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Inklusionskonferenz des Landkreises: Was die künftigen Herausforderungen sind bei der Inklusion für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und ihre Familien

„Inklusion für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und ihre Familien – wo stehen wir und was sind zukünftige Herausforderungen?“ – das war der Titel der diesjährigen Inklusionskonferenz des Landkreises, die in Kooperation mit Scala Kultur Live GmbH kürzlich als hybride Veranstaltung stattgefunden hat.

Sozialdezernent Heiner Pfrommer begrüßte die rund 90 Teilnehmenden, die zum kleineren Teil im Scala Ludwigsburg, zum größeren Teil online die Veranstaltung verfolgten. Pfrommer betonte, dass dem Landkreis die gelungene Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung und deren Familien ein großes Anliegen sei.

Die Kinderbuchillustratorin und Kolumnistin Birte Müller aus Hamburg schilderte mit schonungsloser Offenheit und Humor, was das Leben mit einem Kind mit Behinderung für eine Familie bedeutet. Dazu zeigte die Künstlerin im Hintergrund Fotos und Bilder aus dem Familienalltag – von glücklicher Familie bis zum vollgekoteten Bett des Sohnes. „Im letzten Jahr war ich so am Ende meiner Kräfte, dass ich es beispielsweise nicht geschafft habe, einen Antrag auf eine mir zustehende Mutter-Kind-Kur zu stellen“, schildert Müller. Auch die Zeit der Pandemie, in der alle äußeren Entlastungsstrukturen plötzlich fehlten, war eine große Herausforderung.

Weitere Gäste waren die Schulleiterin Ulrike Schiller, die an der Grundschule Pattonville seit Jahrzehnten inklusiv arbeitet. Sie schilderte, dass die Schule sich darum bemühe, mehr Vielfalt zu erreichen und jedes Kind erfahren sollte: „Hier bin ich richtig, hier kann ich mich ausdrücken und mitbestimmen.“ Peter Hömseder mit seiner musikalischen Klasse 4 der Blankensteinschule in Steinheim schilderte gemeinsam mit Horst Tögel von der Brenzband, wie er musikalische Projekte, unter anderem mit der Brenzband, und seinen Schülerinnen und Schülern umsetzt. Über das gemeinsame Musizieren und gemeinsame Konzerte würden die Kinder Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich als Musizierende kennenlernen und an Selbstvertrauen gewinnen, so Hömseder und Tögel. Am Mädchenspektakel, einem Tag nur für Mädchen in einem Jugendhaus im Landkreis, nehmen seit einigen Jahren auch Mädchen mit Behinderung teil. Gestärkt durch ihre positiven Erfahrungen, sollen zukünftig noch mehr Mädchen mit Behinderung, auch mit Assistenzbedarf, an der Veranstaltung teilnehmen können, kündigten Judith Heintze, Kreisjugendpflegerin, Heike Betzler und Christina Jungnitz, Schulsozialarbeiterinnen am SBBZ an. Patrik Burtchen, Leiter der Abteilung Jugend bei der Stadt Ludwigsburg, berichtete, dass die Arbeit an der eigenen Haltung das Kernstück auf dem Weg zur Inklusion in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sei. Mitarbeiterin Franziska Marquart berichtete von einem Konzeptpapier, das dazu mittlerweile entwickelt wurde. Barbara Finkbeiner vom Stadtjugendring Esslingen berichtete, dass ihr Träger vor mehreren Jahren begonnen hatte, auf Jugendliche mit Behinderung zuzugehen. Aus einer kleinen Gruppe sei ein großes Projekt (MiMaMo – Mitmachmomente) entstanden, das sich immer weiterentwickle und stark nachgefragt werde.

In einer abschließenden Gesprächsrunde schilderte Julia Merz von der Stadt Schramberg, wie durch eine gute Kooperation zwischen Kommune und Lebenshilfe, sich ein inklusives Ferienprogramm etablieren kann. Thomas Zitterbart von der Lebenshilfe Ludwigsburg berichtete, wie die Lebenshilfe sich an allen Orten „zeigt“, die gerne von Familien besucht werden. Sichtbarkeit auch bei besonderem Verhalten sei wichtig. Claudia Lychacz, kommunale Behindertenbeauftragte erklärte, dass ihr Ziel die selbstverständliche Teilhabe aller Menschen in unserer Gesellschaft sei. Petra Nicklas von gemeinsam e.V. appellierte eindringlich: „Machen Sie Fehler und trauen Sie sich zu, auch schwerer beeinträchtige Kinder zu betreuen, und bauen Sie die Bürokratie ab!“

Geplant und moderiert wurde die Veranstaltung von Katharina Binder, Sozialplanerin des Landkreises, und Silke Rapp vom Netzwerk Inklusion.

Inklusionskonferenzen sind ein festes Veranstaltungsformat des Landkreises Ludwigsburg, um das Thema „Inklusion“ in breite gesellschaftliche Bereiche zu transportieren. Eingeladen dazu sind daher unter anderem Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Kreisrätinnen und Kreisräte, Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderung und deren Angehörige, Tourismusorganisationen, aber auch Organisationen aus dem Bereich Kultur, Sport, öffentlicher Nahverkehr, IHK oder Schulen und soziale Einrichtungen sowie viele weitere Institutionen. Ziel der Konferenzen ist, landkreisweit in enger Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren Prozesse und Strukturen in bestimmten Themenschwerpunkten inklusiv weiter zu entwickeln und möglichst nachhaltig zu verankern.