„Der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember erinnert uns auch an eine Pandemie, die nicht erst seit zwei, sondern schon seit 40 Jahren existiert“, so Dr. Uschi Traub, zuständige Ärztin für die HIV-Beratung und -Testung im Gesundheitsamt. Diese Pandemie kostet immer noch stündlich 78 Menschenleben weltweit.
Kevin Dichtl von der Gesundheitsförderung hatte die Idee zu den Podcasts. Als Moderator führt er durch die Folgen, technische Unterstützung erhält er von Severin Köhler vom Landratsamt Ludwigsburg. Beim ersten Podcast geht es um Informationen über das HI-Virus und Aids, Übertragung, Schutzmöglichkeiten etc. Der Zuhörer lernt den HIV-Schwerpunktarzt Dr. Erich Zeh und seinen Patienten Mihajlo R. kennen. Wie hat sich das Leben für Betroffene seit Einführung der anti-retroviralen Kombinationstherapie verändert?
In Folge 2 erfahren die Hörerinnen und Hörer die unglaubliche Lebensgeschichte der HIV-positiven Petra G. von Drogenabhängigkeit und Prostitution zu einer Familie mit HIV-negativem Partner und Sohn und engagierter ehrenamtlicher Arbeit. Auch ihr Mann Michael erzählt, wie das Leben mit einer HIV-Positiven im Alltag ist.
Folge 3 legt den Schwerpunkt auf das Thema „Diskriminierung“. Die Betroffene Daniela P. verlor ein Bein bei einem Unfall in jungen Jahren und wurde über eine Bluttransfusion mit HIV infiziert. Aus der Beratung berichtet Dr. Uschi Traub über die verschiedenen Formen von Diskriminierung, die Klienten und Klientinnen über die Jahre erlebt haben. HIV ist eine behandelbare, chronische Erkrankung geworden, aber Diskriminierung kann schwerwiegende Folgen haben.
Der Welt-Aids-Tag dient auch dazu, Verantwortliche in Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft – weltweit wie auch in Europa und Deutschland – daran zu erinnern, dass das HI-Virus noch längst nicht besiegt ist. Das Thema Aids und HIV braucht weiterhin Aufmerksamkeit, Ressourcen und Empathie. Dafür auch der Welt-Aids-Tag: Nur gemeinsam können wir Infektionen verhindern,Zugang zu Therapie verbessern und Diskriminierung bekämpfen. Dieses Jahr steht der Welt-Aids-Tag unter dem Motto „Ungleichheiten beenden. Aids beenden. Pandemien beenden.“
Infoblock:
Weltweit leben etwa 38 Millionen Menschen mit HIV, davon 1,7 Millionen Kinder.
Ein Kind oder Jugendlicher zwischen 10 und 19 Jahren infiziert sich derzeit alle drei bis vier Minuten – täglich sterben 87.
Das Ziel „90-90-90“ der WHO ist international noch nicht erreicht: Nur 84% der Infizierten kennen ihren Status, 73% haben Zugang zur Behandlung and 66% sind effektiv behandelt.
In Deutschland leben heute rund 91.400 Menschen mit HIV – so viele Menschen wie noch nie!
• HIV-Erstdiagnosen 2020: 2.600 Menschen
• Trotz der Behandlungsmöglichkeiten sind 2020 380 Personen an und mit Aids verstorben.
• Mehr als 40 wirksame Medikamente ermöglichen bei frühem Einsatz eine normale Lebenserwartung und Lebensqualität, aber sogar in Deutschland wird
➢ jede 10. Infektion nicht erkannt,
➢ ein Drittel erst mit fortgeschrittenem Immundefekt und
➢ jede 6. Infektion erst mit Vollbild AIDS.
Die Versorgung der Menschen mit Medikamenten gegen die Immunschwächekrankheit läuft wegen der Corona-Pandemie an vielen Stellen der Welt nicht reibungslos. Corona könnte allein 2020 zu knapp 300.000 zusätzlichen HIV-Infektionen und zu mehr als 100.000 Todesfällen führen.
In Deutschland führte die Überlastung der Gesundheitsämter durch das Coronavirus zu starker Einschränkung von anonymen Test-Angeboten.
Zusätzlich vermeiden viele aus Angst vor einer SARS-CoV-2-Ansteckung trotz Symptome Arztbesuche.
Über Dreiviertel der HIV-Positiven erleben Diskriminierung im Alltag – bei jedem Fünften wurde sogar aufgrund seiner Infektion eine ärztliche oder zahnärztliche Behandlung verweigert.
