Dr. Stark betonte die Diskrepanz zwischen der Anzahl der benötigten Organe (8.496) und der Anzahl der Spender (869). Deutschland ist immer noch „Organ-Importland“ – hier werden mehr Organe entnommen als gespendet. „Täglich sterben zwei bis drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ bekommen.“ Laut Dr. Traub „ist das Risiko, ein Organ zu brauchen drei Mal so groß als die Chance, Spender zu sein“.
Lebendspende in Deutschland seit 2012 möglich
Josef Theiss, der seit über 30 Jahren eine neue Leber hat, schilderte seine Erfolgsgeschichte. „Die Einführung der Widerspruchslösung stellt keine Bevormundung dar, sie ist eine Aufforderung zur klaren Positionierung.“ Die eigene Entscheidung entlaste die Angehörigen. Theiss hatte seinen Spenderausweis Jahre, bevor er transplantiert wurde.
Seit 2012 ist in Deutschland die Lebendspende möglich, die dem Sohn von Laura Wiedmann einen zweiten Geburtstag geschenkt hat. Wiedmann erklärte, dass es nicht selbstverständlich ist, einem Angehörigen eine Niere oder einen Teil der Leber zu spenden. „Etwa 40 Prozent der Eltern, deren Kind eine Organspende be-nötigt, kommen überhaupt in Frage. Man muss einige Tests, Fragebögen und Gespräche durchlaufen und selbst dann kann es sein, dass man nicht zugelassen wird.“ Außerdem ist die Lebendspende immer mit ei-nem beachtlichen Risiko für den Spender verbunden.
Widerspruchslösung ist die am meisten verbreitete Organspende-Regelung in Europa
Die Absicht der Politik, die Zahlen der Organspenderinnen und -spender durch die Freiwilligkeit der Bürge-rinnen und Bürger zu steigern, führte in den letzten 50 Jahren zu keinem großen Erfolg. Deshalb ist die Wi-derspruchslösung wieder in der Diskussion. Die Widerspruchslösung ist die am meisten verbreitete Organspende-Regelung in Europa. Sie gilt unter anderem in Frankreich, Irland, Italien, Österreich und Spanien und in zwölf weiteren europäischen Ländern. Wer nicht vor seinem Tod widerspricht, wird automatisch Organspenderin oder Organspender. Durch die Einführung der Widerspruchslösung können mehr Menschenleben gerettet werden. Die Expertinnen und Betroffene sehen auch die Politik in der Pflicht, die aktuell gültigen Gesetze neu zu diskutieren und auch zu hinterfragen, ob die Aufklärung, die seit 50 Jahren betrieben wird, wirklich ausreicht.
„Organspende betrifft uns alle, denn sie kann Leben retten und die Lebensqualität vieler Menschen verbessern. Zu viele Menschen in Deutschland warten mitunter sehr lange auf ein Spenderorgan. Aus diesem Grund hat der Deutsche Bundestag im Jahr 2022 überfraktionell nach einem intensiven Beratungsprozess eine Reform zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft beschlossen. Nachdem die erhofften Verbesserungen bislang nicht eingetreten sind, wird nun erneut über eine Reform diskutiert. In den kommenden Monaten werden wir uns im Deutschen Bundestag nochmals intensiv mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen, damit zeitnah eine fundierte Entscheidung über weitere Maßnahmen zur Verbesserung der unbefriedigenden Situation getroffen werden kann. Der Austausch mit Betroffenen und Experten dazu war für mich sehr hilfreich und ich werde die gewonnenen Erkenntnisse in den Diskussions- und Entscheidungsprozess einfließen lassen“, sagte Bundestagsabgeordneter Bilger.
Infos zur Organspende erhalten Interessierte kostenlos im Gesundheitsamt unter gesundheitsfoerde-rung@landkreis-ludwigsburg.de oder unter www.organspende-info.de,
Telefon 0800 9040400.
