Eine erfolgreiche Bekämpfung dieser mit hohen wirtschaftlichen Schäden einhergehenden Tierseuche ist nur durch enge interdisziplinäre Zusammenarbeit vieler berührter Behörden zu bewältigen. Daher wurde die ersten zwei Tage die übergreifende Zusammenarbeit der zahlreichen fachlich betroffenen Stellen des Landratsamtes Ludwigsburg geübt. Hierzu wurde die bereits vor zwei Jahren gegründete interdisziplinäre Sachverständigengruppe zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest des Landratsamtes Ludwigsburg einberufen. Zudem fand ein informelles Treffen des Verwaltungstabes des Landkreises statt. An dieser Stabsrahmenübung haben neben allen Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs zudem die Regierungspräsidien, das Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, das Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen sowie Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft teilgenommen.
Am dritten Übungstag fand im Landkreis Ludwigsburg in Besigheim-Ottmarsheim und im Hardtwald unter der Federführung des Landratsamts Ludwigsburg eine große, praktische Fachdienstübung zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest statt. Ziel der Übung war, unter möglichst realistischen Bedingungen die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Kommunikation aller beteiligter Akteure zur Aufgabenerledigung im Fall des Auffindens eines an der ASP verendeten Wildschweins im Landkreis zu testen. Dabei wurde der komplette Ablauf vom Fund des Tieres über die Beprobung, Diagnostik bis hin zur Bergung der betroffenen Tierkadaver, Dekontamination von Personen, Fahrzeugen und Hunden und der Information der Öffentlichkeit durchgespielt. Neben dem Landratsamt waren an dieser groß angelegten Übung der zuständige Jäger und Hegeringleiter, Feuerwehr, THW und das TCRH (Training-Center Retten und Helfen) beteiligt.
Mit zwei speziell für eine Kadaversuche ausgebildeten Suchhunden und Hundeführern des TCRH sowie zwei Drohnen der Feuerwehr wurden im Hardtwald und im Bereich Forsthof/Steinheim zuvor versteckte Felle von Wildschweinen gesucht. Die Koordinaten der Fundstellen wurde an das im Feuerwehrhaus Besigheim-Ottmarsheim eingerichtete lokale Bekämpfungszentrum weitergeleitet, von wo der Einsatz geleitet wurde. Im Wald fand die seuchenhygienisch sichere Bergung des ausgelegten Kadaverteils statt, damit diese fiktiv an ASP verendeten Tiere keine Infektionsquellen für andere Wildschweine mehr darstellen können. Personen, Hunde und Fahrzeuge, die mit Kadavern in Kontakt kamen, wurden abschließend dekontaminiert, damit eine Weiterverschleppung der Seuche über Personen und Gegenstände verhindert wird. Hierzu wurde zentral auf dem Gelände der Straßenmeisterei Ottmarsheim Dekontaminationsanlagen für Fahrzeuge, Personen und Hunde durch Feuerwehr und THW aufgebaut und betrieben.
Die große dreitätige Tierseuchenübung hat gezeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit aller zuständigen Akteure ist, denn Tierseuchenbekämpfung besteht nicht nur aus fachlichen, sondern auch aus organisatorischen und kommunikativen Elementen.
Als Bobachter der praktischen Übung waren das Stadtveterinäramt Heilbronn sowie die Katastrophenschutzbehörde des Stadtkreises Heilbronn, die Task-Force Tierseuchenbekämpfung des Landes Baden-Württemberg, das ASP-Kompetenzteam des Landes Baden-Württemberg sowie Vertreter des Landeskommandos der Bundeswehr zugegen. Insgesamt haben an dieser groß angelegten Übung 120 Personen teilgenommen.
Hintergrundinformation:
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung, die nur Haus- und Wildschweine befällt und nicht auf den Menschen und andere Haustiere übertragen werden kann. Die ASP breitet sich seit einigen Jahren in Osteuropa auch in Richtung Westen aus. Infizierte Schweine erkranken schwer und verenden in der Regel schnell. Eine Impfung der Schweine gegen die Afrikanische Schweinepest ist derzeit nicht möglich. Die Seuche wird sowohl von Tier zu Tier übertragen als auch über unachtsam entsorgte Lebensmittel. Aus diesem Grund sollen Lebensmittel- und Speisereste auf gar keinen Fall an Haus- oder Wildschweine verfüttert werden oder in der Natur fortgeworfen werden. Auf Rastplätzen sollen unbedingt die wildeschweinsicheren, mit Deckel versehenen Mülleimer verwendet werden. Alle Schweinehalter sind dazu aufgerufen, die Biosicherheitsmaßnahmen in ihren Schweineställen zu überprüfen und die Möglichkeit des Kontaktes ihrer Hausschweine oder des Futterlagers ihrer Schweinehaltung mit Wildschweinen sicher zu verhindern. Das Auftreten der ASP in Baden-Württemberg, obwohl gesundheitlich ungefährlich für den Menschen, hätte enorme wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere auf die Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Forstwirtschaft und Jägerschaft.


