„Wir möchten uns bei den Frauen bedanken, die trotz ungünstiger Bedingungen in ihrem Leben, Einsatz für ihre Familien und andere gezeigt haben“, so Traub. Das Motto des diesjährigen Internationalen Frauentags war „#BreakTheBias“ (Stoppt die Voreingenommenheit). Es geht also darum, eine Welt frei von Stereotypen, Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber Frauen und Mädchen zu erschaffen, die vielfältig, gleichberechtigt und integrativ ist. „Dies ist so wichtig, ganz besonders für die besuchten Frauen“, stellt Traub fest.
Katrin Weiß, Sozialarbeiterin in der Obdachlosenunterkunft in der Teinacher Straße in Ludwigsburg, bemerkte: „Die Frauen fanden es richtig schön, dass jemand an sie denkt, zu ihnen kommt und sich Zeit für sie nimmt.“ Die Bewohnerin Jessica Neumann, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, macht anderen Frauen Mut zum Weltfrauentag: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Obwohl sie selbst nur wenig hat, begrüßt Jessica Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine. „Mein Herz ist groß genug für diese Frauen aus den Kriegsgebieten.“
In der Ludwigsburger Obdachlosenunterkunft im Riedle findet es „Heidi“ aus der Schweiz toll, dass sie Besuch bekommt. Obwohl sie wegen 642 Euro ihre Existenz verlor, ist sie dankbar für alles. „Es gibt Leute, denen es schlechter geht als uns.“ Und Mitbewohnerin Sabine Dabbouri rät allen Frauen: „Lassen Sie sich nicht unterdrücken.“ Uta ergänzt: „Entschlossen, aber fraulich bleiben.“ Alle drei wünschen sich eine normale, eigene Wohnung und hoffen auf Vermieter, die auch ihnen eine Chance geben. Sozialarbeiterin Stefanie Eberhardt betont, wie wichtig nicht das Geschenk, sondern das Gespräch für die Frauen war.
Fatima (Name geändert) stammt aus Afghanistan und zieht eine positive Bilanz trotz ihrer Erfahrung im Frauenhaus. „Hier bin ich wirklich gewachsen. In Deutschland gibt es alle Möglichkeiten, man muss keine Angst haben. Du kannst dich wohlfühlen.“
Terry aus Kenia betont, wie wichtig es ist, den Mut zu haben, Hilfe zu holen und sich zu äußern. Ihre 15 Monate alte Tochter gibt ihr die Kraft dafür. Das Gespräch auf persönlichem Niveau am Weltfrauentag bezeichnet sie als großartig. Anja Gramer, Sozialarbeiterin im Frauenhaus, freut sich über die glücklichen Gesichter der Bewohnerinnen und Ehemaligen.
Am Ende des Tages blieb nur Bewunderung für diese starken Frauen.
Hintergrund
Auch 2022 gibt es noch patriarchale Strukturen, Frauen übernehmen einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit und werden auch in der Lohnarbeit schlechter bezahlt. Während der Pandemie waren es vor allem Frauen, die neben ihrem Job im Homeoffice noch die Betreuung und das Homeschooling der Kinder übernommen haben. Jede dritte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt. Frauen brauchen und wollen Gleichberechtigung, nicht nur auf dem Papier, sie wollen gleiche Chancen, gleiche Löhne, gewaltfreie Beziehungen, faire Arbeitsbedingungen, Strafen für Täter, ein Leben ohne Angst.
Warum ist es wichtig, nicht nur am Weltfrauentag tätig zu werden?
- Frauenrechte sind Menschenrechte
Die volle und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am politischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben, auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene sind vorrangige Ziele der internationalen Gemeinschaft. - Gender Pay Gap
Frauen verdienten 2020 für dieselbe Arbeit laut statistischem Bundesamt immer noch 18% weniger als Männer. Damit ist Deutschland in der EU eines der Schlusslichter. - Veraltete Rollenbilder nachteilig für Frauen.
Nach einem längeren Ausstieg ist die Rückkehr in den alten Beruf meist schwierig, außerdem arbeiten Frauen mit Kindern sehr viel häufiger als Männer in Teilzeit und verdienen insgesamt weniger Geld. - Internationale Frauenrechte
Weltweit sind insbesondere Frauen Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, werden zwangsverheiratet oder erhalten keinen Zugang zu Bildung. - Frauen sind von Altersarmut bedroht
Abhängigkeit oder Armut: Durch einen längeren Ausstieg aus dem Job sind Frauen viel öfter von Altersarmut bedroht als Männer – oder finanziell abhängig vom Ehemann. - Kaum Verbesserung bei Gleichstellung von Frauen und Männern in Führungspositionen
Frauen in deutschen Vorständen haben immer noch Seltenheitswert. Mehr als die Hälfte aller Börsenunternehmen (81) hatten im Oktober 2021 nach wie vor gar keine Frau auf der obersten Management-Ebene. Aber es geht voran: 2021 verzeichnen die 160 deutschen Börsenunternehmen ihren bislang größten jährlichen Zuwachs an Frauen in den Vorständen, das zeigt ein Bericht der AllBright Stiftung. 2021 gab es insgesamt 25 Vorständinnen mehr als im Vorjahr, 28 Prozent der neu rekrutierten Vorstandsmitglieder waren Frauen.