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„Wir brechen das Schweigen“

Gewalt gegen Frauen wird oft bagatellisiert oder ignoriert, stellen die Gleichstellungsbeauftragten von Stadt und Landkreis Ludwigsburg, Judith Raupp und Cynthia Schönau, in einer gemeinsamen Mitteilung fest.

Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am Freitag, 25. November setzen die Gleichstellungsbeauftragtern von Stadt und Kreis ein Zeichen mit der Teilnahme an der Mitmachaktion „Wir brechen das Schweigen - Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen - # schweigenbrechen“  - solidarisch, deutlich, kreisweit. „Frauen wird häufig die Schuld gegeben, wenn sie Gewalt erfahren“, berichten die Gleichstellungsbeauftragten aus ihrer täglichen Arbeit. Die Folge: Betroffene sprechen aus Scham und Angst nicht über das Erlebte. „Das wollen wir ändern.“

Im Jahr 2021 wurden im Landkreis Ludwigsburg laut dem Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums allein 715 Personen Opfer von Häuslicher Gewalt/Partnergewalt (2020: 783). 568 der Opfer und somit die überwältigende Mehrheit davon waren weiblich. In gewalttätigen Partnerschaften werden Frauen vor allem Opfer von Körperverletzungsdelikten. Die Gewaltspirale reicht von leichten Körperverletzungen (360 weibliche Opfer) bis zu gefährlichen oder schweren Körperverletzungen (40 weibliche Opfer). Doch es wird davon ausgegangen, dass die bei der Polizei bekannt gewordenen Fälle nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Die Dunkelziffer liegt laut Aussage des Opferschutz-Vereins „WEISSER RING“ deutlich höher. Rund 90 Prozent der Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Landkreis Ludwigsburg waren Frauen. Bei den Vergewaltigungsopfern bestand nahezu in allen Fällen eine Vorbeziehung zum Täter.

Das bundesweite Hilfetelefon geht davon aus, dass in Deutschland jede dritte Frau in ihrem Leben von sexueller und/oder körperlicher Gewalt betroffen ist. Doch nur circa 20 Prozent der Frauen, die Gewalt erfahren, wenden sich tatsächlich an eine Beratungsstelle. Hier setzt das rund um die Uhr erreichbare Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ an: Unter der kostenfreien Telefonnummer 08000 116 016 und über www.hilfetelefon.de können sich betroffene Frauen, Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen und Fachkräfte zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen beraten lassen. Das Angebot richtet sich aber auch an Menschen aus dem sozialen Umfeld von Betroffenen sowie an Fachkräfte wie Ärzte und Ärztinnen, Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen, Lehrer und Lehrerinnen oder Sporttrainer und Sporttrainerinnen.

Sowohl die Telefon- als auch die Onlineberatung sind vertraulich: Anrufe können nicht zurückverfolgt werden, E-Mail-Austausch und Chat sind anonymisiert. Sprachbarrieren gibt es nicht: Jederzeit können Dolmetscherinnen für 18 Fremdsprachen zu den Gesprächen dazu geschaltet werden. Auch hörbeeinträchtigte Menschen können das Hilfetelefon mittels eines Gebärdensprachdolmetschdienstes kontaktieren.