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„Sei schlau, mach‘ nicht blau!“

Immer mehr junge Menschen fühlen sich den Anforderungen des Schulsystems nicht mehr gewachsen, beteiligen sich nicht mehr am Unterricht oder verweigern den Schulbesuch komplett. Die Auswirkungen von Lockdown und Homeschooling haben diese Probleme massiv verstärkt. Hier setzt das durch den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) geförderte Projekt Oktopus an. Der regionale ESF-Arbeitskreis, der Oktopus im vergangenen Herbst zur Förderung ausgewählt hat, hat sich bei einem Vor-Ort-Besuch selbst ein Bild von der oftmals komplexen Arbeit mit der jungen Klientel gemacht.

Eine Gruppe von zehn Personen sitzt und steht um einen Tisch. Im Hintergrund ist eine Präsentation mit dem Titel „Projekt Oktopus“ zu sehen. Die Teilnehmer scheinen an einem Arbeitsmeeting oder einer Präsentation teilzunehmen. Auf dem Tisch liegen verschiedene Unterlagen und ein Plüschtier.

Oktopus ist ein individuelles, bedarfsorientiertes und flexibles Unterstützungsangebot für von
Schulverweigerung und Schulversagen betroffene Schülerinnen und Schülern ab der 5. Klasse
im Landkreis Ludwigsburg. Bei Bedarf sind die Mitarbeiterinnen aufsuchend im gesamten
Landkreis unterwegs. Dabei werden die Erziehungsberechtigten, die oftmals selbst hoch belastet
sind, aktiv mit einbezogen. Unter dem Motto „Sei schlau, mach‘ nicht blau!“ macht der
Oktopus als sympathisches Maskottchen im Internet, auf Instagram und auf ansprechend gestalteten
Flyern und Broschüren Werbung für das Projekt. Dieses ist im Landkreis Ludwigsburg
mittlerweile eine fest etablierte Anlaufstelle im Bereich Schulabsentismus für Eltern,
Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Jugendamt, Polizei, Ärzte und Therapeuten.


Julian Bach, Projektleiter Oktopus bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, und seine
Mitarbeiterinnen erläuterten den Mitgliedern des Arbeitskreises, dass das Projekt „von Anfragen
regelrecht geflutet“ werde und die Projektauslastung sehr hoch sei. Ein großer Vorteil von
Oktopus sei es, dass der individuelle, häufig umfassende Hilfebedarf des betroffenen Kind es
zur Gänze abgedeckt werden könne. „Die Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern
steht immer im Mittelpunkt“, so Projektmitarbeitern Lierin Hanika. Sie und ihre Kolleginnen
sind dabei sehr flexibel, begleiten bei Bedarf auch zu Gerichtsterminen, was die jungen
Menschen und ihre Familien als große Entlastung erleben. Auch eine Tandembegleitung
ist möglich, bei der eine Mitarbeiterin sich vorrangig um die Belange des Kindes kümmert,
während die andere einem Elternteil, oft der Mutter, dabei hilft, die eigene Rolle zu reflektieren
und Lösungsstrategien zu entwickeln.


Schülerinnen und Schüler, die am Projekt teilnehmen, haben mit verschiedensten Herausforderungen
zu kämpfen: Identitätsfindung, psychische Schwierigkeiten, ungewollte Schwangerschaften,
Mobbing, Ängste verschiedenster Art und gesellschaftliche Herausforderungen, Belastungen
im Elternhaus wie Scheidung, Gewalt, innerfamiliäre Konflikte oder auch Straffälligkeit
können bei Schulverweigerung eine Rolle spielen. Auch scheinbar banale Probleme
wie lange Schulwege mit Bus und Bahn können junge Menschen, die bereits ungern in die
Schule gehen, überfordern und zur Entstehung einer Verweigerungshaltung beitragen. Die
Mitarbeiterinnen des Projekts rechnen damit, dass unter anderem durch die Auswirkungen der
langen Schulschließungen auch in den kommenden Jahren mit weiterhin stark steigenden
Fallzahlen gerechnet werden muss.


Heiner Pfrommer, Sozialdezernent des Landkreises Ludwigsburg und zugleich Vorsitzender des regionalen ESF-Arbeitskreises, bedankte sich bei den Projektverantwortlichen: „Herzli-chen Dank für den umfassenden Eindruck, den Sie uns heute in das Projekt gegeben haben und für Ihre wichtige Arbeit zugunsten junger Menschen in schulischen Schwierigkeiten.“


Das Projekt Oktopus ist aus dem Vorläuferprojekt „Fallmanagement Schulverweigerung“ her-vorgegangen, welches seit 2014 jährlich erfolgreich ESF-Fördermittel eingeworben hat. Wei-tere im Jahr 2022 durch den regionalen ESF Plus geförderte Projekte im Landkreis Ludwigs-burg sind AVDual (Begleitung von Jugendlichen an beruflichen Schulen mit dem Ziel, einen Ausbildungsplatz zu finden), Level 3 (niedrigschwelliges Angebot zur Entwicklung neuer be-ruflicher Perspektiven) und SAM Plus (niedrigschwelliges aufsuchendes Angebot zum Abbau von vermittlungshemmenden Faktoren und zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit).


Fragen zum ESF-Plus im Landkreis Ludwigsburg und den geförderten Projekten beantwortet gerne die ESF-Geschäftsstelle im Landratsamt Ludwigsburg (Stephanie Mayer, Telefon 07141 144-42052, E-Mail: stephanie.mayer@landkreis-ludwigsburg.de). Für weitere Informa-tionen zum Projekt Oktopus können sich Interessierte und Betroffene an die Caritas Ludwigs-burg-Waiblingen-Enz wenden unter der E-Mail-Adresse oktopus@caritas-ludwigsburg-waiblingen-enz.de.


Hintergrund:
Der ESF Plus ist ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument der Europäischen Union (EU) zur Förderung der Beschäftigung in Europa. Seit Gründung der Europäischen Wirt-schaftsgemeinschaft im Jahr 1957 verbessert er die Beschäftigungschancen, unterstützt Men-schen durch Ausbildung und Qualifizierung, trägt zum Abbau von Benachteiligungen am Ar-beitsmarkt bei und bekämpft Armut und soziale Ausgrenzung. Er ist das wichtigste Finanzie-rungs- und Förderinstrument der EU für Investitionen in Menschen. Bei der regionalen Förde-rung wird das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg von den regionalen ESF-Arbeitskreisen unterstützt, die bei den Stadt- und Landkreisen angesiedelt sind und über ein eigenes Mittelkontingent verfügen.