Sprungziele

Fachtagung „Qualitätssicherung in der Beratung zum Elternkonsens“ im Kreishaus

Kein einfaches, aber ein wichtiges Thema: „Qualitätssicherung in der Beratung zum Elternkonsens“ stand im Mittelpunkt einer Fachtagung, die am Montag (16. September) im Großen Sitzungssaal des Kreishauses stattgefunden hat. Anlass für die Veranstaltung war der Abschluss eines durch den Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) geförderten Projekts sowie das 70-jährige Bestehen der Psychologischen Beratungsstelle des Landkreises. Landrat Dr. Rainer Haas begrüßte die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und sagte: „Wir hoffen, dass wir mit dem Fachtag heute und unseren Projektergebnissen der Beratung zum Elternkonsens nachhaltige Impulse für erfolgreiche Beratungen geben können.“

Eine Erziehungsberatungsstelle wurde beim Jugendamt des Landkreises 1949 eingerichtet – zunächst mit freien Mitarbeitern. Heute arbeiten in der Psychologischen Beratungsstelle 19 Fachkräfte und vier Teamassistentinnen an der Hauptstelle in Ludwigsburg und in fünf weiteren Außenstellen im Landkreis. Eine der vielfältigen Aufgaben der Psychologischen Beratungsstelle ist die Beratung zum Elternkonsens für Eltern oder Erziehungsberechtigte, die nach einer Trennung oder Scheidung oft andauernde, heftige Konflikte haben, die sich auch auf den Umgang mit den Kindern auswirken. „Diese Beratung stellt für die Fachkräfte eine große Herausforderung dar – die Beratung ist deutlich aufwändiger als eine durchschnittliche Erziehungsberatung“, stellte Landrat Haas klar. Rund 80 bis 90 Elternpaare melden sich pro Jahr für eine Beratung zum Elternkonsens an, etwa die Hälfte kommt über die Familiengerichte Besigheim und Ludwigsburg.

Dies habe, so Landrat Haas weiter, die Verantwortlichen der Psychologischen Beratungsstelle bewogen, einen Antrag zu stellen für das vom KVJS geförderte Projekt „Entwicklung und Anwendung von Fragebögen zur Qualitätssicherung der Elternkonsensberatung an Beratungsstellen“. Das Projekt lief von September 2016 bis Juni 2019 und eines seiner Ziele war, Empfehlungen zur Verbesserung des Beratungsangebots an Beratungsstellen und zur Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern zu geben. Aus dem Landkreis waren die Beratungsstellen der Caritas, des Kinderschutzbundes  und die Psychologische Beratungsstelle beteiligt, darüber hinaus haben fünf weitere Beratungsstellen aus Baden-Württemberg mitgewirkt, indem sie die entwickelten Fragebögen in der Praxis umgesetzt und rechtzeitig zum Stichtag zur Auswertung vorgelegt haben. Mehr als 1.500 Fragebögen wurden ausgewertet. An den Gesamtkosten des Projekts von 125.000 Euro hat sich der KVJS mit 75.000 Euro und der Landkreis mit 50.000 Euro beteiligt.

Zu den wesentlichen Ergebnissen zählen: Gut 50 Prozent der Beratungen werden als erfolgreich eingeschätzt von Eltern und Fachkräften. Auf Seiten der Fachkräfte ist eine Ausbildung in Familienmediation sehr hilfreich und bewirkt mehr Beratungserfolg. Eine erfolgreiche Beratung wird auf der Seite der Eltern stark beeinflusst von ihrer Kooperations- und Klärungsbereitschaft in den Beratungen sowie dem Ausmaß des elterlichen Konfliktniveaus. Auch die Kinder profitieren nach elterlichen Angaben von der Beratung. Kinder zwischen fünf und neun Jahren bedürfen besonders stark der elterlichen Unterstützung und Fürsorge zur Trennungsbewältigung. Für Eltern, bei denen die gemeinsame Beratung nicht passt, bleiben alternative Angebote wie Einzelberatung, Elterntrainingsgruppe oder Gruppenangebote für die Kinder.