Pressemitteilung
Gedicht von Landrat Dr. Haas zum Schäferlauf 2010
Grüß Gott, ihr Leut', es ist sehr schön,
euch wieder bei dem Fest zu seh'n,
das alle Jahr' um diese Zeit
die Menschen ringsumher erfreut.
Der Schäferlauf hat Tradition –
das schätzen auch die Jungen schon
und halten an dem Brauchtum fest,
was deutlich sich beweisen lässt.
Von Kind an sind sie eingebunden
und opfern leichthin viele Stunden.
Der Kleinste macht schon gerne mit,
lernt von den Großen Schritt für Schritt.
Zum Glück, so möchte ich hiermit sagen,
gibt's viele, die den Brauch mit tragen,
auf dass er weiterhin bestehe
und keine and'ren Wege gehe.
Auch ich besann mich meiner Pflichten –
da half rein nichts, ich musste dichten.
Gar viele Stunden dacht' ich nach –
und dann ereilte mich der Schlaf!
Ich wälzte mich mal her mal hin,
war mitten in 'nem Alptraum drin,
und selbst die dunkelsten Visionen
gedachten nicht, mich zu verschonen.
Denn meinen Ängsten ungeachtet:
Der Schäferlauf wurd' ausgeschlachtet
und mit dem Zeitgeist angefasst,
der in die Moderne passt!
Der Alptraum fing beim Hüten an:
Der Schäfer hat gar nichts getan;
man braucht' ihn nicht mehr wie zuvor:
Das Schaf hat GPS im Ohr!
Am Hundehalsband Mikrophone –
so kommt es stets zum lauten Tone.
Anstatt die Kehle zu gebrauchen,
muss der Hund nur noch leise hauchen.
Das Gras, den Tieren ein Genuss,
ereilt' von oben der Beschluss:
Es wachs' ab jetzt in EU-Norm
und Wolle in Pullover-Form!
Doch dann kam erst das reinste Grauen:
Man wird nach andern Sprechern schauen!
Nicht mehr die Herren Frank und Milde
versetzten uns gekonnt ins Bilde.
Nein, stellt euch vor, Hella von Sinnen
wird man für dieses Amt gewinnen –
und Atze Schröder ihr zu Seite!
Wer suchte dabei nicht das Weite?
Mein Alptraum hörte nicht mehr auf
und setzte eins ums and're drauf.
Ihr lieben Leut', so war's, ich schwör's:
Statt Schäfertanz gab's Go-Go-Girls!
Von der Tribüne Fan-Gesänge
und lange Vuvuzela-Klänge!
Der Umzug war ein Live-Event
mit Lady Gagas lauter Band!
Zum Höhepunkt – ihr ahnt es schon:
Der Schäferlauf als Marathon!
Uns Gästen wurde für viel Geld
ein Public-Viewing aufgestellt!
Zum Glück, ihr lieben Festbesucher,
war alles nur Gedankenwucher.
Vom Alptraum glücklich aufgewacht,
hab ich mich ans Gedicht gemacht.
Natürlich bleibt die Zeit nicht stehen,
wir müssen auch nach vorne sehen
und keiner weiß es unbedingt,
was uns die Zukunft alles bringt.
Mögen die Jahre auch vergehen,
der Schäfer Fest, das bleibt bestehen.
Ein dreimal Hoch dem alten Brauch!
Auf euch und auf den Schäferlauf!
