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Preisübergabe der kreisweiten Kampagne 2021 zur Impfung gegen Humane Papillomviren: „Lass das Virus nicht gewinnen!“

Mit dem aktuellen Fokus auf Corona dürfen andere Impfungen, die vor sehr ernsten Erkrankungen schützen, dennoch nicht vergessen und operative Eingriffe nicht zu lange verschoben werden. Die Preisverleihung der Kampagne des Kreis-Gesundheitsdezernats für die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) 2021 konnte kürzlich stattfinden.

Sechs Personen stehen vor einer Holzwand und halten Urkunden oder Zertifikate in den Händen. In der Mitte der Gruppe sind mehrere Plakate oder Auszeichnungen aufgeklebt. Die Anwesenden lächeln und wirken stolz über ihre Erfolge oder Beiträge.

Nach der Preisübergabe von links: Kevin Dichtl, Praktikant des Gesundheitsdezernats, Silke Häberle mit Gewinnerin S. Häberle, Gewinner Fivos Binjamin Kiritsis mit Dimitrios Kiritsis sowie Dr. Uschi Traub, Leiterin des Gesundheitsdezernat-Fachbereichs Gesundheitsförderung, Gesundheitsplanung und Kommunale Gesundheitskonferenz.

Dr. Uschi Traub, Leiterin der Gesundheitsförderung, und Kevin Dichtl überreichten die Preise an einen Gewinner und eine Gewinnerin der Verlosung im Rahmen der Kampagne: S. Häberle (Friedrich-Abel-Gymnasium, Vaihingen an der Enz) und Fivos Binjamin Kiritsis (Gustav-Schönleber-Schule, Bietigheim-Bissingen) bekamen Gutscheine für das Breuningerland.

Bei der Kampagne unter dem Motto „HPV – Lass das Virus nicht gewinnen!“ an allen weiterführenden Schulen und in Praxen im 2. Quartal 2021 informierten das Gesundheitsdezernat und die Ärzteschaft Ludwigsburg mit Unterstützung der Schulleitungen alle Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen sowie deren Eltern. Die Kampagne findet seit 2018 jährlich statt.

Silke Häberle, Mutter der S., findet die Kampagne sehr wichtig. „Mit einfachen Mitteln kann man sich und andere schützen. Bekannte Eltern vom benachbarten Enzkreis bedauerten, dass diese Kampagne nur im Landkreis Ludwigsburg durchgeführt wird.“ S. macht anderen Kindern Mut: „Obwohl ich Angst vor Spritzen habe, habe ich die Impfung wegen der Vorteile gemacht.“ Und Fivos appelliert an seine Mitschüler und Mitschülerinnen: „Lasst euch impfen – Vorsicht ist besser als Nachsicht.“ Vater Dimitrios Kiritsis schließt sich der Meinung seines Sohns voll an.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass mindestens sechs Krebsarten auf HPV zurückzuführen sind“, betont Traub. Gebärmutterhals-, Vulva-, Vaginal-, Mund- und Rachen-, Anal- und Peniskrebs. Jedes Jahr erkranken zwischen 7.700 und 9.600 Menschen in Deutschland an HPV-assoziierten Krebsarten. HPV-Impfung im Vorfeld eines Infektionsrisikos, Früherkennungsuntersuchungen und frühzeitige Behandlungen können diese Krebsarten nahezu eliminieren.

Die Zahl der bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg abgerechneten HPV-Impfungen im 2. Quartal 2021 im Landkreis Ludwigsburg (1878, Entwicklung 15% mehr als im Vorjahresquartal) blieb deutlich höher als beispielsweise im Vergleichslandkreis Esslingen (1533, 8% mehr zum Vorjahresquartal).

Hintergrundinfos:

Die Impfquote gegen Humane Papillomviren in Deutschland reicht für einen flächendeckenden Schutz nicht aus. Dieser ist ab einer Impfquote von mindestens 70 Prozent gegeben. Besonders im Süden Deutschlands sind die Impfquoten laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum niedrig. Es bestehen große regionale Unterschiede von etwa 38 % Durchimpfungsrate in Baden-Württemberg bis etwa 67 % in Sachsen-Anhalt. Die HPV-Impfquote bei Mädchen ist 14 Jahre nach Herausgabe der Impfempfehlung weiterhin viel zu niedrig. Im Jahr 2019 sind nur rund 47 % der 15-jährigen Mädchen gegen HPV geimpft. Nur 14 % der Mädchen im Alter von 11 Jahren haben einen vollständigen HPV-Impfschutz. Zum Vergleich: Die skandinavischen Länder und Australien vermelden Impfquoten von 80 bis 90 Prozent.

Mit der aktuellen Entwicklung der HPV-Impfquote wird Deutschland das WHO-Ziel, bis 2030 mehr als 90 % der 15-jährigen Mädchen vollständig mit HPV-Impfung zu impfen, verfehlen und damit viele vermeidbare behandlungsbedürftige Krebsvorstufen und Krebserkrankungen mit Leid und schlimmstenfalls Tod in Kauf nehmen.

Die HPV-Impfquote bei Jungen ist im zweiten Jahr seit der Empfehlung sehr gering: Nur etwa 5 % der 15-jährigen Jungen sind gegen HPV geimpft.

Die Abbruchquote ist hoch. Im Alter von 18 Jahren haben etwa 19 % der Mädchen, die die HPV-Impfung begonnen haben, die Impfserie nicht abgeschlossen.

Die HPV-Impfung schützt neun von zehn Frauen vor Gebärmutterhalskrebs, acht von zehn vor Vaginalkrebs und sieben von zehn vor Vulvakrebs. Neun von zehn geimpften Männern und Frauen haben Schutz vor Analkrebs, sechs von zehn vor Mund- und Rachenkrebs. Weiterhin verhindert die Impfung in sechs von zehn Fällen das Auftreten von Peniskrebs. Der Impfstoff Gardasil 9 bietet einen zusätzlichen Schutz vor HPV-Typen, die für etwa 90 Prozent der auftretenden Genitalwarzen verantwortlich sind.

Seit Zulassung der Impfung wurden weltweit mehr als 270 Millionen Dosen verabreicht. Sowohl vor als auch nach der Zulassung wurde die Sicherheit der HPV-Impfung in diversen, umfangreichen Studien untersucht. Dabei wurden laut Robert-Koch-Institut keine schweren Nebenwirkungen im ursächlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung festgestellt. In den Untersuchungen bestand insbesondere kein Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen oder neurologischen Komplikationen. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Abgeschlagenheit sind häufig und können auch in einer schweren Form auftreten. Diese sind jedoch zeitlich begrenzt und vollständig reversibel. Wie bei anderen Impfungen auch kann in sehr seltenen Fällen eine Anaphylaxie auftreten (rund 1,7 Fälle pro 1 Million Impfungen).