Es ist eine gute Tradition an der Robert-Franck-Schule, dass Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums am Europaprojekttag gut vorbereitete Fragen an Landes- und Europapolitiker zur Zukunft von Europa richten. In diesem Jahr nahm die 24-jährige Landtagsabgeordnete Alena Trauschel an der Podiumsdiskussion teil. Sie ist Mitglied im Landtagsausschuss für Kultus, Jugend und Sport sowie Sprecherin der FDP-Fraktion für Europafragen.
In seinen Eingangsworten betonte Schulleiter Wolfgang Ulshöfer: „Europa ist in den letzten Jahrzehnten oftmals zu einer wenig geschätzten Selbstverständlichkeit geworden. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Bedrohung unserer freiheitlichen Werte durch den furchtbaren Krieg Russlands gegen die Ukraine gilt umso mehr: Wir brauchen heute ein starkes, vereintes und nach außen geschlossen auftretendes Europa nötiger denn je.“ Im anschließenden Grußwort hob der Erste Landesbeamte Jürgen Vogt hervor, dass die EU seit der letzten Europawahl in bestimmten Bereichen große Fortschritte gemacht hat, so beispielsweise in der Klimapolitik. Herausforderungen sieht er vor allem bei der gemeinsamen Asyl- und Migrationspolitik.
Für die folgende Podiumsdiskussion hatten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 1 des Wirtschaftsgymnasiums im Vorfeld mit ihren Gemeinschaftskundelehrern Fragen vorbereitet, die die Schülermentoren einbrachten. „Wie kamen Sie eigentlich so früh zur Politik?“, fragte Luisa Fernandez. Trauschel erinnert sich an die Freisprechungsfeier ihres Bruders als Schreiner, auf der Christian Lindner eine Rede hielt, die sie nachhaltig beeindruckt hatte. Mit ihrem Abitur im Jahr 2017 ist sie dann in die FDP eingetreten. Damit sie ihr Studium und ihr Landtagsmandat parallel gut ausüben kann, steht ihr ein engagiertes Team zur Verfügung. Auf dem Gebiet der Außenpolitik antwortet Trauschel auf die Frage von Luisa Fernandez: „Ist die EU wichtig für Deutschland und sollte sie mehr Befugnisse haben und geographisch weiter ausgebaut werden?“ mit einem klaren „Ja“. Grundsätzlich sieht Trauschel in der Zusammenarbeit zwischen lokaler Ebene und EU noch Verbesserungsbedarf in der Kommunikation. Aus ihrer Sicht ist die Zustimmung für die EU auch durch die vielen Krisen der letzten zehn Jahre, die Flüchtlingsbewegungen und die Coronapandemie gesunken. Die Grenzen zu schließen ist für sie allerdings auch keine Option. „Nur wenn ein würdevoller Aufenthalt nicht mehr gewährleistet werden kann, habe ich Verständnis für eine Begrenzung des Zuzugs“, so Trauschel. In Bezug auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine betont sie: „Waffen allein schaffen keinen Frieden. Aber zur Verteidigung unserer Werte sind Waffenlieferungen an die Ukraine zwingend notwendig. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit, dass Russland seinen Einflussbereich nach Westen ausdehnt, real“. Abschließend gibt sich Trauschel als Fan des ÖPNV zu erkennen, sieht allerdings erneuerbare Kraftstoffe als Brückentechnologie angesichts der weltweit großen Zahl von Fahrzeugen mit Verbrennermotor als geboten an.
In der kurzweiligen Podiumsdiskussion bewies Trauschel, dass sie noch nah am Schüleralltag ist und unabhängig von den globalen Problemen der EU ihr Interesse und ihre Sensibilität für die Anliegen der Schülerinnen und Schüler nicht verloren hat.