Berufskraftfahrer

Allgemeine Informationen zur Berufskraftfahrerqualifikation

Das Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz (BKrFQG) und die auf diesem beruhende Berufskraftfahrer-Qualifikations-Verordnung (BKrFQV) dienen der Umsetzung der europarechtlichen Vorgaben durch die Richtlinie 2003/59/EG vom 15. Juli 2003 (ABl. Nr. L 226 vom 10.09.2003).

Die Vorschriften des BKrFQG finden Anwendung auf Fahrerinnen und Fahrer, die ihre Fahrerlaubnis der Klassen

  • C1, C1E, C oder CE im Güterkraftverkehr oder
  • D1, D1E, D oder DE im Personenverkehr

gewerblich nutzen wollen soweit sie die Beförderungen im Güterkraft- oder Personenverkehr auf öffentlichen Straßen mit Kraftfahrzeugen durchführen, für die eine Fahrerlaubnis der Klassen C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D oder DE erforderlich ist; für andere Fahrten als Beförderungen gelten Bestimmungen dieses Gesetzes nur, soweit eine Vorschrift dies ausdrücklich so bestimmt.

Neubewerber der genannten Fahrerlaubnisklassen müssen zusätzlich zum Erwerb der jeweiligen Klassen eine Grundqualifikation über tätigkeitsbezogene Fertigkeiten und Kenntnisse absolvieren und hierüber eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer ( IHK ) ablegen.

Diese Verpflichtung gilt ab dem:

  • 10.09.2008 für die Klassen D1, D1E, D und DE und

  • 10.09.2009 für die Klassen C1, C1E, C und CE.

 Die Pflicht zum Erwerb der Grundqualifikation gilt nicht für Personen, die

  • ihre Fahrerlaubnis der Klasse D1, D1E, D oder DE vor dem 10. September 2008
  • ihre Fahrerlaubnis der Klasse C1, C1E, C oder CE vor dem 10. September 2009

erstmalig erworben haben, § 3 Satz 1 BKrFQG. Der Besitzstand besteht auch dann, wenn eine vor dem jeweiligen Stichtag erteilte Fahrerlaubnis zwischenzeitlich erloschen war (durch Verzicht, Fristablauf oder Entziehung), sog. erweiterter Besitzstand (vgl. § 3 Satz 2 BKrFQG).

Der Besitzstand gilt auch für Fahrerlaubnisse der Klasse 3 (alt), die vor dem 1. Januar 1999 erteilt worden sind, selbst wenn diese noch nicht auf einen Scheckkartenführerschein mit den Klassen C1/C1E umgestellt wurden. Der Besitzstand C1/C1E wirkt weiter bei einer Erweiterung auf C/CE nach dem Stichtag.

Im Falle einer vor den Stichtagen erworbenen ausländischen Drittstaaten- (nicht-EU / nicht-EWR) Fahrerlaubnis ist ein Besitzstand zu verneinen, es sei denn der Drittstaat ist in Anlage 11 der FeV aufgeführt und die dortige Gleichwertigkeit umfasst nicht nur die Fahrerlaubnisklasse B, sondern ausdrücklich auch die Fahrerlaubnisklasse C bzw. D.

Hinsichtlich der Grundqualifikation für Inhaber der Klasse BE, die vor dem 10.09.2009 erteilt wurde, besteht Besitzstand im Sinne des § 3 Satz 1 Nummer 2 BKrfQG. Sie gelten für alle in dieser Vorschrift genannten Klassen als grundqualifiziert.

Grundqualifikation für Fahrerlaubniserwerber

Unterschieden wird zwischen der Grundqualifikation und der beschleunigten Grundqualifikation.

  1. Die Grundqualifikation besteht aus einer erfolgreich abgelegten theoretischen und praktischen Prüfung ohne vorherigen Unterricht. Die Theorieprüfung dauert 4 Zeitstunden. Die praktische Prüfung dauert bis zu 3,5 Stunden, davon 2 Stunden im Straßenverkehr. Der Erwerb erfolgt bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Besitz einer entsprechenden Fahrerlaubnis ist nicht Voraussetzung zur Ablegung der Prüfung.

  2. Die beschleunigte Grundqualifikation wird durch die Teilnahme an 140 Zeitstunden Unterricht inkl. 10 Fahrstunden und einer erfolgreich abgeschlossenen theoretischen Prüfung von 90 Minuten Dauer erworben. Der Erwerb erfolgt durch Teilnahme am Unterricht bei einer anerkannten Ausbildungsstätte und erfolgreiche Ab-legung einer theoretischen Prüfung bei der zuständigen IHK. Eine praktische Prüfung ist nicht erforderlich.

  3. Abschluss einer Berufsausbildung zum Berufskraftfahrer / zur Berufskraftfahrerin oder Fachkraft im Fahr-betrieb oder einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zur Durchführung von Fahrten mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden.

Weiterbildungspflicht für Fahrerlaubnisinhaber

Fahrerinnen und Fahrer die eine Fahrerlaubnis der Klassen

  • D1, D1E, D oder DE vor dem 10.09.2008 (Personenverkehr) oder
  • C1, C1E, C oder CE vor dem 10.09.2009 (Güterkraftverkehr)

erworben haben, unterliegen nicht der Verpflichtung zum Erwerb der Grundqualifikation. Dieser Personenkreis muss, wie im Abschnitt "Allgemeine Informationen" dargestellt, im Abstand von 5 Jahren an einer Weiterbildung teilnehmen.

Beim Erwerb der Grundqualifikation gilt grundsätzlich ein Zeitraum von 5 Jahren ab dem Erwerb. Ab-weichend ist erstmalig zur Herstellung des Gleichlaufs mit der Fahrerlaubnis der C- und D-Klassen ein Zeitraum zwischen 3 und 7 Jahren möglich.

Der folgende 5-Jahres-Zeitraum schließt bei rechtzeitiger Verlängerung jeweils nahtlos an den vorherigen an, unabhängig davon, wann innerhalb des 5-Jahres-Zeitraums die Weiterbildung absolviert wurde.

Die Weiterbildung erfolgt in Lehrgängen mit 35 Unterrichtsstunden zu je 60 Minuten. Diese 35 Pflichtstunden können auf einzelne "Blöcke" aufgeteilt und müssen nicht am Stück hintereinander absolviert werden. Allerdings muss ein "Einzelblock" mindestens 7 Stunden umfassen.

Für die Weiterbildung ist ausschließlich die Teilnahme am Lehrgang verpflichtend. Eine Abschlussprüfung ist nicht vorgesehen

Ausbildungsstätten

Die Schulung zur Vorbereitung auf die Prüfung im Rahmen der beschleunigten Grundqualifikation und die Weiterbildungsschulung erfolgt durch Teilnahme an Lehrgängen, die von anerkannten Ausbildungsstätten durchgeführt werden dürfen.

Gesetzlich an

  • Fahrschulen mit einer Fahrschulerlaubnis der Klassen CE oder DE nach § 10 des Fahrlehrergesetzes
  • Fahrschulen und Fahrlehrerausbildungsstätten, die nach § 30 Abs. 3 des Fahrlehrergesetzes keiner Fahrschulerlaubnis und keiner Anerkennung bedürfen
  • Ausbildungsbetriebe, die eine Berufsausbildung in den Ausbildungsberufen

a)   Berufskraftfahrer/ Berufskraftfahrerin

b)   Fachkraft im Fahrbetrieb

c)  einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zur Durchführung von Fahrten mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden, durchführen

  • Bildungseinrichtungen, die eine Umschulung zum Berufskraftfahrer/ zur Berufskraftfahrerin oder zur Fachkraft im Fahrbetrieb auf der Grundlage einer nach § 58 oder § 59 des Berufsbildungsgesetzes erlassenen Regelung durchführen
  • weitere, von der jeweils zuständigen Landesbehörde (Fahrerlaubnisbehörde) staatlich anerkannten Ausbildungsstätten

Sollten Sie Fragen zu den anerkannten Ausbildungsstätten oder zum Verfahren  für die Anerkennung als Ausbildungsstätte nach dem BKrFQG im Landkreis Ludwigsburg haben, wenden Sie sich bitte an die Fahrerlaubnisbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg.

Ausnahmen vom Anwendungsbereich

Die Verpflichtung zum Erwerb der Berufskraftfahrerqualifikation gilt nicht für Fahrten mit:

  1. Kraftfahrzeugen, deren zulässige Höchstgeschwindigkeit 45 km/h nicht überschreitet
  2. Kraftfahrzeugen, die von der Bundeswehr, der Truppe und des zivilen Gefolges der anderen Vertragsstaaten des Nordatlantikpaktes, den Polizeien des Bundes und der Länder, dem Zolldienst sowie dem Zivil-und Katastrophenschutz und der Feuerwehr eingesetzt werden
  3. Kraftfahrzeugen, die zur Notfallrettung von den nach Landesrecht anerkannten Rettungsdiensten eingesetzt werden
  4. Kraftfahrzeugen zur Beförderung von Material und Ausrüstung, das der Fahrer oder die Fahrerin zur Ausübung des Berufs verwendet, sofern es sich beim Führen des Kraftfahrzeugs nicht um die Hauptbeschäftigung handelt.
  5. Kraftfahrzeugen, die

a) zum Zwecke der technischen Entwicklung oder zur Reparatur- oder Wartungszwecken oder zur technischen Untersuchung Prüfungen unterzogen werden

b) in Wahrnehmung von Aufgaben, die den Sachverständigen oder Prüfern i.S.d. § 1 des Kraftfahrsachverständigengesetzes oder der Anlage VIIIb der Straßenverkehrszulassungsordnung übertragen sind, eingesetzt werden, oder

c) neu oder umgebaut und noch nicht in Betrieb genommen worden sind.

Nachweis der Berufskraftfahrerqualifikation in der Fahrerlaubnis

Für Inhaber eines in Deutschland ausgestellten Führerscheins erfolgt der Nachweis der bestehenden Qualifikation grundsätzlich über eine Eintragung der Schlüsselzahl 95 im Führerscheindokument.

Die Eintragung ist nur bei Führerscheinen im Scheckkartenformat möglich. Die Schlüsselzahl wird auf Antrag des Fahrerlaubnisinhabers auf der Grundlage eines Nachweises der absolvierten Grundqualifikation oder Weiterbildung in Spalte 12 des neuen Führerscheindokumentes bei der jeweiligen Fahrerlaubnisklasse, auf welche sich die nachgewiesene Qualifikation erstreckt, eingetragen. Der Eintrag erfolgt zusammen mit dem Datum, bis zu welchem eine nächste Weiterbildung abzuschließen ist in der Form: „95(TT.MM.JJ)“. Es wird in jedem Fall ein neues Führerscheindokument ausgefertigt.

Hinweis:
Die Vorschriften zur Verlängerung und Erteilung von Fahrerlaubnissen sind getrennt von den Regelungen des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes zu betrachten.

Kosten:
Für die Eintragung der Schlüsselzahl und Prüfung der Unterlagen für die weitere gewerbliche Nutzung der Fahrerlaubnis wird neben den Kosten für die Verlängerung bzw. Erteilung einer Fahrerlaubnis eine Verwaltungsgebühr von 28,60 Euro erhoben.

Altersgrenzen

Mit Einführung des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes wurden die bisherigen Sozialvorschriften für das Mindestalter der gewerblichen Güter- und Personenbeförderung neu geregelt. Hier finden Sie Informationen zu den neuen Regelungen für das Mindestalter im Güterkraft- und Personenverkehr. 

Links

Weitere Informationen zur Berufskraftfahrerqualifikation erhalten Sie bei der Fahrerlaubnisbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg und auf den Internetseiten der IHK Stuttgart.

Informationsbroschüre des Innenministeriums Baden-Württemberg: "Neuregelung der Berufskraftfahrer-Qualifikation" (pdf).

Fahrerkarte

Die Fahrerkarte erhalten Sie in Baden-Württemberg nicht duch die Fahrerlaubnisbehörden.

Hierzu wenden Sie sich bitte an den TÜV oder die DEKRA.

Um eine Fahrerkarte erwerben zu können, ist jedoch der Besitz des Kartenführerscheins erforderlich!

Antrag auf Erweiterung bzw. Verlängerung einer Fahrerlaubnis der C- bzw. D-Klassen

Formular