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Anpassungsfähigkeit der Wälder auf dem Prüfstand

„Der Wald von morgen wird ein anderer sein“, so Prof. Dr. Ulrich Kohnle von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) aus Freiburg anlässlich einer Fortbildung zum Thema „Waldbau im Klimawandel“ für die Förster im Landkreis.

Von links: Fachbereichsleiter Dr. Michael Nill, Prof. Dr. Ulrich Kohnle, Anne Klama und Katharina Obermeier

Der Kreis Ludwigsburg liegt im Weinbauklima, das sich durch vergleichsweise hohe Durchschnittstemperaturen und geringe Niederschläge auszeichnet. Nach aktuellem Kenntnisstand werden Weinbauregionen in der Folge des Klimawandels zum Ende des Jahrhunderts von einem Klima geprägt sein, das möglicherweise um vier Grad wärmer sein wird als heute. Bäume, die heute gepflanzt werden, müssen mit diesen Bedingungen zurechtkommen. Waldbesitzer und Förster stellt dieses Szenario vor enorme Herausforderungen. 

Im Kreis Ludwigsburg setzen die Förster dabei auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Anne Klama und Katharina Obermeier, beide aktuell im Rahmen ihrer Traineeausbildung beim Fachbereich Wald angestellt, führten jüngst eine Fortbildung durch, die sich mit den waldbaulichen Möglichkeiten zur Klimaanpassung unserer Wälder beschäftigte. Schwerpunkt war dabei der richtige Umgang mit der Baumart Douglasie. Als externer Referent konnte Prof. Dr. Ulrich Kohnle, Leiter der Abteilung Waldwachstum an der FVA und ein renommierter Wissenschaftler in Sachen Waldbau, gewonnen werden.

„Alte Bäume haben sich perfekt angepasst, junge Bäume sind anpassungsfähiger.“ Mit dieser Aussage eröffnete Kohnle seinen Vortrag, in dessen Verlauf er neben den aktuellen Modellen zum Klimawandel samt zugehörigen Schlussfolgerungen für den Wald im Landkreis Ludwigsburg auch auf das immer wieder diskutierte Thema Alternativbaumarten einging. „Die These, dass sich der Wald selbst überlassen werden sollte und die Natur das dann schon regelt, ist unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht haltbar“, so Kohnle und erläutert dazu: „Der Wasserverlust über Zellatmung und Blattverdunstung der Bäume ist deutlich größer, als die Verdunstung aus dem nackten Boden. Regelmäßige Pflegeeingriffe tragen deshalb dazu bei, den Wald an die Trockenheit anzupassen.“ 

Eine recht neue wissenschaftliche Erkenntnis, die für das forstliche Handeln aber von großer Bedeutung ist, geht in die gleiche Richtung: Wenn junge Bäume dicht gedrängt aufwachsen, dann investieren sie mehr in das Höhenwachstum, also den Kampf ums Licht. Dabei vernachlässigen sie tendenziell jedoch das Wurzelwachstum. Dieses einmal eingetretene Missverhältnis korrigiert sich jedoch später nur sehr langsam – wenn überhaupt noch. Das ist besonders in Dürrejahren problematisch, in denen ein großes, tiefreichendes Wurzelwerk Bäume noch am ehesten mit Wasser versorgen kann. Bäume können allerdings in solchen Jahren auch vorzeitig ihre Blätter abwerfen, um so den Wasserbedarf wieder mit der Wasserversorgung in Einklang zu bringen. Dadurch können sie zwar überleben, durch die vorzeitige Beendigung des Wachstums können jedoch weniger Reservestoffe gebildet werden, was die Bäume in den Folgejahren schwächt. Dabei können auch Teile der Krone absterben – in schweren Fällen auch der ganze Baum.

Im Anschluss an den Vortrag von Professor Kohnle folgte eine Exkursion zu verschiedenen Waldbeständen, die Anne Klama und Katharina Obermeier im Vorfeld ausgesucht und vermessen hatten. Ganz praktisch wurden dabei die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Ludwigsburger Förstern diskutiert und überlegt, welche Änderungen im Vergleich zu den bisherigen Pflegemaßnahmen notwendig sind.

„Der Klimawandel stellt den Wald vor eine nie dagewesene Herausforderung. Wir haben den Anspruch, mit unseren Entscheidungen den Wald so gut es irgend geht an den Klimawandel anzupassen und ihn so mit all seinen verschiedenen Funktionen zu erhalten. Die Unterstützung durch die Wissenschaft ist für uns als Entscheidungsträger vor Ort von höchster Wichtigkeit. Daher freut es uns besonders, dass wir mit Herrn Prof. Dr. Kohnle einen renommierten Wissenschaftler in Sachen Waldbau für eine Fortbildung gewinnen konnten“, erklärt Dr. Michael Nill, Leiter des Fachbereichs Wald im Landratsamt, zum Abschluss.