Präventions-Offensive 2006
Präventions-Offensive 2006
Landratsamt Ludwigsburg – Jugendhilfeplanung, Suchtbeauftragte, Kreisjugendpflege, Psychologische Beratungsstelle, Gesundheitsförderung, Schulberatung und Schulaufsicht / Arbeitsstelle Kooperation, Ernährungszentrum Mittlerer Neckar –
in Kooperation mit:
Kreisärzteschaft, Arbeitskreis Ess-Störungen, Verein Frauen für Frauen, Liga der freien Wohlfahrtsverbände, Psychologische Beratungsstelle Caritas, Psychosoziale Beratungsstelle Caritas, Kreisjugendring, Adipositas-Netzwerk
Ess-Störungen - der Alltag kreist zwanghaft um das Thema Essen
Von einer Essstörung spricht man, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:
- Wenn sich die Gedanken sehr viel ums Essen oder Nicht-Essen drehen
- Wenn das Gewicht und die Figur zum Mittelpunkt des Lebens werden
- Wenn große Angst vor einer Gewichtszunahme besteht
- Wenn versucht wird, das Gewicht durch strenges Hungern oder Abführmittel zu verringern
- Wenn man sich ständig überisst, indem man sehr viel und große Mengen isst
- Wenn versucht wird, das Gewicht durch absichtliches Erbrechen zu verringern
- Wenn man sich häufig wiegt und sich die Tagesstimmung je nach Gewichtsangabe deutlich verbessert oder verschlechtert
- Wenn man unabhängig von einer Krankheit sehr viel abgenommen hat und damit deutlich unter dem Durchschnittsgewicht Gleichaltriger liegt
- Wenn die Periode aufgrund der unregelmäßigen Ernährung ausbleibt
Der Begriff "Essstörungen" kennzeichnet vier Krankheitsbilder:
Magersucht (Anorexa nervosa)
Ess-Brechsucht (Bulima nervosa)
Ess-Sucht (Binge eating)
Starkes Übergewicht (Adipositas)
Allen Essgestörten ist gemeinsam, dass das lebensnotwendige Essen ein erhebliches psychosomatisches Problem, oft mit körperlichen, psychischen und oft sozialen Konsequenzen geworden ist.
Warum jemand eine Essstörung entwickelt, kann verschiedene Ursachen haben. Unabhängig von der genauen Zahl der aktuell Betroffenen ist eindeutig, dass das Risiko für diese Störungen in der Bevölkerung keineswegs gleich verteilt ist. Essstörungen treten bevorzugt in bestimmten Gruppen auf, wobei die Häufigkeit vor allem durch die Faktoren Geschlecht, Alter und soziale Schicht bestimmt ist.
An den allgemein bildenden und beruflichen Schulen des Landes befinden sich nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 800.000 Schülerinnen. Wenn wir obige Zahlen als Maßstab nehmen, müssen wir davon ausgehen, dass mindestens 16.000 Mädchen an unseren Schulen magersüchtig oder ess-brech-süchtig sind.
Langzeitstudien haben gezeigt, dass zum Beispiel bei der Magersucht 50% der Erkrankten zwar wieder genesen können, aber in fast 16% der Fälle die Krankheit tödlich verläuft. Frühzeitige Behandlung verbessert die Heilungschancen deutlich. Dazu ist es notwendig, den Blick für das Problem der Essstörungen zu schärfen, Beobachtungen richtig einzuordnen und Betroffenen Brücken zur Behandlung ihrer Krankheit zu bauen.
Essstörungen sind ernstzunehmende Störungen, bei denen man fremde, professionelle Hilfe in Anspruch nehmen darf und dies auch tun sollte.

