Sprungziele

Der lange Weg zur eigenen Wohnung

In einer losen Serie stellen wir Erfolgsgeschichten der Integration im Landkreis Ludwigsburg vor. Heute: Auf dem Weg zur eigenen Wohnung.

„Zwei Zimmer, 56 qm für 724,00 €, nur an Einzelperson zu vermieten“

Ein aktuelles Beispiel dafür, wie sich der Wohnungsmarkt im Landkreis Ludwigburg momentan darstellt. Und eine echte Herausforderung für geflüchtete Menschen, die theoretisch das Recht haben, aus einer Gemeinschaftsunterkunft auszuziehen. Sprache, Arbeit, Wohnen, das wird im Allgemeinen mit einer „gelungenen Integration“ assoziiert und das sind auch die Hauptthemen im Integrationsmanagement. Wenn die Existenz gesichert ist, die Sprache immer besser wird, dann steht für die meisten Geflüchteten der eigene Wohnraum auf dem Plan. Doch wahrscheinlich keine Klientin, kein Klient des Integrationsmanagements hätte je gedacht, dass es so schwer werden würde, eigenen Wohnraum zu finden.

Raus aus der Gemeinschaftsunterkunft oder der kommunalen Notunterbringung wollen tatsächlich viele, um zur Ruhe zu kommen, besser Deutsch lernen oder Hausaufgaben machen zu können und nicht mehr mit vielen verschiedenen Menschen auf engem Raum zusammenleben zu müssen. Auch eine fünfköpfige Familie aus Besigheim hatte vor allem diesen einen Wunsch. Die geflüchtete Familie aus Syrien hat sich schon gut im Landkreis Ludwigsburg integriert. Beide Töchter besuchen die Schule und sprechen fließend Deutsch. Der jüngste Sohn geht in den Kindergarten. Die Eltern verbessern derzeit ihre Sprachkenntnisse und besuchen noch einen Deutschkurs. Jetzt wieder wirklich selbstständig zu leben, ein Bad und eine Küche nur für die eigene Familie zu haben, war ihr nächstes großes Ziel.

Die Integrationsmanagerinnen der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, verantwortlich für die Beratung und Begleitung der Geflüchteten in Besigheim, unterstützten die Familie bei ihren vielen Versuchen, eine bezahlbare Wohnung zu finden, und dazu einen Vermieter, der drei Kinder akzeptiert und nicht darauf besteht, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer haben muss. Ein paarmal sah es ganz gut aus und die Familie dachte, sie hätten es schon geschafft, doch bis zu einem Mietvertrag hat es dann doch nie gereicht.

Die Integrationsmanagerinnen mussten nach Rückschlägen immer wieder neu motivieren. Sie wiesen auf die allgemein sehr angespannte Lage des Wohnungsmarkts hin, schauten mit der Familie die Karte des Landkreises an, überlegten, wo und wie man sich noch um eine Wohnung bewerben könnte. Die Idee, über die Ehrenamtlichen des Freundeskreis Asyl an eine bezahlbare Wohnung zu kommen, funktionierte leider ebenfalls nicht. Die Beziehungen zu den ehrenamtlich Engagierten sind fast immer das einzige „Vitamin B“, und immer wieder kann so auch eine Wohnung vermittelt werden. In diesem Fall aber kam es anders. Zufällig gab es im Projekt „TürÖffner“ in Besigheim ein passendes Angebot, worauf sich die syrische Familie mit Hilfe der Integrationsmanagerinnen bewerben konnte. Und diesmal hatte die Familie Glück, sie bekamen die Zusage, der Mietvertrag ist unterschrieben.

Mit der Initiative „TürÖffner“ setzen sich die Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz und die katholischen Dekanate im Landkreis Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis für die Vermittlung von Wohnraum ein, um auch für Menschen mit schmalem Budget Möglichkeiten auf eine Wohnung zu eröffnen. Das heißt, die Caritas mietet die Wohnung an und vermietet diese dann weiter an Menschen, die dringend Wohnraum suchen. Den Rahmen geben dabei die Mietobergrenzen vor, die vom Landkreis Ludwigsburg für die jeweilige Kommune festgelegt wird.

Finanziert wird dieses Projekt unter anderem durch den Förderfonds „Bezahlbarer Wohnraum“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Im Landkreis Ludwigsburg sind inzwischen auch einige Kommunen finanziell mit eingestiegen. Die Mieterauswahl erfolgt zuverlässig nach einem festgelegten Procedere. Dabei spielen verschiedene Kriterien eine Rolle: Dass es menschlich passt zwischen Vermieter und Mietern, die Dringlichkeit und das Kindeswohl. Wichtig sind aber auch eine aussagekräftige Bewerbung und ein guter persönlicher Eindruck. Die Integrationsmanagerinnen, die die syrische Familie schon länger kennen, konnten bei diesen Punkten sehr gut unterstützen, so dass es letztendlich doch noch geklappt hat. Dem Umzug in die eigene Wohnung steht jetzt nichts mehr im Weg.

Zum Hintergrund: Der Pakt für Integration

Das Integrationsmanagement / Pakt für Integration ist ein breites Netzwerk von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Kreisdiakonieverband, dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes und dem Landratsamt Ludwigsburg. Dieses beruht auf der freiwilligen Teilnahme der Geflüchteten. Grundlage ist die Feststellung von Bedarfen in Gesprächen zwischen Sozialarbeitern und Geflüchteten. Auf dieser Basis werden gemeinsam konkrete Ziele formuliert. Diese werden in einem Integrationsplan schriftlich festgehalten und nach und nach bearbeitet. Ziele sind die Integration in die Wohnortgemeinde, Anbindung an die Systeme der Regelversorgung und der Erwerb von Fähigkeiten zu einer selbstständigen Lebensführung. Sind die konkreten Ziele erreicht und der Geflüchtete kann sein Leben selbstständig organisieren, kann das Integrationsmanagement beendet werden. Weitere Unterstützung kann der Geflüchtete danach bei Bedarf bei den Regeldiensten wie der Migrationsberatung erhalten.

Zum Jahresbeginn 2021 werden 2469 Geflüchtete im Integrationsmanagement betreut, davon 970 Minderjährige. 13 Prozent der erwachsenen Klienten befinden sich in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Zusätzlich gehen vier Prozent einer Ausbildung, einem Praktikum oder einem Studium nach. Bei 1253 Personen wurde das Integrationsmanagement bereits beendet (Stand 01.03.2021). Davon konnten 780 Personen einen Mietvertrag abschließen und verfügten erstmals über einen privaten Wohnraum.