Mit dem Fokus auf Corona-Impfungen dürfen andere Impfungen, die vor sehr ernsten Erkrankungen schützen, nicht in Vergessenheit geraten. Die Preisverleihung der Kampagne des Kreis-Gesundheitsdezernats für die Impfung gegen Humane-Papillomviren (HPV) 2020 konnte wegen Impfstoff-Lieferengpässen erst kürzlich stattfinden.
Dr. Uschi Traub, Leiterin der Gesundheitsförderung, und Gela Ertmann überreichten mit Maskottchen Superdog Pablo die Preise an die Gewinner der Verlosung im Rahmen der Kampagne. Emily Kotzmann (Stromberg-Gymnasium, Vaihingen an der Enz) und Lukas Dengel (zu Beginn der Kampagne im Hans-Grüninger-Gymnasium, Markgröningen und jetzt im Helene-Lange-Gymnasium, Markgröningen) freuten sich sehr über ihren Gewinn: Gutscheine im Wert von 110 Euro für den Europapark Rust.
Bei der Kampagne unter dem Motto „HPV – Lass das Virus nicht gewinnen!“ an allen weiterführenden Schulen und in Praxen im 2. Quartal 2020 informierten das Gesundheitsdezernat und die Ärzteschaft Ludwigsburg mit Unterstützung der Schulleitungen alle Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen sowie ihre Eltern. Die Kampagne findet jährlich seit 2018 statt.
Sandra Dengel, Mutter des zwölfjährigen Lukas, ist glücklich: „Die Spritze hat sich für Lukas gelohnt, obwohl er Angst vor Spritzen hat.“ Andreas Kotzmann, Vater der dreizehnjährigen Emily, findet die HPV-Impfung wichtig für Jungen und Mädchen, damit „sie selbst gesund bleiben und andere nicht anstecken“. Lukas und Emily haben sich impfen lassen damit sie die HPV-bedingten „Krankheiten nicht bekommen“. Sie wollen auch ihre Mitschüler und -schülerinnen motivieren, sich, nach Rücksprache mit ihren Eltern, impfen zu lassen. Alle bis zum 30. Juni 2021 mindestens einmal HPV-geimpften Sechstklässlerinnen und Sechstklässler konnten freiwillig an einer Verlosung teilnehmen. Dazu brauchten sie nur eine vom Kinder- oder Hausarzt abgestempelte Bescheinigung an das Gesundheitsamt senden.
Die Zahl der bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg abgerechneten HPV-Impfungen im 3. Quartal 2020 im Landkreis Ludwigsburg (1691) blieb, trotz Impfstoffengpässen, deutlich höher als im Vergleichslandkreis Esslingen (1432).
Die Impfquote gegen Humane Papillomviren in Deutschland reicht für einen flächendeckenden Schutz nicht aus. Dieser ist ab einer Impfquote von mindestens 70 Prozent gegeben. Besonders im Süden Deutschlands sind die Impfquoten laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum niedrig. Während in den neuen Bundesländern bei den 15-jährigen Mädchen gute Quoten von rund 60 Prozent erreicht würden, seien es in Bayern und Baden-Württemberg nur rund 35 Prozent. Zum Vergleich: Die skandinavischen Länder und Australien vermelden Impfquoten von 80 bis 90 Prozent.
„Wir dürfen nicht vergessen, dass mindestens sechs Krebsarten auf HPV zurückzuführen sind“, betont Uschi Traub. Gebärmutterhals-, Vulva-, Vaginal-, Mund- und Rachen-, Anal- und Peniskrebs werde jährlich bei rund 1.700 Männern und 6.000 Frauen festgestellt.
Info:
Die HPV-Impfung schützt neun von zehn Frauen vor Gebärmutterhalskrebs, acht von zehn vor Vaginalkrebs und sieben von zehn vor Vulvakrebs. Neun von zehn geimpften Männern und Frauen haben Schutz vor Analkrebs, sechs von zehn vor Mund- und Rachenkrebs. Weiterhin verhindert die Impfung in sechs von zehn Fällen das Auftreten von Peniskrebs. Der Impfstoff Gardasil 9 bietet einen zusätzlichen Schutz vor HPV-Typen, die für etwa 90 Prozent der auftretenden Genitalwarzen verantwortlich sind.
Seit Zulassung der Impfung wurden weltweit mehr als 270 Millionen Dosen verabreicht. Sowohl vor als auch nach der Zulassung wurde die Sicherheit der HPV-Impfung in diversen, umfangreichen Studien untersucht. Dabei wurden laut Robert-Koch-Institut keine schweren Nebenwirkungen im ursächlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung festgestellt. In den Untersuchungen bestand insbesondere kein Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen
oder neurologischen Komplikationen. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Abgeschlagenheit sind häufig und können auch in einer schweren Form auftreten. Diese sind jedoch zeitlich begrenzt und vollständig reversibel. Wie bei anderen Impfungen auch kann in sehr seltenen Fällen eine Anaphylaxie auftreten (ca. 1,7 Fällen pro 1 Millionen Impfungen).
Bei Rückfragen können sich Interessierte mit Dr. Uschi Traub, Tel. 07141 144-2520, Mail: gesundheitsfoerderung@landkreis-ludwigsburg.de in Verbindung setzen.
