„Der Rückblick ist zunächst schmerzhaft. Denn als erstes fällt einem unweigerlich der brutale und menschenverachtende Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober ein. Der dadurch entfachte Krieg hält leider bis heute an und fordert auf beiden Seiten viele Menschenleben, darunter viele zivile Opfer. Die Not und Sorgen der Menschen sind groß. Auch auf israelischer Seite mussten viele ihre Heimat verlassen. Aus unserer Partnerregion Oberes Galiläa sind nach Angaben meines Amtskollegen Chairman Giora Salz über 90 Prozent der Menschen in sicherere Gebiete geflohen beziehungsweise evakuiert worden“, sagte der Chef der Kreisverwaltung. Als er Anfang September mit einer Kreistagsdelegation zu Besuch bei den Freunden im Oberen Galiläa war, habe noch nichts auf diese Katastrophe hingedeutet, so Landrat Allgaier weiter – vier Wochen später sei alles anders gewesen: „Nichts ist dort mehr, wie es war.“
Insgesamt 32.000 Euro Konzerterlös und Spenden für Menschen im Oberen Galiläa
Das Landratsamt sei deshalb nahezu täglich in Kontakt mit den Freunden im Oberen Galiläa und versuche, diesen Mut und Zuversicht zuzusprechen. Aus dem gleichen Grund hätten PKC, Kreistag und Landkreisverwaltung seit dem 7. Oktober verschiedene Solidaritätserklärungen abgegeben und Solidaritätsaktionen gestartet. Als Beispiel nannte der Chef der Kreisverwaltung das Benefizkonzert mit dem Landespolizeiorchester Baden-Württemberg im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse Ludwigsburg. Durch den Erlös des Konzerts und eine Vielzahl von Spenden rund um das Benefizkonzert seien insgesamt 32.000 Euro zusammengekommen, die den Menschen im Oberen Galiläa in vollem Umfang für humanitäre Zwecke zugutekommen. Landrat Allgaier freute sich sehr über die Spendensumme und dankte allen, die sich an der Aktion beteiligt haben. „Mit alldem wollen wir klar zum Ausdruck bringen, dass wir fest an der Seite Israels und insbesondere unserer Freunde im Oberen Galiläa stehen, dass wir sie im Rahmen unserer
Möglichkeit unterstützen“, bilanzierte der Landrat.
Solidaritätserklärungen und -aktionen stoßen auf positives Echo
Die Reaktionen auf die Solidaritätserklärungen und -aktionen seien allesamt positiv gewesen. Gleichzeitig sei aber leider eine besorgniserregende Zunahme des Antisemitismus in Deutschland zu beobachten. „Das ist nicht nur vor dem geschichtlichen Hintergrund, sondern auch ganz grundsätzlich beschämend. Wir müssen dem Antisemitismus mit Nachdruck entgegentreten und
dessen Irrationalität und Menschenverachtung deutlich machen. Daran wird das PKC als Ort der Begegnung und Bildung weiterhin arbeiten. Es ist gut und außerordentlich wichtig, dass die Menschen in Deutschland derzeit auf die Straßen gehen, um gegen den rechten Populismus und dessen Aktivitäten zu demonstrieren. Das faschistische Gedankengut gehört in Deutschland nicht – auch nicht aus Unzufriedenheit – in unsere Gesellschaft und in unsere Politik“, stellte Allgaier klar und ergänzte: „Unsere große Hoffnung für 2024 ist, dass der Antisemitismus aus den Köpfen verschwindet und der Krieg hoffentlich bald vorbei ist und Israel und seine Menschen, aber auch die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen wieder in Frieden leben können!“
Ein Delegationsbesuch, zahlreiche Schüleraustausche und neu geschlossene Schulkooperationen
Als positive Ereignissen des vergangenen Jahres nannte der Landrat den PKC-Besuch einer Delegation von „Community Managern“ des Galil Elion mit Chairman Giora Salz an der Spitze im Juni, zahlreiche Schüleraustausche, die neu geschlossenen Schulkooperationen des PKC mit den landkreiseigenen Beruflichen Schulen Robert-Franck-Schule und Oscar-Walcker-Schule sowie den Vortrag „Zur politischen Geschichte des Nahen Ostens“ von Matthias Hofmann Ende November.
In seinem Ausblick ging Allgaier ein auf das mehrtägige Seminar gegen Antisemitismus für junge Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und die Überarbeitung der Genisa-Ausstellung durch den Seminarkurs „Genisa“ der Max-Eyth-Schule Stuttgart. Ferner erwähnte er die Tagesexkursion in die Schum-Stadt Mainz („Schum“ ist die hebräische Abkürzung für Speyer, Worms und Mainz, in denen im Mittelalter sehr große jüdische Gemeinden lebten), das nächste Kompaktseminar mit der PH Ludwigsburg und die Fortsetzung der Arbeit mit den Schulklassen. Das große Thema der PKC-Kultur-Veranstaltungen werde „Jiddisch und Klezmer“ sein.
„Wenn aufgrund der aktuellen Situation keine persönlichen Begegnungen möglich sind, dann treffen wir uns digital. Der Krieg im Nahen Osten wird unsere persönlichen Beziehungen nicht verhindern und nicht behindern: Wer im Herzen miteinander verbunden ist, den trennt keine Entfernung“, so das Fazit von Landrat Allgaier.
Im Anschluss an Landrat Allgaier betonte Generalleutnant Ingo Gerhartz in seiner Stiftungsrede, dass die deutsch-israelische Freundschaft nicht so tief und verlässlich wäre, wenn sie nur von Staatsmännern gestaltet und geprägt würde – stattdessen komme es auf jeden und jede von uns an. Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung und darauf, die Hamas zu besiegen, um zukünftige Terrorangriffe zu verhindern. Auch in Zukunft werde man auf brutale Angriffe von Autokratien und Terror reagieren müssen. Dabei dürfe man aber nicht unsere Werte aus den Augen verlieren. Nur, wenn dies gelinge, würden wir dem Versprechen des „Nie wieder“ gerecht.