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AKTUELL - Kommentar

Liebe Leserinnen und Leser der Landkreis-Ludwigsburg-Homepage,

in der Rubrik „Aktuell“ finden Sie in loser Folge Kommentare zu wichtigen und interessanten Themen aus dem Landkreis Ludwigsburg - reinschauen lohnt sich also!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
das Team der Pressestelle des Landratsamts Ludwigsburg

Stadtbahnprojekt vor Jahrhundert-Entscheidung

Vor einer Jahrhundert-Entscheidung für die Mobilität in unserem Raum stehen die Gremien des Landkreises sowie der Städte und Gemeinden Kornwestheim, Ludwigsburg, Markgröningen, Möglingen und Remseck.

Die Rahmenbedingungen und die absehbaren Entwicklungen sprechen für sich. Der Landkreis Ludwigsburg verzeichnet ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum. Die Bevölkerung ist inzwischen auf insgesamt fast 535.000 Einwohner angewachsen. Das Statistische Landesamt prognostiziert für den Landkreis für den Zeitraum von 2015 bis 2025 eine weitere Steigerung auf rund 560.000 Einwohner. Auf der Entwicklungsachse von Remseck bis nach Markgröningen geht man von einem Bevölkerungszuwachs von fast neun Prozent bis 2025 aus.

Als Beitrag zur Reduzierung der Feinstaub-, Energie- und Lärmproblematik ist ein besseres Angebot des öffentlichen Verkehrs unerlässlich. Unser gemeinsamer Auftrag ist es, alles dafür Notwendige in die Wege zu leiten und die hohe Standort- und Lebensqualität auch für die Zukunft zu erhalten.

Die Umsetzung der Stadtbahn im Raum Ludwigsburg ist deshalb von größter Wichtigkeit für die Entwicklung von Stadt und Landkreis Ludwigsburg. Diese Haltung teilt auch der Verband Region Stuttgart, der im Entwurf des Regionalverkehrsplans der Einführung einer Stadtbahn angesichts der sehr hohen verkehrlichen Wirksamkeit die höchste Dringlichkeit zuweist.

Eine Stadtbahn zur Lösung der Verkehrsprobleme wurde von den Städten und Gemeinden Ludwigsburg, Markgröningen, Möglingen und Remseck gemeinsam mit dem Landkreis seit dem Jahr 2006 detailliert untersucht. Zu Beginn reichten die Planungen auch bis Schwieberdingen und Waiblingen, die dann vorerst zurückgestellt wurden. In vielen Sitzungen und Untersuchungen wurden gemeinsam von allen Beteiligten zahlreiche mögliche Varianten – auch für die Streckenführung im Bahnhofsbereich Ludwigsburg – erarbeitet und bewertet. Der von uns beauftragte Gutachter, die Firma Intraplan, gehört zu den renommiertesten Ingenieurbüros auf diesem Fachgebiet. Mit den auf Wunsch der Stadt Ludwigsburg gefertigten, erst jüngst noch angemahnten und am 15. März 2017 gemeinsam mit den Städten und Gemeinden präsentierten Folgekostenrechnungen liegen nun alle Grundlagen für eine Entscheidung vor. Damit ist dargelegt, dass die Realisierung einer Stadtbahn im Zentrum des Landkreises unter Einschluss der Stadt Ludwigsburg tatsächlich und aus betriebswirtschaftlicher Sicht ohne Weiteres sinnvoll und leistbar ist.

Nun präsentiert die Stadt überraschend neue Überlegungen, die mit den bisherigen Varianten nichts zu tun haben und das „Aus“ für die Stadtbahn zumindest für die nächsten zehn Jahre bedeuten. Interessant ist dabei auch, dass die Stadtverwaltung der Öffentlichkeit Vorschläge für Bereiche unterbreitet, für die andere Aufgabenträger, wie der Landkreis, der Verband Region Stuttgart oder das Land Baden-Württemberg zuständig sind.

Aus Sicht des Kreises und der beteiligten Städte und Gemeinden sprechen gewichtige Gründe gegen die angedachte Buslösung. Wir sehen nach wie vor in einer Stadtbahnlösung – egal ob als Hochflur- oder Niederflurlösung – den einzig sinnvollen Ansatz:

  • Verdichtete städtische Räume brauchen ein Verkehrsmittel mit erweiterbaren Kapazitäten (Stichwort: Mehrfachtraktion) und eigenem Fahrweg unabhängig vom Individualverkehr.
  • Benötigt werden hohe Kapazitäten, kurze Reisezeiten und kurze Taktfolgen auf den Entwicklungsachsen.
  • Erforderlich für die notwendige Attraktivität sind außerdem Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bei hohem Komfort.

Nur mit einem leistungsfähigen Schienennetz können wir neue Kundenpotentiale heben und auch zusätzliche Fahrgäste gewinnen. Ein Bussystem für den Raum Ludwigsburg – egal in welcher Ausprägung und unter welchem Namen – kann dies nicht leisten:

  • Bei Nutzung der vorhandenen Straßen unterliegt der Bus denselben Einschränkungen wie der Individualverkehr.
  • Eigene Bustrassen sind an vielen Stellen nicht vorgesehen und auch kaum realisierbar.
  • Busbeschleunigungen, die im Stadtgebiet schon in den letzten Jahren möglich gewesen wären, können die notwendige Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gerade zu den Hauptverkehrszeiten nicht in allen Fällen gewährleisten.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung Ludwigsburg für eine Reaktivierung des DB-Abschnitts Markgröningen-Möglingen-Ludwigsburg mit Verlängerung über die sogenannte Schusterbahn nach Esslingen wirft viele Fragen auf, deren Klärung lange Zeit benötigen wird. Mit der jetzt von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen „Bahnlösung“ sind wir bereits 1994 mit einer Strecke von Markgröningen bis Ludwigsburg und in Ausbauvarianten bis Schwieberdingen und über Kornwestheim bis Korntal bzw. Esslingen in die Untersuchung eingestiegen. Jedoch haben sich schon damals erhebliche Schwierigkeiten für die konkrete Umsetzung abgezeichnet. Deshalb beschlossen alle Beteiligten den Umstieg auf eine Stadtbahnlösung. Auf Vorschlag der Stadt Ludwigsburg(!) sollte eine Stadtbahn dann im Stadtgebiet weiter untersucht werden. Nun ist diese Untersuchung erfolgreich abgeschlossen, und der Vorschlag der Stadtverwaltung Ludwigsburg setzt wieder da an, wo wir in den 90er-Jahren aus guten Gründen aufgehört haben.

Es war schon damals fraglich, ob der Taktverkehr bei der Anbindung im Bahnhof Ludwigsburg und weiter Richtung Kornwestheim realisiert werden könnte. Außerdem hätte eine Bahnstrecke – anders als eine Stadtbahn – die Teilung der Gemeinde Möglingen in zwei Teile zur Folge. Zur Querung der Bahnlinie wären mit Schranken gesicherte Übergänge erforderlich, die nach den Vorgaben des Eisenbahnrechts länger geschlossen bleiben müssten. Außerdem müsste die Ei-senbahn in Markgröningen am Ortsrand enden. Beim Vorschlag der Stadtverwaltung Ludwigsburg ist weiter offen, welche Fahrzeuge eingesetzt werden sollen. Uns sind keine zugelassenen Fahrzeuge bekannt, die jetzt schon mit der vorgeschlagenen Brennstoffzellen-Technik die notwendige innerörtliche Erschließung der Stadt Markgröningen leisten könnten.

Wir sehen den von der Stadtverwaltung genannten Realisierungszeitraum von drei Jahren als völlig unrealistisch an. Bereits das notwendige Genehmigungsverfahren für den zweigleisigen Ausbau in Teilabschnitten und die Brücke über die Ostumfahrung Markgröningen sowie die Lieferzeit für Fahrzeuge werden nicht wenige Jahre in Anspruch nehmen. Zudem kann der Landkreis seine federführende Rolle als Projektträger bei diesem regionalen Projekt nicht mehr wahrnehmen. Mit den in Frage kommenden Projektträgern müsste verhandelt werden.

Nun ist der Gemeinderat der Stadt Ludwigsburg im Interesse der Bürgerinnen und Bürger gefordert, eine Entscheidung für oder gegen die Stadtbahn zu treffen. Solange dies nicht erfolgt ist, macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, neue Überlegungen zu prüfen. Sonst wäre die vom Kreis und den Städten und Gemeinden in den letzten zehn Jahren geleistete Arbeit umsonst gewesen. Mit den Planungen müsste fast wieder bei Null begonnen werden. Ein Förder-Antrag beim Bund könnte frühestens für die Tranche nach 2025 gestellt werden. Voraussetzung wäre allerdings, dass überhaupt ein weiteres Förderprogramm aufgelegt wird.

Die Kreisverwaltung empfiehlt deshalb nachdrücklich, jetzt einen Antrag auf Förderung einer Stadtbahn zu stellen und den dafür notwendigen Beschluss herbeizuführen. Falls diese Meinung im Gemeinderat keine Mehrheit findet, werden wir uns auch an neuen Überlegungen beteiligen. Allerdings würde dadurch die dringend notwendige Verbesserung des ÖPNV für längere Zeit noch weiter in die Zukunft verschoben.