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26. Naturschutzcamp im Tápió-Gebiet: Bienenfresser und Blauracken mit Fernrohren beobachtet

Das 26. Jugend-Naturschutzcamp des ungarischen Komitats Pest und des Landkreises Ludwigsburg hat kürzlich im Rahmen der Partnerschaftsbeziehungen im Tápió-Gebiet östlich von Budapest stattgefunden. Die Camps mit dem thematischen Schwerpunkt Natur- und Umweltschutz werden jährlich im Wechsel in Ludwigsburg und Ungarn organisiert und sollen Jugendliche aus beiden Ländern zusammenbringen und diesen das Kennenlernen der Partnerlandkreise mit ihren Besonderheiten ermöglichen.

Eine Gruppe von etwa 30 Menschen steht lächelnd auf einer offenen Wiese. Die meisten tragen blaue T-Shirts. Die Umgebung ist ländlich, mit etwas hohem Gras und wenigen Bäumen im Hintergrund. Der Himmel ist bewölkt.

Die Teilnehmenden auf der Sanddüne von Erdöszöllö im Tápió-Gebiet.

Am diesjährigen Jugend-Austausch haben 19 Schüler – 14 Mädchen und fünf Jungen – aus dem Landkreis Ludwigsburg sowie zusätzlich ungarische Jugendliche teilgenommen, die teilweise schon im vergangenen Jahr den Landkreis Ludwigsburg besucht haben.

Die Gruppe wurde von Dr. Rolf Gastel, der das Tápió-Projekt von Beginn an mit aufgebaut hat und in der Tápió-Stiftung mitwirkt, sowie von Susanne Blank und Lara Wiechert vom Fachbereich Umwelt des Landratsamtes begleitet.

Mit praktischen Arbeiten zum Erhalt der seltenen Sanddünen- und Löß-Flora beigetragen

Das sehr abwechslungsreiche und von Piroska Wenhardt (Vorsitzende der Tápió-Stiftung) und Janos Vince (Geschäftsführer der Tápió-Stiftung) organisierte Programm umfasste den Besuch des Naturschutzzentrums der Tápió-Stiftung in Farmos, Exkursionen in die großflächigen und sehr artenreichen Naturschutzgebiete mit ausgedehnten Feuchtgebieten, Salzwiesen und Binnensanddünen mit ihrer ganz besonderen Fauna und Flora. Silber- und Purpurreiher, aber auch tropisch bunt gefärbte Bienenfresser und seltene Blauracken konnten mit Fernrohren beobachtet werden, zudem Kiebitze und Grauammern, die im Landkreis Ludwigsburg in den letzten beiden Jahrzehnten ausgestorben sind.

Mit praktischen Naturschutz- und Landschaftspflegearbeiten wurde ein Beitrag zur Erhaltung der seltenen Sanddünen- und Löß-Flora zwischen Donau und Theiß geleistet. So wurden unter anderem wilde Müllablagerungen, die vor Ort noch immer ein großes Problem darstellen, auf dem der Tápió-Stiftung gehörenden rund 50 Hektar großen Sanddünengebiet Erdöszölö bei Nagykáta – der größten Gemeinde des Tápió-Gebietes – beseitigt. Zudem wurden dort invasive, die heimische Flora gefährdende Pflanzenarten entfernt. In Tápióbicske wurden in einer früheren Lehmgrube zuwachsende Lösswände als wichtiges Brutgebiet für Bienenfresser wiederhergestellt und die zur Besucherlenkung eingerichtete Holztreppe mit Aussichtsturm sowie Tischen und Bänken renoviert.

Höhepunkte waren die Beringung von jungen Weißstörchen und Kleinvögeln durch den Ranger der Nationalparkverwaltung und früheren Camp-Teilnehmer Gergö Sari, sowie das Begleitprogramm mit Präsentationen traditioneller Handwerkskunst und regionalen Musik- und Tanz-Darbietungen.

Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg unterstützt finanziell

Besonders beeindruckt waren die sehr interessierten und engagierten deutschen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren zudem von der weiten, im Vergleich zum Landkreis Ludwigsburg nur dünn besiedelten Landschaft sowie von der überaus herzlichen Gastfreundschaft der ungarischen Gastgeber.

Die Durchführung der Jugend-Naturschutzcamps wird seit vielen Jahren von der Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg finanziell unterstützt.

Das rund 720 Quadratkilometer große Tápió-Gebiet weist eine besonders große Vielfalt an typischen Lebensräumen des ungarischen Tieflandes auf, wie Stillgewässer, Schilfgebiete, Feuchtwiesen, Salzwiesen und Sanddünen sowie das Löß-Hügelland. Zum Schutz der besonders wertvollen Tier- und Pflanzenwelt mit Kaiseradler, Weißstorch, Blauracke, Fischotter und Sumpfschildkröte sowie zahlreichen Pflanzenarten wie Wiesenschwertlilie, Federgras und Späte Nelke wurden zehn Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 4500 Hektar ausgewiesen, die direkt der Nationalpark-Direktion unterstehen und gleichzeitig Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 sind.

Tápió-Stiftung und Jugendbegegnungen wichtiger Baustein der Partnerschaftsbeziehungen

Zur nachhaltigen Entwicklung des Tápió-Gebietes als ökologische Modellregion wurde bereits vor 28 Jahren die Tápió-Stiftung gegründet, an der das Komitat Pest, die Tápió-Gemeinden, die Ungarische Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (MME) sowie der Landkreis Ludwigsburg gemeinsam beteiligt sind. Zudem wurde dort 2019 ein neuer und von der Tápió-Stiftung initiierter Naturpark eingerichtet.

Die Tápió-Stiftung und die Begegnung Jugendlicher aus beiden Partnerlandkreisen sind zu einem der wichtigsten Bausteine der Partnerschaftsbeziehungen geworden.