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Naturschutzprojekt „Trockenmauer-Sanierungen am Ochsenbacher Geigersberg“: Damit der Weinberg sein unverwechselbares Gesicht behält

Mehr als 100 Quadratmeter Trockenmauern sind im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Ludwigsburg seit Winter 2018 / 2019 auf landeseigenen Grundstücken am Geigersberg auf der Gemarkung Sachsenheim-Ochsenbach saniert worden. Die Mittel für die Sanierung stammen aus dem Naturschutzfonds Baden-Württemberg. Gleichzeitig ließ auch der Landesbetrieb Vermögen und Bau, Amt Ludwigsburg, Mauerschäden am Geigersberg beseitigen und die besonders kunstvolle Mauer am Wengertschützenhäusle renovieren. „Der Geigersberg ist damit zu einem Erfolgsmodell geworden, wie durch die konstruktive und engagierte Zusammenarbeit aller Beteiligten Kulturlandschaft erhalten und erlebbar gemacht wird und ihr Gesicht behält. Der Erhalt der Trockenmauern bleibt auch in Zukunft eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe“, stellt Landrat Dietmar Allgaier fest.

Sanierte Trockenmauern am Ochsenbacher Geigersberg.

Das Wengertschützenhäusle mit ebenfalls sanierter Trockenmauer.

Markant ragt der überwiegend weinbaulich genutzte Geigersberg im Sachsenheimer Ortsteil Ochsenbach in das Kirbachtal, das zum Naturpark Stromberg gehört. Dabei handelt es sich um einen der letzten noch mit traditionellen Trockenmauern terrassierten Weinberge im Stromberg, während die übrigen Lagen durch Flurbereinigungen und Entfernung der Mauerterrassen an den im Vergleich zum Neckartal viel flacheren Hängen längst maschinengerecht umgestaltet wurden. Neben den waagrecht verlaufenden Stützmauern verleihen die zum Ausgleich des Quergefälles am Geigersberg besonders stark ausgeprägten seitlichen Wangen- oder Backenmauern zusammen mit dem Wengertschützenhäusle diesem sein ganz unverwechselbares und besonders charakteristisches „Gesicht“.

Um dem fortschreitenden Zerfall der Trockenmauern entgegenzuwirken, wurden im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg im Winter 2018 / 2019 und im abgelaufenen Jahr 2020 insgesamt mehr als 100 Quadratmeter Trockenmauern auf landeseigenen Grundstücken fachgerecht saniert. Dabei geht es nicht um das bloße Aufschichten von Mauersteinen. Diese müssen fachmännisch und mit einer sorgfältig aufgebauten und dem Bodendruck standhaltenden Hintermauerung verzahnt werden, damit die Mauern wieder viele Jahrzehnte standsicher bleiben. Trockenmauerbau ist ein schweißtreibendes Kunsthandwerk, wie Dr. Rolf Gastel als Naturschutzexperte des Landratsamtes betont, der die Sanierungsarbeiten betreut hat. Die Finanzierung der Sanierung wurde mit Mitteln der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg in Höhe von 52.000 Euro, die aus naturschutzrechtlichen Ersatzzahlungen für Eingriffe in Natur und Landschaft stammen (siehe Infokasten), und weiteren Landschaftspflegemitteln des Landes ermöglicht. 

Parallel und in enger Abstimmung erfolgten zeitgleich umfangreiche Trockenmauer-Sanierungen auch durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ludwigsburg, der die landeseigenen Liegenschaften betreut. Der Landesbetrieb ließ vorrangig die Mauerschäden beseitigen, die für die Verkehrssicherung relevant waren, und die besonders kunstvoll gebaute Mauer am Wengertschützenhäusle detailgetreu renovieren, so dass dort jeder verwertbare Stein wieder an derselben Stelle liegt.

Trockenmauern prägen die Landschaft im Landkreis Ludwigsburg ganz besonders: Er hat mit rund 370 Hektar von bundesweit 1400 Hektar mit weitem Abstand die meisten terrassierten Trockenmauer-Steillagen. Daher ist der Landkreis Ludwigsburg aber auch besonders stark betroffen vom zunehmenden Zerfall der über Jahrhunderte von vielen Generationen mühevoll in Handarbeit gestalteten historischen Kulturlandschaft und der Nutzungsaufgabe von zunehmend unrentablen Weinbausteillagen. Gerade im dicht besiedelten Ballungsraum erfüllen solche historisch und für die Artenvielfalt bedeutsamen und attraktiven Landschaftsbilder wichtige Funktionen auch für Naherholung und Tourismus.

Am Geigersberg konnte der drohenden Verbrachung bislang durch die Verbesserung der Wegerschließung und andere Bewirtschaftungserleichterungen im Rahmen eines Flurneuordnungsverfahrens unter weitgehendem Erhalt der Mauern entgegengewirkt werden. Für die Wengerter problematische Teilflächen wurden von Land und Landesjagdverband zu Naturschutzzwecken erworben. Diese werden unter Einbeziehung von Landwirten, dem Sozialunternehmen Neue Arbeit, dem BUND Kreisverband Ludwigsburg sowie deutschen und ungarischen Jugendlichen im Rahmen der Landkreis-Partnerschaft mit dem Komitat Pest zu artenreichen Magerwiesen entwickelt. Ein mit Infotafeln beschilderter, attraktiver und gut angenommener Rundweg führt durch die „Kulturhistorische Weinlandschaft Geigersberg/Ochsenbach“. Dieser wurde vom Regierungspräsidium Stuttgart konzipiert und wird von der Stadt Sachsenheim betreut. Zudem unterstützt auch die Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg, die einen Förderschwerpunkt bei den Trockenmauersanierungen im Landkreis hat, schon seit langem auch Maßnahmen am Geigersberg finanziell. Aktuell fördert die Stiftung die Erneuerung der Informationstafeln des Rundweges.

Bewirtschafter von Weinberggrundstücken können sich wegen Förderungen für Trockenmauersanierungen an die Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg wenden.

Infokasten:

- Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg

Seit mehr als 40 Jahren setzt sich die Stiftung Naturschutzfonds für den Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft in Baden-Württemberg ein. Sie schafft Perspektiven für Natur und Mensch. Ihre zahlreichen Partner unterstützt sie darin, vorbildliche, innovative und kreative Naturschutzprojekte umzusetzen. Gleichzeitig engagiert sie sich für eine Vielzahl eigener Projekte für die gemeinsamen Ziele. Die Stiftung Naturschutzfonds ist eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts, die 1976 auf der Grundlage des Naturschutzgesetzes Baden-Württemberg eingerichtet wurde. Ziel der Stiftung Naturschutzfonds ist es, vor allem neue, innovative Wege im Naturschutz anzustoßen und zu fördern sowie Projekte mit Modellcharakter zu unterstützen.

Der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg fließen unter anderem die naturschutzrechtlich festgesetzten Ersatzzahlungen nach dem Naturschutzgesetz Baden-Württemberg zu, die dann anfallen, wenn eine direkte Eingriffskompensation vor Ort nicht möglich ist. Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg trägt dafür Sorge, dass diese meist im Zuge von baulichen Eingriffen in Natur und Landschaft entstehenden Abgaben mit möglichst nahem räumlichem Bezug zum Eingriffsort wieder für Projekte des Naturschutzes und der Landschaftspflege eingesetzt werden. Die Projekte müssen eine Aufwertung von Natur und Landschaft erzielen und sind im Vorfeld mit den entsprechenden Regierungspräsidien abzustimmen. Die Projekte können von unterschiedlichen Trägern, zum Beispiel Regierungspräsidien, Landkreisen, Städten, Gemeinden, Verbänden und Vereinen umgesetzt werden.

- Stiftung Umwelt- und Naturschutz der KSK Ludwigsburg

Die Stiftung wurde 1996 von der Kreissparkasse Ludwigsburg gegründet und fördert Projekte im Bereich des Umwelt-, Tier- und Naturschutzes sowie die Landschaftspflege im Landkreis Ludwigsburg. Ein „Leuchtturmprojekt“ der Stiftung ist die Förderung der Sanierung von Trockenmauern. Diese sind ein prägender und erhaltenswerter Teil der Kulturlandschaft im Landkreis Ludwigsburg, in der Weinbau in Steillagen traditionell eine große Rolle spielt. Darüber hinaus erfüllen die Trockenmauern im ökologischen Kreislauf einen wichtigen Zweck, indem sie Kleintieren, wie etwa Blindschleichen und Eidechsen, als Unterschlupf dienen.