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Informations- und Austauschabend über den Schutz von Feldvögeln in der Landwirtschaft: Blühbrache und Lichtacker können Lebensräume verbessern

Zu einem Informations- und Austauschabend über das Thema „Schutz von Feldvögeln in der Landwirtschaft“ sind vor kurzem Landwirte auf Einladung des Landschaftserhaltungsverbands (LEV), der Unteren Landwirtschaftsbehörde des Landratsamts und der Bio-Musterregion Ludwigsburg-Stuttgart zusammengekommen. Für den Schutz der Feldvögel leisten viele Landwirtinnen und Landwirte bereits einen bedeutenden Beitrag.

Eine blühende Wiese mit vielen verschiedenen Wildblumen im Vordergrund. Im Hintergrund sind sanfte Hügel und eine kleine Gruppe von Häusern in einer ländlichen Umgebung zu sehen. Der Himmel ist klar und blau.

Mehrjährige hochwertige Blühbrachen erfüllen wichtige Funktionen für Feldvögel: Brutplatz, Aufzucht der Jungvögel, Nahrung und Deckung (Bild: Landschaftserhaltungsverband Landkreis Ludwigsburg e.V.).

Geschäftsführer Andreas Fallert vom Landschaftserhaltungsverband (LEV), seine Kollegin Johanna Klebe und Alicia Läpple, Biodiversitätsberaterin der Unteren Landwirtschaftsbehörde des Landratsamts, gaben Informationen zum Vorkommen der Feldvögel und stellten wirkungsvolle Maßnahmen zu deren Schutz vor. Läpple berichtete, dass in den letzten Jahren ein Rückgang vieler Feldvogelarten zu beobachten ist, so zum Beispiel beim Rebhuhn und bei der Feldlerche. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Neben dem Strukturwandel in der Landwirtschaft spielen auch Beutegreifer wie der Fuchs eine bedeutende Rolle. Aufgrund des traditionellen Ackerbaus hat der Landkreis mit seiner offenen Feldflur eine landesweit hohe Bedeutung für die Feldvögel, führte Läpple aus.

Blühbrache für einen sicheren Brutplatz elementar

Johanna Klebe vom LEV stellte als wichtige Maßnahme die Blühbrache vor. Das Anlegen einer breitflächigen und mehrjährigen Blühbrache ist für einen sicheren Brutplatz elementar. Rebhuhn und Feldlerche seien Bodenbrüter und benötigten daher ausreichende Deckungsmöglichkeiten, gleichzeitig aber auch eine nicht zu dichte Vegetation, um sich fortbewegen zu können, erläuterte die Agrarbiologin. Gerade die mehrjährigen Blühbrachen sind besonders wertvoll. Im zweiten Anbaujahr steigt dort die Insektenanzahl, was für die Aufzucht der Jungvögel wichtig ist, denn sie brauchen in den ersten Wochen tierisches Eiweiß. Bei der Lage der Blühbrache ist es wichtig, auf Abstand zu Störungen wie beispielsweise beliebte Spazierwege zu achten. Auch Bäume und hohe Büsche sind problematisch, da sich dort Greifvögel wohl fühlen und die Eltern- und Jungvögel zu einer leichten Beute werden. Während der Brutzeit der Feldvögel von April bis Ende August dürften Landwirtinnen und Landwirte die Fläche zum Schutz der Tiere nicht bearbeiten, führte Klebe abschließend aus.

Als zweite wirkungsvolle Maßnahme stellte Klebe den Lichtacker vor. Hier wird das Getreide mit größerem Abstand als üblich eingesät. Der lockere Bewuchs ermöglicht es den Feldvögeln, sich gut und sicher fortzubewegen. Optimal sei zusätzliche eine blühende Untersaat, die Deckung gebe und Nahrung biete, erklärte Fallert. Der Lichtacker ist eine sogenannte „produktionsintegrierbare Maßnahme“. Das heißt: die Flächen werden landwirtschaftlich bewirtschaftet – wenn auch mit weniger Ertrag – und sind gleichzeitig wertvoll für den Naturschutz.

Förderprogramme vorgestellt

Läpple, Klebe und Fallert stellten abschließend die in Frage kommenden Förderprogramme vor. Die Förderung ist eine Aufwandsentschädigung für Landwirtinnen und Landwirte und schafft damit einen finanziellen Ausgleich für den entgangenen Ertrag, den Kauf von vorgegebenem Saatgut und das Einhalten von zeitlich festgelegten Arbeitsschritten.

Im Anschluss berichtete der Landwirt Mike Schiele von seinen eigenen Erfahrungen mit einer Blühbrache. „Ich habe es durchgerechnet, die Förderung der Landschaftspflegerichtlinie ist hinsichtlich des Deckungsbeitrags bei Bodenpunkten von 30 bis 40 besser als bei Winterweizen. Aber die Folgekosten durch die Verunkrautung der Fläche, wenn diese wieder in die Fruchtfolge mitaufgenommen wird, relativieren diese Rechnung“, so der Landwirtschaftsmeister. Die Landwirte freuten sich über die Einblicke und dankten es den Referentinnen und Referenten mit intensiver Diskussion und fachlichem Austausch.

Rebhuhnschutz braucht Unterstützung auch außerhalb der Landwirtschaft

Für einen erfolgreichen Rebhuhnschutz braucht es auch außerhalb der Landwirtschaft Unterstützung: Erstens müssen Beutegreifer wie Füchse von den Jägern reduziert werden, da diese viele Rebhühner jagen. Zweitens kann durch regelmäßiges abschnittsweises Zurückschneiden von hohen Hecken die Gefahr durch Greifvögel verringert werden. Hundehalter können mithelfen, indem sie ihre Hunde an der Leine führen, da Rebhühner sehr sensibel auf Störungen reagieren. Fallert appellierte daher an die Hundehalter, vor allem in der Brutzeit von April bis August Hunde anzuleinen. Denn wenn sie zu häufig gestört werden, verlassen Rebhühner ihr Nest und sogar dauerhaft ihre Jungvögel, die dann keine Überlebenschance mehr haben.

Fazit aller Beteiligten des Abends: Die Kombination aller Maßnahmen kann dazu beitragen, die Lebensbedingungen und Lebensräume für Feldvögel in der Agrarlandschaft zu verbessern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz, Jägerschaft und Behörden ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Info für die Landwirtschaft:

Landwirtschaftliche Betriebe ab 10 ha Ackerfläche müssen 4 % ihrer Ackerfläche stilllegen. Der LEV unterstützt die Einsaat von Blühflächen auf diesen sogenannten „GLÖZ 8 Brachen“ durch kostenlose Saatgutausgabe.

Kontakt LEV: Andreas Fallert, Tel.: 07141 144-43165 oder Mail: andreas.fallert[at]lev-ludwigsburg.de