Im neuen „Lernort Bauernhof“ von Markus Pflugfelder in Möglingen können Schülerinnen und Schüler künftig alles über Getreide und Kartoffeln lernen oder lernen, wie man die Beschaffenheit von Böden erforscht. Bei Andreas und Melanie Grau in Sersheim erfahren Schulklassen, wie ein Hähnchenmastbetrieb funktioniert. „Unsere Lernorte Bauernhof sind keine Theorie, sondern Praxis. Hier können junge Menschen den Wert und die Entstehung von landwirtschaftlichen Produkten hautnah miterleben. In einem dicht besiedelten Ballungsraum wie der Region Stuttgart und in Zeiten von zunehmend globalisierten Lebensmittelmärkten ist das ein unschätzbarer Wert“, sagt Luise Pachaly, Leiterin des Fachbereichs Landwirtschaft im Landratsamt Ludwigsburg.
Dabei ist der Lernort Bauernhof tatsächlich ein Erfolgsmodell. Die Zahl der Führungen und Hofbesuche stieg im Jahr 2019 bis Schuljahresende auf über 130, für rund 2500 Kinder und Jugendliche wurde der Unterricht kurzerhand in den Bauernhof verlegt. „Wir freuen uns sehr über den jährlichen Anstieg an Schulklassenbesuchen, deshalb ist es für uns auch wichtig, dass immer neue Betriebe hinzukommen“, sagt Luise Pachaly. Bisher sind 10 Prozent oder zwei der bisher 20 Lernort-Höfe Biobetriebe. In der neuen Bio-Musterregion, zu der der Landkreis gehört, darf auch dieser Anteil gerne noch wachsen. „Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Lernort-Betrieben – ökologisch wie konventionell – und freuen uns über Anfragen“, ergänzt Pachaly.
Eine Besonderheit der Lernorte Bauernhof: Seit knapp zwei Jahren gibt es eine digitale Bildungsroute – „Vom Gras zur Milch“. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3 bis 5 können sich, ausgestattet mit einem Tablet, die Mechanismen eines Milchviehbetriebs hautnah kennenlernen.
Die Lernorte Bauernhof eignen sich als ausgelagerte Klassenzimmer von der Grundschule bis zur Oberstufe und für alle weiterführenden Schulen. So können Lehrkräfte dort beispielsweise Projekttage zum Thema Kartoffel (Kartoffeln legen/stecken; Kartoffeln pflegen; Kartoffeln ernten) anbieten. Möglich sind auch Besuche an mehreren Tagen, die immer einen anderen Schwerpunkt haben – zum Beispiel „Von der Kuh zur Milch“ oder „Vom Korn zum Brot“, „Boden ist Leben“, „Wiese und Streuobst – ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen“ oder „Biogasanlage – wie wird aus Gülle Strom?“. Der Fantasie der Lehrkräfte sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

