und verfügten erstmals über einen privaten Wohnraum.
