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Jobcenter Landkreis Ludwigsburg vermittelt Geflüchtete in Altenpflege-Ausbildung

Wfaa Almamo musste Heimat, Mann und Kind zurücklassen und in der Fremde von vorne anfangen. Mit Unterstützung des Jobcenters Landkreis Ludwigsburg hat die Syrerin sich eine Perspektive aufgebaut. Sie lernt Altenpflegerin – und lebt inzwischen auch wieder mit ihrer Familie zusammen. Die 41-Jährige ist Auszubildende aus Überzeugung: „Ich muss, das ist für meine Zukunft.“

Wfaa Almamo.

Das Kopftuch trägt sie aus religiösen Gründen. Sie könnte es aber auch aus hygienischen Gründen tragen. Pflegekräfte müssen ihre Haare ohnehin streng nach hinten binden, damit beispielsweise keine Haare ins Essen der Bewohner fallen. Vielleicht liegt es an diesem Umstand, dass  Wfaa Alamamo von niemandem wegen ihres Kopftuchs schräg angeschaut wird. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie eine offene, herzliche Ausstrahlung hat und in vielerlei Hinsicht eine besondere Pflegeschülerin ist: Sie kommt aus Syrien, sie trägt Kopftuch – und sie ist 41 Jahre alt. Wenn alles läuft, wie die Syrerin und Mutter von drei Kindern sich das vorstellt, dann darf sie sich in drei Jahren examinierte Pflegefachkraft nennen.

Dabei ist in ihrem Leben schon manches ganz anders gelaufen, als Wfaa Almamo sich das vorgestellt hatte. Aus ihrer Heimatstadt Aleppo in Syrien musste sie wegen des Kriegs fliehen. Zusammen mit zwei Brüdern und zwei Kindern kam sie über die Türkei nach Deutschland. Einen Sohn und ihren Mann musste sie zurücklassen. Wechselnde Wohnorte und die Ungewissheit, wie es ihrer Familie geht, machten ihr die Anfangszeit schwer. „Mein Kopf war nicht frei“, erinnert sie sich. Dann kam sie im November 2015 nach Ludwigsburg und machte Bekanntschaft mit dem Jobcenter Landkreis Ludwigsburg. „Das Jobcenter hat mir sehr, sehr viel geholfen“, sagt die Syrerin, die inzwischen gut Deutsch spricht. Es tue auch heute noch gut zu wissen, wen man Fragen kann, wenn Fragen auftauchen, es Probleme gibt oder sie behördliche Briefe nicht versteht.

Seit Juni 2017 ist die Familie wieder vereint – und Wfaa Almamo startete durch. Da sie als Arabischlehrerin kaum berufliche Aussichten hat, entschloss sie sich, im Alter von 40 Jahren in einem fremden Land nochmal von vorne anzufangen. Sie machte die B1-Prüfung in Deutsch, besuchte das Bewerbercenter des Jobcenters und erfuhr bei einem Ortstermin der Firmenberatung des Jobcenters in der Mathilde-Planck-Schule von der Perspektive einer Ausbildung zur Pflegefachkraft. Die Integrationsvermittler des Jobcenters bestärkten sie in dem Wunsch, im Pflegebereich beruflich Fuß zu fassen. Nächstes Jahr kann sie ihren Abschluss als Pflegehelferin machen, doch danach will sie weiter lernen: „Ich muss das machen, ich muss etwas lernen, das ist für die Zukunft.“ Ihr Arbeitgeber, das Haus Edelberg in Ludwigsburg, ist zufrieden mit ihr. Und sie selbst hat auch Spaß an der Arbeit. „In den ersten Monaten war es alles sehr viel auf einmal“, erinnert sie sich, „doch jetzt ist alles gut – ich habe richtig Lust, zur Arbeit zu gehen.“

Info: Das Jobcenter Landkreis Ludwigsburg betreut und berät zurzeit 12.655 Kunden; dazu zählen nicht nur Menschen, die länger als ein Jahr ohne Arbeit waren, sondern auch Flüchtlinge, die mitunter problematische Migrationsgeschichten haben. Eine Besonderheit des Jobcenters Ludwigsburg: Als Jobcenter in kommunaler Verantwortung kann es viele Beratungs- und Informationsangebote (z.B. Suchtberatung, Psychologische Beratungsstelle, aber auch die Zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für Flüchtlinge – kurz: ZABF – oder die Firmenberatung, die in engem Kontakt mit den Arbeitgebern im Landkreis steht) unter einem Dach anbieten. Zuständig ist das Jobcenter für Migranten, die eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben oder deren Asylantrag bewilligt wurde. Derzeit sind das rund 2880 Personen.