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„Auch ein Ozean besteht aus vielen kleinen Tropfen“

Mit Daniela Laßmann und Inge Günsel ist das Team der Klimaschutzbeauftragten des Landkreises personell neu aufgestellt. Aber was hat Klimaschutz mit Glück zu tun? Wie fühlt man sich als Tröpfchen in einem Ozean? Und warum ist die Arbeit als Klimaschutzbeauftragte trotz allem sinnvoll?

Klimaschutz ist kein Glücksspiel: Daniela Laßmann (links) und Inge Günsel sind das Team Klimaschutz des Landkreises.

Frau Günsel, Frau Laßmann, Sie haben zum Interview ein Glücksrad mitgebracht. Soll das heißen, Klimaschutz ist ein Glücksspiel?

Inge Günsel: (lacht) Es geht uns mit dem Glücksrad in erster Linie darum, Menschen auf unser Thema aufmerksam zu machen. Wir haben das Glücksrad immer bei öffentlichen Veranstaltungen dabei, jeder Besucher kann einmal drehen und eine Frage zum Klimaschutz beantworten. Es gibt kleine Preise zu gewinnen.

Daniela Laßmann: Ich würde sogar sagen: Nein, ganz im Gegenteil! Klimaschutz ist eben keine Frage von Glück oder Schicksal – es geht vielmehr darum, dass jeder ganz konkret etwas tun muss.

Die USA sind aus dem internationalen Klimaschutzabkommen ausgetreten, die Polkappen schmelzen und wir erleben die Entstehung eines arktischen Meeres. Hand aufs Herz: Sind Sie da manchmal frustriert, dass Sie nur den Klimaschutz für den Landkreis Ludwigsburg voranbringen können?

Inge Günsel: Wenn ich ganz ehrlich bin – manchmal schon. Aber wenn man sich davon entmutigen lässt, verliert man den Fokus auf das Wesentliche. Und das Wesentliche ist für mich, dass wir Dinge verbessern, Projekte zum Klimaschutz helfen anzuschieben.

Daniela Laßmann: Auch die größten globalen Klimaziele werden nur erreicht, wenn sie in kleinen Einheiten – also vor Ort – umgesetzt werden.

Lautet Ihr Arbeitsmotto „Kleinvieh macht auch Mist“?

Daniela Laßmann: Ludwigsburg ist bundesweit einer der größten Landkreise. Das, was hier passiert, würde ich nicht als Kleinvieh bezeichnen. Ein großer Teil der CO-2-Emissionen wird von privaten Haushalten verursacht – es geht um Stichworte wie Energieeffizienz, Bauen, Sanieren und vieles mehr. Und wenn man Menschen vermitteln kann, dass eine Verbesserung nicht automatisch Verzicht heißen muss, ist schon viel gewonnen.

Inge Günsel: Sicher kommt man sich beim Klimaschutz vor Ort manchmal vor wie ein Tropfen im Ozean. Aber selbst der größte Ozean besteht aus vielen einzelnen Tropfen!

Oft heißt es, Klimaschutz fängt im persönlichen Alltag an. Manche haben wiederum den Eindruck, Klimaschutz sei ein Thema für die „Große Politik“. Sie sitzen auf Landkreis-Ebene mit Ihrer Arbeit so ziemlich genau dazwischen. Ist das eher ein Vorteil oder Nachteil?

Inge Günsel: Ich glaube, das ist ein großer Vorteil. Wir sind ganz nah dran am Alltag der Menschen und wissen, wie man sie für Klimaschutz ins Boot holen kann. Jede CO-2-Einsparung hat mit alltäglichen Entscheidungen zu tun: Fahre ich mit dem Auto oder dem Fahrrad zur Arbeit? Kaufe ich einen Coffee-to-go-Becher aus Plastik oder bringe ich einen Mehrwegbecher mit?

Daniela Laßmann: Wir sind die Schnittstelle vor Ort, ohne die Klimaschutz nicht funktionieren würde. Wir arbeiten eng mit der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) zusammen, informieren, beraten, und bieten Workshops an.  Auch die Beratung und Unterstützung von Kommunen oder Unternehmen nimmt großen Raum ein.

Welche Klimaziele hat sich eigentlich der Landkreis gesteckt? Und wann wird er sie erreichen?

Inge Günsel: Fakt ist, dass wir als Landkreis bis zum Jahr 2050 komplett klimaneutral werden wollen. Da liegt noch ein großes Stück Arbeit vor uns.

Daniela Laßmann: Der Landkreis hat bei seinen eigenen Immobilien in den letzten Jahren den CO-2-Ausstoß um rund zwei Drittel reduziert – die aktuellen Zahlen werden gerade noch zusammengestellt. Zu nennen wäre auch, dass die Kreisverwaltung rund die Hälfte ihres Fuhrparks auf E-Autos umstellt, das sind immerhin 20 Fahrzeuge. Es hat sich auf jeden Fall viel getan - und das soll auch so weiter gehen.

Kontaktdaten:

klimaschutz@landkreis-ludwigsburg.de