Pressemitteilung

Festakt: SPD im Kreis Ludwigsburg erinnert an den früheren Bundestagsabgeordneten Karl Mommer

Landrat Dr. Rainer Haas: "Ein geradliniger, überzeugter Demokrat wäre heute hundert Jahre alt geworden"

An die Verdienste Karl Mommers um die Demokratie in Deutschland hat Landrat Dr. Rainer Haas bei einer Feierstunde von SPD-Kreistagsfraktion und SPD-Kreisverband am Samstag im Haus der SPD in Ludwigsburg erinnert. "Als Mitglied des Wirtschaftsrats des Vereinigten Wirtschaftsgebiets von amerikanischer und britischer Besatzungszone sowie des noch jungen Deutschen Bundestags übernahm Karl Mommer Verantwortung für die Geschicke seiner Heimat zu einem Zeitpunkt, als längst noch nicht ausgemacht war, dass die junge Bundesrepublik einmal eine Erfolgsgeschichte werden würde. Mit ihm wäre heute ein geradliniger, überzeugter Demokrat hundert Jahre alt geworden."

"Karl Mommer", so der Chef der Kreisverwaltung, "setzte sich zeitlebens für die Achtung der Menschenrechte ein. Soziales Engagement war für ihn neben seinem umfangreichen politischen Wirken selbstverständlich." Der Blick des langjährigen Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Ludwigsburg richtete sich zudem immer wieder nach außen, wie Haas betonte: "Als Mitglied der Beratenden Versammlungen von Westeuropäischer Union und Europarat stand für ihn die Notwendigkeit einer vertieften Zusammenarbeit der europäischen Staaten außer Frage, um eine tragfähige Nachkriegsordnung zu etablieren. Was heute – in Zeiten der Europäischen Einigung und des Euro – selbstverständlich scheinen mag, war damals ein eindrucksvoller Beleg von Mommers politischer Weitsicht." Die Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterkreuz sei angesichts einer solchen Lebensleistung folgerichtig gewesen, sagte der Landrat.

Karl Mommer wurde am 13. März 1910 im nordrhein-westfälischen Wevelinghoven geboren. Der Student der Philosophie, Volkswirtschaftslehre und Geschichte verbüßte unter den Nationalsozialisten eine Gefängnisstrafe wegen "illegaler politischer Betätigung", floh anschließend nach Belgien und kehrte nach einer Internierung in Frankreich erst nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurück. Stationen beim süddeutschen Länderrat, beim Deutschen Büro für Friedensfragen sowie beim Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebiets der amerikanischen und britischen Besatzungszone folgte der Sprung in den Bundestag. Zwei Jahrzehnte lang – von 1949 bis 1969 – vertrat Mommer dort den Wahlkreis Ludwigsburg. Von 1966 an war er zudem Vizepräsident des Deutschen Bundestags.

Zum Gedenken an den streitbaren Demokraten, der am 3. September 1990 in Bonn verstorben ist, haben SPD-Kreisverband Ludwigsburg und SPD-Kreistagsfraktion 1995 den Karl-Mommer-Preis für innovatives und gemeinnütziges Engagement ausgelobt. Die Auszeichnung wird seitdem jedes Jahr im Ludwigsburger Kreishaus an ausgewählte Initiativen und Privatpersonen vergeben, die sich mit Ideen, Mut und Tatkraft für gesellschaftliche Belange einsetzen.