Berufskraftfahrer

Allgemeine Informationen zur Berufskraftfahrerqualifikation

 

Im Jahr 2003 hat die Europäische Union zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Sicherheit der Fahrerinnen und Fahrer eine einheitliche Regelung zur Qualifizierung des Fahrpersonals von LKW's und Bussen geschaffen.

Daraufhin trat am 01.10.2006 in Deutschland das Gesetz über die Grundqualifikation und Weiterbildung der Fahrer bestimmter Kraftfahrzeuge für den Güterkraft- und Personenverkehr ( BKrFQG ) in Kraft.

Zukünftig müssen Fahrerinnen und Fahrer, die gewerblichen Werk-, Güterkraft- oder Personenverkehr auf öffentlichen Straßen durchführen, eine besondere Qualifizierung nachweisen, um in diesen Bereichen selbstständig oder abhängig tätig sein zu dürfen.

Betroffen hiervon sind Fahrerinnen und Fahrer die ihre Fahrerlaubnis der Klassen

  • C1, C1E, C oder CE im Güterkraftverkehr

oder

  • D1, D1E, D oder DE im Personenverkehr

gewerblich nutzen wollen.

Neubewerber der genannten Fahrerlaubnisklassen müssen zusätzlich zum Erwerb der jeweiligen Klassen eine Grundqualifikation über tätigkeitsbezogene Fertigkeiten und Kenntnisse absolvieren und hierüber eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer ( IHK ) ablegen.

Diese Verpflichtung gilt ab dem:

10.09.2008 für die Klassen D1, D1E, D und DE;

10.09.2009 für die Klassen C1, C1E, C und CE.

Weiterhin müssen alle vom Anwendungsbereich des BKrFQG betroffenen Fahrerinnen und Fahrer ab dem 10.09.2008 ( Bus ) bzw. 10.09.2009 ( LKW ) im 5-Jahres-Turnus eine Weiterbildung absolvieren.

Fahrerinnen und Fahrer, die bereits vor den Stichtagen eine Fahrerlaubnis der jeweiligen Klassen erworben haben, unterliegen lediglich der Verpflichtung zur Weiterbildung innerhalb von 5 Jahren. Daher ist eine erste Weiterbildung abzuschließen:

  1. zwischen dem 10.09.2008 und 10.09.2013 für Fahrerinnen und Fahrer der Klassen D1, D1E, D und DE
  2. zwischen dem 10.09.2009 und 10.09.2014 für Fahrerinnen und Fahrer der Klassen C1, C1E, C und CE.

Um einen Gleichlauf mit dem Ende der Gültigkeitsdauer der Fahrerlaubnis zu ermöglichen, kann die Weiterbildung früher oder später abgeschlossen werden. Dabei darf im Falle der Ziffer 1 der 10.09.2015 und im Falle der Ziffer 2 der 10.09.2016 keinesfalls überschritten werden.

Grundqualifikation für Fahrerlaubniserwerber

Die Berufskraftfahrerqualifikation kann auf verschiedenen Wegen erworben werden:

  1. Erwerb der Grundqualifikation durch Bestehen einer theoretischen und praktischen Prüfung von 7,5 Stunden ( 240 min theoretischer Teil; 210 min praktischer Teil ) bei einer Industrie- und Handelskammer (ohne Unterricht, eine entsprechende Fahrerlaubnis ist vorher erforderlich).
  2. Erwerb der Beschleunigten Grundqualifikation in einer anerkannten Ausbildungsstätte (140 Zeitstunden, eine entsprechende Fahrerlaubnis ist vorher nicht erforderlich) sowie Bestehen einer 90-minütigen theoretischen Prüfung bei der örtlichen IHK.
  3. Abschluss einer Berufsausbildung in den Ausbildungsberufen Berufskraftfahrer/Berufskraftfahrerin oder Fachkraft im Fahrbetrieb.

Weiterbildungspflicht für Fahrerlaubnisinhaber

Fahrerinnen und Fahrer die eine Fahrerlaubnis der Klassen

  • D1, D1E, D oder DE vor dem 10.09.2008 ( Personenverkehr ) oder
  • C1, C1E, C oder CE vor dem 10.09.2009 ( Güterkraftverkehr )

erworben haben, unterliegen nicht der Verpflichtung zum Erwerb der Grundqualifikation. Dieser Personenkreis muss, wie im Abschnitt "Allgemeine Informationen" dargestellt, im Abstand von 5 Jahren an einer Weiterbildung teilnehmen.

Eine erste Weiterbildung ist im Falle der Ziffer 1 bis zum 10.09.2013  und im Falle der Ziffer 2 bis zum 10.09.2014 abzuschließen. Abweichend hiervon kann die Weiterbildung zu einem früheren oder späteren Zeitpunkt abgeschlossen werden, der mit der Gültigkeitsdauer der Fahrerlaubnis übereinstimmt. Folgende Regelungen sind zu beachten:

  • bei Erwerb der Grundqualifikation darf sich die nach Vorlage des ersten Weiterbildungsnachweises ergebende Frist nicht kürzer als drei Jahre und nicht länger als sieben Jahre sein
  • für Fahrerinnen und Fahrer im Personenverkehr muss der Abschluss der ersten Weiterbildungsmaßnahme vor dem 10.09.2015 liegen
  • für Fahrerinnen und Fahrer im Güterkraftverkehr muss der Abschluss der ersten Weiterbildungsmaßnahme vor dem 10.09.2016 liegen.

Die Weiterbildung erfolgt in Lehrgängen mit 35 Unterrichtsstunden zu je 60 Minuten. Diese 35 Pflichtstunden können auf einzelne "Blöcke" aufgeteilt und müssen nicht am Stück hintereinander absolviert werden. Allerdings muss ein "Einzelblock" mindestens 7 Stunden umfassen.

Für die Weiterbildung ist ausschließlich die Teilnahme am Lehrgang verpflichtend. Eine Abschlussprüfung ist nicht vorgesehen.

Ausbildungsstätten

Die Schulung zur Vorbereitung auf die Prüfung im Rahmen der Beschleunigten Grundqualifikation und die Weiterbildungsschulung erfolgt durch Teilnahme an Lehrgängen, die von anerkannten Ausbildungsstätten durchgeführt werden dürfen.

Gesetzlich anerkannt sind:

  • Fahrschulen mit einer Fahrschulerlaubnis der Klassen CE oder DE nach § 10 des Fahrlehrergesetzes
  • Fahrschulen und Fahrlehrerausbildungsstätten, die nach § 30 Abs. 3 des Fahrlehrergesetzes keiner Fahrschulerlaubnis und keiner Anerkennung bedürfen
  • Ausbildungsbetriebe, die eine Berufsausbildung in den Ausbildungsberufen

a) "Berufskraftfahrer/ Berufskraftfahrerin"

b) "Fachkraft im Fahrbetrieb"

c) einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zur Durchführung von Fahrten mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden, durchführen

  • Bildungseinrichtungen, die eine Umschulung zum Berufskraftfahrer/ zur Berufskraftfahrerin oder zur Fachkraft im Fahrbetrieb auf der Grundlage einer nach § 58 oder § 59 des Berufsbildungsgesetzes erlassenen Regelung durchführen
  • weitere, von der jeweils zuständigen Landesbehörde ( Fahrerlaubnisbehörde ) staatlich anerkannte Ausbildungsstätten

Sollten Sie Fragen zu den anerkannten Ausbildungsstätten oder zum Verfahren  für die Anerkennung als Ausbildungsstätte nach dem BKrFQG im Landkreis Ludwigsburg haben, wenden Sie sich bitte an die Fahrerlaubnisbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg. 

 

Ausnahmen vom Anwendungsbereich

Die Verpflichtung zum Erwerb der Berufskraftfahrerqualifikation gilt nicht für Fahrten mit:

  1. Kraftfahrzeugen, deren zulässige Höchstgeschwindigkeit 45 km/h nicht überschreitet
  2. Kraftfahrzeugen, die von der Bundeswehr, der Truppe und des zivilen Gefolges der anderen Vertragsstaaten des Nordatlantikpaktes, den Polizeien des Bundes und der Länder, dem Zolldienst sowie dem Zivil-und Katastrophenschutz und der Feuerwehr eingesetzt werden
  3. Kraftfahrzeugen, die zur Notfallrettung von den nach Landesrecht anerkannten Rettungsdiensten eingesetzt werden
  4. Kraftfahrzeugen zur Beförderung von Material und Ausrüstung, das der Fahrer oder die Fahrerin zur Ausübung des Berufs verwendet, sofern es sich beim Führen des Kraftfahrzeugs nicht um die Hauptbeschäftigung handelt.
  5. Kraftfahrzeugen, die

a) zum Zwecke der technischen Entwicklung oder zur Reparatur- oder Wartungszwecken oder zur technischen Untersuchung Prüfungen unterzogen werden

b) in Wahrnehmung von Aufgaben, die den Sachverständigen oder Prüfern i.S.d. § 1 des Kraftfahrsachverständigengesetzes oder der Anlage VIIIb der Straßenverkehrszulassungsordnung übertragen sind, eingesetzt werden, oder

c) neu oder umgebaut und noch nicht in Betrieb genommen worden sind

Nachweis der Berufskraftfahrerqualifikation in der Fahrerlaubnis

Der Nachweis darüber, dass die Qualifikation zur gewerblichen Nutzung der Fahrerlaubnis durch eine Grundqualifikation oder Weiterbildung vorliegt, wird durch einen Eintrag im Kartenführerschein dokumentiert.

Es erfolgt hierzu eine Eintragung der Ziffer 95 in Verbindung mit einer Frist zum Ablauf der 5-jährigen Weiterbildungsverpflichtung in Spalte 12 des Kartenführerscheines ( z.B. 95.01.01.2014 ).

Dies setzt voraus, dass ein Kartenführerschein ausgestellt werden muss. Bei Inhabern einer Altfahrerlaubnis, ist die Umstellung in einen Kartenführerschein zu beantragen ( Siehe Abschnitt: Führerscheinumtausch ).

Hinweis:

Die Vorschriften zur Verlängerung und Erteilung von Fahrerlaubnissen sind getrennt von den Regelungen des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes zu betrachten.

Kosten:

Für die Eintragung der Schlüsselzahl und Prüfung der Unterlagen für die weitere gewerbliche Nutzung der Fahrerlaubnis wird neben den Kosten für die Verlängerung bzw. Erteilung einer Fahrerlaubnis eine Verwaltungsgebühr von 28,60 Euro erhoben.

 

Altersgrenzen

Mit Einführung des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes wurden die bisherigen Sozialvorschriften für das Mindestalter der gewerblichen Güter- und Personenbeförderung neu geregelt. Hier finden Sie Informationen zu den neuen Regelungen für das Mindestalter im Güterkraft- und Personenverkehr. 

Links

Weitere Informationen zur Berufskraftfahrerqualifikation erhalten Sie bei der Fahrerlaubnisbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg und auf den Internetseiten der IHK Stuttgart.

Informationsbroschüre des Innenministeriums Baden-Württemberg: "Neuregelung der Berufskraftfahrer-Qualifikation" (pdf).

Fahrerkarte

Die Fahrerkarte erhalten Sie in Baden-Württemberg nicht duch die Fahrerlaubnisbehörden.

Hierzu wenden Sie sich bitte an den TÜV oder die DEKRA.

Um eine Fahrerkarte erwerben zu können, ist jedoch der Besitz des Kartenführerscheins erforderlich!