„Wir laufen Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren“
Als „schlichtweg falsche Entscheidungen“ bezeichnete Landrat Allgaier die weitere Mittelkürzung der Jobcenter ab 2025 um 900 Millionen Euro und dass alle jungen Menschen unter 25 Jahren dann nur noch durch die Agentur für Arbeit beraten werden sollen. Die Leistungen zum Lebensunterhalt sollen sie weiter vom Jobcenter erhalten. Dies schaffe neue Schnittstellen und konterkariere die verlässlichen Strukturen, die der Landkreis Ludwigsburg mit seinen sechs Standorten des Jobcenters und dank der Zusammenarbeit unter anderem mit der LIGA der freien Wohlfahrtspflege aufgebaut habe. So sei es bislang möglich, wohnortnah den gesamten Haushalt einer Familie zu beraten und zu unterstützen. Schließlich sei gerade das familiäre Umfeld beim Berufsfindungsprozess entscheidend. Wenn die Aufgaben nun zerschlagen würden, sei eine solche Beratung, die das familiäre Umfeld einschließt, nur noch schwer möglich. „Wir laufen hier, nicht nur angesichts des Fachkräftemangels Gefahr, eine ganz Generation zu verlieren“, mahnt der Landrat.
Deutliche Mehrkosten für Landkreis und Kommunen erwartet
Die aktuellen Planungen würden für die Landkreise und ihre Kommunen deutliche Mehrkosten bedeuten. Denn es müsse sichergestellt werden, dass junge Menschen nicht alleine gelassen werden. „Statt ständiger Aufgabenzerschlagung und deren Verschiebung brauchen die Menschen verlässliche Ansprechpartner“, so Landrat Allgaier an die Bundestagsabgeordneten. „Die Jobcenter benötigen daher endlich eine konsequent ausgestaltete Finanzierung statt der ständigen Frage danach, wie die Aufgaben überhaupt finanziert werden können.“
Der Brief von Landrat Allgaier ging am 1. August 2023 an die Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger (CDU), Macit Karaahmetoglu (SPD), Dr. Sandra Detzer (GRÜNE) und Fabian Gramling (CDU).