Tápió Naturschutzprojekt

Das Tápió-Gebiet

Etwa 50 km östlich der ungarischen Hauptstadt Budapest und zwischen den Nationalparks Hortobágy, Kiskunság und Bükk liegt das 780 km2 große Tápió-Gebiet im Komitat Pest, der Partnerregion des Landkreises Ludwigsburg.

In dieser abwechslungsreichen Landschaft sind alle für das ungarische Tiefland typischen Lebensräume mit einer besonders reichhaltigen Fauna und Flora ausgebildet: Fließgewässer, schilfgesäumte Teiche und Seen, ausgedehnte Feuchtwiesen mit Puszta-Charakter, Sanddünen sowie die teilweise bewaldeten Lösshügel.

Mit über 200 z.T. sehr seltenen Vogelarten ist das Tápió-Gebiet ein international bedeutsames Vogelbrutgebiet. 50 Storchenpaare, Vorkommen von Bienenfresser, Blaurake, Rotbauchunke und Laubfrosch beweisen, dass diese Lebensräume bis heute noch intakt sind.

Natur in Gefahr

Das Tápió-Gebiet ist jedoch in großer Gefahr. Der Siedlungsdruck des nahegelegenen Ballungszentrums von Budapest wird zunehmend spürbar. Abfallbeseitigung und Abwasserreinigung stehen noch am Anfang.

Bereits jetzt ist durch Begradigung und starke Eintiefung der Fließgewässer der Grundwasserspiegel vielerorts abgesunken, die natürlichen Frühjahrsüberschwemmungen sind durch Dämme an den Flüssen ausgeschlossen, Seen und Feuchtgebiete sind teilweise ausgetrocknet.

Neben dem Mangel an Wasser bedroht die Intensivierung der Landwirtschaft mit Wiesenumbruch und Pestizid- sowie Düngereinträgen die nährstoffarmen Feuchtwiesen ebenso wie die Aufgabe extensiver Grünlandnutzungen (traditionelle Hütehaltung von Rindern).

Aufforstungen mit Robinien und Schwarzkiefern sowie die unkontrollierte Ausbreitung von neu eingeschleppten Pflanzenarten (Neophyten) haben dazu geführt, dass von den Sandrasen der Binnendünen nur noch wenige Prozent erhalten sind.

Gemeinsame Naturschutzinitiative

In der Tápió-Stiftung haben sich 1996 der Verband der 19 Tápió-Gemeinden, das Komitat Pest, der Landkreis Ludwigsburg und die Ungarische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (MME) als Partnerorganisation des Naturschutzbundes Deutschland zusammengeschlossen, um das gefährdete Tápió-Gebiet zu erhalten.

Der Kreisverband Ludwigsburg des Naturschutzbundes Deutschland unterstützt das Projekt durch Naturschutz-Camps für Jugendliche.

Die Ziele der Tápió-Stiftung sind

  • Erhaltung und Entwicklung der ökologisch hochwertigen Lebensräume im Tápió-Gebiet
  • Durchführung von Renaturierungs- und Landschaftspflegemaßnahmen in den bestehenden und geplanten Naturschutzgebieten
  • Nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Nutzungsformen
  • Aufbau eines Naturschutzzentrums für gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungsprojekte
  • Aufbau eines sanften und gelenkten Tourismus, Jugendaustausch

Projekte und Erfolge

Was bislang erreicht wurde:

  • Ausweisung des 4500 ha großen Tápió-Hajta-Naturschutzgebietes, das mit 10 Teilflächen die ökologisch wertvollsten Bereiche umfaßt
  • Durchführung einer Diplomarbeit zur Raumplanung mit Satellitenbildauswertung
  • Hauptamtliche Schutzgebietsbetreuung durch zwei Ranger
  • Einrichtung eines naturkundlichen Lehrpfades
  • Von der Stadt Nagykáta wurden der Tápió-Stiftung 52 ha Sanddünen für Naturschutzzwecke überlassen
  • Freistellen verbuschter Sandrasen, Mahd von Feuchtwiesen und Wiedervernässungsmaßnahmen
  • Durchführung von Jugendcamps und Umweltseminaren

Wichtigste Aufgabe ist derzeit die Finanzierung und der Aufbau eines Naturschutzzentrums, für das die Pläne fertig vorliegen und für das bereits ein Grundstück gekauft werden konnte. Für die Betreuung der Naturschutzgebiete, als Umweltbildungseinrichutng für den gesamten Ballungsraum Budapest sowie als Informationszentrum für Touristen kommt diesem eine zentrale Aufgabe zu.

Die umweltverträgliche Entwicklung der Tápió-Gemeinden und nachhaltige land- und forstwirtschaftliche sowie touristische Nutzung werden in der Zukunft entscheidend sein. Das Tápió-Gebiet soll zu einem Vorzeigemodell für den ungarischen Naturschutz werden.

Naturkundliche Studienreisen

Das bislang touristisch wenig beachtete Tápió-Gebiet bietet ein Stück unverfälschtes Ungarn. Es ist für naturkundliche Gruppenreisen besonders geeignet. Dort finden sich alle typischen Lebensräume des ungarischen Tieflandes.

Aufgrund der zentralen Lage des Tápió-Gebietes bieten sich interessante Ausflüge in die Hauptstadt Budapest, an die Theiss und in die umliegenden Nationalparks Hortobágy, Kiskunság und Bükk an.

Naturschutz-Camps für Jugendliche in Ungarn

Die direkte Erreichbarkeit mit der Bahn, gute Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten sowie die örtliche Organisation und Betreuung durch die Ungarische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (MME) bieten auch besonders günstige Voraussetzungen für die Durchführung von Naturschutz-Camps oder Aufenthalte von Jugendgruppen und Schulklassen.

Das Gymnasium in Nagykáta bietet dafür witterungsunabhängige Übernachtungsmöglichkeiten, Sanitäreinrichtungen und eine Kantine.

Dieser Jugendaustausch wird gefördert von

  • Tápió-Stiftung
  • Stiftung Europäisches Naturerbe
  • Stiftung Umwelt und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg
  • Wüstenrot-Stiftung
das Tapio Gebiet

Informationsmaterialien für Naturfreunde, Jugendgruppen, Schulen und Vereine

Ein 28-min. Video zeigt die landschaftlichen, kulturellen und touristischen Sehenswürdigkeiten des Tápió-Gebietes und kann bei der Kreisbildstelle des Landratsamtes Ludwigsburg ausgeliehen werden. Eine Ausstellung des NABU-Kreisverbandes Ludwigsburg mit 13 Tafeln (120 x 85 cm) informiert über das Tápió-Projekt und Camps für Jugendliche. Darüber hinaus können Diavorträge angeboten werden.

Ihr Ansprechpartner für das Tápió-Projekt:

Dr. Rolf Gastel
Landratsamt Ludwigsburg
Hindenburgstr. 40
71631 Ludwigsburg
Tel. 07141 / 1 44 - 3 32
mail(at)landkreis-ludwigsburg.de

Spendenkonto:

Kreissparkasse Ludwigsburg
BLZ: 604 500 50
Konto-Nr. 31
Stichwort "Tápió-Projekt"

Ausstellung des Tapio-Naturschutzprojekts (als PDF-Datei)

Hier wird die einzigartige Vielfalt des Tapio-Naturschutzgebietes vorgestellt, sowie die Möglichkeiten dieses einzigartige Gebiet, z.B. durch sanften Tourismus, zu schützen und wieder aufzubauen.