Sozialdezernent Heiner Pfrommer eröffnete den Fachtag mit seiner Begrüßung. Das Modellprojekt PflegeFrei wurde von Oktober 2019 bis März 2023 im Rahmen des Innovationsprogramms Pflege des Landes Baden-Württemberg gefördert und hatte planbare Auszeiten für pflegende Angehörige im Fokus.
In seiner Videobotschaft dankte Manne Lucha, Landesminister für Soziales, Gesundheit und Integration, dem Landkreis Ludwigsburg für seine Initiative und gab einen Einblick zur aktuellen Situation der Kurzzeitpflege. Der Fachtag „Kurzzeitpflege in der Häuslichkeit“ nahm die Entwicklung zukunftsfähiger Entlastungsstrukturen für pflegende Angehörige in den Blick. Silke Reich, Leiterin des Landratsamt-Geschäftsteils Seniorenarbeit und Pflege, moderierte die Veranstaltung.
Insgesamt 83 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Baden-Württemberg werden durch Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn im häuslichen Umfeld versorgt. Wichtig ist dabei, dass die Pflegenden auch an ihre eigenen Auszeiten denken. Das Modellprojekt PflegeFrei zeigte Wege, die den Aufbau häuslicher Vertretungsnetzwerke für planbare Auszeiten unterstützen können. Neben Beratungsangeboten für pflegende Angehörige ist es wichtig, interessierte Bürgerinnen und Bürger dabei zu unterstützen, sich mit ihren eigene Qualitäten in diese Netzwerke einzubringen. Zur Sensibilisierung der gemeinschaftlichen Pflegeverantwortung sind offene Gesprächs- und Begegnungsangebote von unterschiedlichen Akteuren notwendig. Prof. Dr. Annette Franke von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, die das Modellprojekt wissenschaftlich begleitete, wies zusätzlich auf die Herausforderungen hin, die mit der Übernahme der Sorge- und Pflegeverantwortung verbunden sind. Die pflegenden Angehörigen zeigen sich im psychosozialen Bereich stark belastet.
Die Stadt Kornwestheim war im letzten Projekthalbjahr Erprobungsquartier des Modellprojekts. Kadir Koyutürk, Stabstelle Soziales und Teilhabe, und Siegfried Dannwolf, Vorsitzender des Stadtseniorenrates Kornwestheim, berichteten über ihre positiven Erfahrungen mit der Quartiersarbeit und hoben die Bedeutung der Weiterentwicklung von kommunalen Vernetzungs- und Versorgungsstrukturen hervor.
Lebendige Nachbarschaften können ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung des häuslichen Pflegesettings sein, betonte auch Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff aus Freiburg. Pflegende Angehörige benötigen Auszeiten, um selbst gesundheitlich stabil bleiben zu können. Ihr Vortrag zeigte die wachsende Bedeutung und mögliche Formen von Entlastungsangeboten auf.
Der Nachmittag des Fachtags lenkte den Fokus auf die Digitalisierung. Dr. Tobias Wörle vom Bayrischen Forschungszentrum „Pflege Digital“ verdeutlichte, dass zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen große Hoffnungen auf sorgende Gemeinschaften aus Nachbarn, Ehrenamtlichen und Profis gesetzt werden. Um Angehörige wirksam zu entlasten, brauchen diese Sorgegemeinschaften jedoch selbst Unterstützung – auch in digitaler Form. Dies gehe nur Schritt für Schritt, um einen Mehrwert und Entlastungsfaktoren dabei zu erleben, so Wörle. Der Vortrag gab dazu Einblicke in das partizipative Forschungs- und Entwicklungsprojekt KoordinAID und stellte erste Lösungsansätze aus einer ländlichen Region vor. Thomas Heine von Landeskompetenzzentrum Pflege & Digitalisierung Baden-Württemberg informierte über Möglichkeiten der digitalen Technik zur Unterstützung sowohl von Menschen mit Pflegebedarf als auch deren pflegenden An- und Zugehörigen.
Der Fachtag bot den Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, mit den Referenten und untereinander ins Gespräch zu kommen. Viele Impulse für die Weiterentwicklung der „Kurzzeitpflege in der Häuslichkeit“ konnten aufgezeigt und diskutiert werden.
