Studien zufolge haben nur 15,4 Prozent der Deutschen ihren Willen in Sachen Organspende schriftlich bekundet und 17,5 Prozent mündlich, bei über 63 Prozent mussten Angehörige nach dem mutmaßlichen oder dem eigenen Willen entscheiden. „Viel zu oft scheitern Organspenden an einer fehlenden Zustimmung. Dies gilt insbesondere für die Fälle, in denen Angehörige eine Entscheidung treffen müssen, ohne den Willen ihres Verstorbenen zu kennen“, sagt Landrat Allgaier. Gesundheitsdezernentin Dr. Karlin Stark ergänzt: „Viele Themen müssen diskutiert werden, wie etwa die Widerspruchslösung, anonyme Lebendspenden, Über-Kreuz-Spenden oder die verbesserte Organisation der Organspende. Nur so kann sich Deutschland aus den hinteren Rängen der Organspende in Europa verbessern und nicht mehr Organ-Importland bei Eurotransplant bleiben“, so die Gesundheitsdezernentin.
„Die Angehörigen stehen unter einer enormen Belastung, wenn sie in der Notsituation entscheiden müssen,“ so der Landrat weiter. „Umso sinnvoller ist es, sich frühzeitig Gedanken zu machen, was mit den eigenen Organen passieren soll.“
Täglich sterben drei Menschen in Deutschland, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhalten. Hierzulande warten derzeit beinahe 8.300 Menschen auf eine Transplantation, allein in Baden-Württemberg sind es knapp 1.000 Patientinnen und Patienten. Sie warten im Schnitt neun Jahre auf eine Niere, nicht jeder überlebt diese Zeit trotz Dialyse.
