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Ausbildung jugendlicher Multiplikatoren in vollem Gange

An der neuen Staffel des Schulprojekts „Let’s talk about sex“ nehmen 16 Zehntklässler des Mörike-Gymnasiums Ludwigsburg, des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Ludwigsburg und des Stromberg Gymnasiums Vaihingen teil. Ziel der Ausbildung ist, die Jugendlichen als zuverlässige Gesprächspartner für andere Jugendlichen für die Beantwortung intimer Fragen zu qualifizieren. Themen sind zum Beispiel die Wahl des richtigen Verhütungsmittels oder der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Diese Erziehung durch Gleichaltrige mit ähnlichem Rang nennt man „Peer“-Ansatz. Schwerpunkt des aktuellen Nachmittags waren neben den Themen HIV und Aids auch sexuelle Gewalt. Als weiteres neues Thema hinzu kommt Diversität in der Sexualität.

Eine Gruppe von Schülern steht um einen Tisch, auf dem zahlreiche bunte Zeichnungen liegen. Einige Schüler halten ihre eigenen Kunstwerke in den Händen. Die Atmosphäre ist freundlich und die Teilnehmer scheinen stolz auf ihre kreativen Arbeiten zu sein.

Die Schülerinnen und Schüler sowie Dr. Uschi Traub (4. von rechts), zuständige Ärztin beim Gesundheitsdezernat des Landratsamts für die Beratung zu HIV und STI (sexuell übertragbare Infektionen), die Betroffene Petra G. (halb verdeckt, 2. von links), Nadine Feige (3. von links, Praktikantin der Gesundheitsförderung beim Gesundheitsdezernat des Landratsamts) und Annette Maier (3. von rechts, Mitarbeiterin der Gesundheitsförderung beim Gesundheitsdezernat des Landratsamts).

Ilona Gerstung vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Ludwigsburg und Christina Klein von der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen Silberdistel berichteten aus der Praxis, erklärten Formen der sexuellen Gewalt und gaben den Jugendlichen Handlungsempfehlungen. Zwei Drittel der Täter kommen aus dem näheren Umfeld, sind zum Beispiel Väter, Nachbarn, Trainer, manchmal auch Mütter. Dadurch besteht eine höhere Hemmschwelle, gegen die Täter auszusagen. Die Referentinnen vermittelten den Jugendlichen durch Spiele ein Gefühl von Nähe und Distanz und stellten klar, lieber einmal zu oft „Alarm schlagen“ und eine Beratungsstelle oder Lehrkraft hinzuziehen.

Im zweiten Block der Veranstaltung ging es um das Thema HIV und Aids. Dr. Uschi Traub, die zuständige Ärztin beim Gesundheitsdezernat des Landratsamts für die Beratung zu HIV und STI (sexuell übertragbare Infektionen), und ihr Team informierten die Jugendlichen mittels Daten und Fakten über Übertragungswege, Krankheitsbild, Behandlung, Prävention von HIV und Aids. Petra G., vor fast 30 Jahren wegen HIV eigentlich dem Tode geweiht, ermöglichte durch ihre ausführlichen und bewegenden Erzählungen einen Einblick in das heutige Leben einer Betroffenen mit HIV-negativem Mann und Sohn.

Ende Oktober findet das Abschlusswochenende des Projektes statt und die Jugendlichen werden bis Ostern 2020 mindestens fünf Unterrichtseinheiten an weiterführenden Schulen im Landkreis realisieren.

Bei Interesse am Einsatz der „Peer-Educators“, also der jugendlichen Multiplikatoren, in Schulklassen kann man sich bei Dr. Uschi Traub unter Tel. 07141 144-41304 oder per Mail an gesundheitsfoerderung[at]landkreis-ludwigsburg.de melden.

Hintergrund-Informationen zu sexueller Gewalt:

Obwohl in der Bevölkerung eine große Angst vor sexuellen Übergriffen herrscht, waren es 2018 tatsächlich nur 1,2% der Gesamtstraftaten. Allerdings erlebt etwa jedes vierte Mädchen und jeder zwölfte Junge bis zum Alter von 18 Jahren sexuelle Übergriffe. Beim Bundeskriminalamt werden jedes Jahr 18.000 bis 20.000 angezeigte Fälle von sexuellem Missbrauch gezählt. Bei einer geschätzten Dunkelziffer von 1:20 bedeutet dies, dass jährlich rund 400.000 Kinder sexuell missbraucht werden. Die Folgen von sexuellen Übergriffen können das ganze Leben beeinträchtigen und vielfältige seelische und körperliche Probleme verursachen. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg wurden letztes Jahr 472 Opfer von sexuellen Übergriffen gemeldet, davon waren 368 Personen weiblich. Sexuelle Gewalt findet tagtäglich in den unterschiedlichsten Formen statt, zum Beispiel durch Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch, sexuelle Belästigung oder Pornografie. Jede sexuelle Handlung mit, an oder vor Kindern ist sexuelle Gewalt.