Inklusion von Menschen mit Behinderung

 

Auf dem Weg...

1. Fachtag Eingliederungshilfe am 19. Oktober 2009



Gemeinsam aufbrechen

Miteinander weiter kommen

Eingliederungshilfen im Wandel

 

 

"Heute ist der erste Tag der Zukunft"

Die LIGA der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Ludwigsburg und der Landkreis Ludwigsburg luden ein zum Fachtag Eingliederungshilfe am Montag, den 19. Oktober 2009.

Ziel des Fachtages war es, ein Startsignal für eine gemeinsame Weiterentwicklung der Eingliederungshilfen im Landkreis Ludwigsburg zu setzen.

Wir wollten die im Teilhabeplan formulierten Leitgedanken, wie Inklusion, Personenzentrierung, Gemeinwesenorientierung lebendig werden lassen und Ideen entwickeln, wie diese Hilfen zukünftig aussehen können. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen standen die Menschen mit Behinderung mit ihren Lebensentwürfen und Wünschen nach Teilhabe.

Durch den Tag begleitete uns Dr. Walter Häcker, Organisationsentwickler und Moderator.


Bei dem Fachtag wollten wir:
  •         Fragen aufwerfen und Antworten finden
  •         Gemeinsam weiterdenken und uns das noch nicht Vorstellbare
            vorstellen
  •         Miteinander lernen und Erfahrungen teilen
  •         Fähigkeiten nutzen und voneinander profitieren
  •         Grenzen überschreiten und Netzwerke knüpfen
  •         Einen offenen Raum mit unserer Lebendigkeit füllen
Die Methode:

Mit der Methode Open-Space sollte ein offener Raum geschaffen werden für viele lebendige Diskussionen. Alle Teilnehmer/innen waren Fachleute in dieser Runde und brachten sich  auf ihre Weise ein. Auf einem „Marktplatz“ konnten Sie einladen zu einer Gruppenarbeit mit Ihrem Thema oder Sie folgten der Einladung anderer zu einem Thema Ihres Interesses. Zwischen den Gruppenarbeiten gab es einen Überblick über die Themen des Tages.


Wir freuen uns, dass wir für diesen Fachtag auch
  •         Dirk Bennewitz, Trägerwerk Soziale Dienste, Erfurt
  •         Prof. Jo Jerg, Evang. Hochschule Ludwigsburg
  •         Hans Joachim Ruschke, Vorsitzender des Vorstandes der LAG
            Werkstätte     

als Mitwirkende gewinnen konnten.

Der Tag im Rückblick

Unserer Einladung folgten rund 120 Teilnehmer/innen und Teilnehmer: Menschen mit Behinderung, Angehörige, „Profis“ bei Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Vertreter/innen der LIGA der freien Wohlfahrtspflege und des KVJS, Schulleiter/innen, Mitarbeiter/innen der Verwaltung, der Klinik und andere mehr.

 



Das Grußwort sprach Ferndinand Lautenbacher, der Sozialdezernent des Landkreises:

Grußwort Herr Lautenbacher

 

Herr Bernhardt von der Karlshöhe Ludwigsburg begrüßte die Teilnehmer/innen im Namen des Vorbereitungsteams, dem außerdem Frau Carrino von der PsychoSoziales Netzwerk gGmbH, Herr Vonhoff von den Theo-Lorch-Werkstätten und Frau Keuter vom Landratsamt angehörten. Man habe bewusst keine Vortragsveranstaltung geplant, sondern eine offene Methode gewählt, die geeignet sei, dass alle Beteiligten miteinander ins Gespräch kommen und Ideen für die Zukunft entwickeln.

Den inhaltlichen Einstieg gestalteten Herr Prof. Jo Jerg von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, Herr Dirk Bennewitz vom Trägerwerk für Soziale Dienste Erfurt und Herr Joachim Ruschke, Vorsitzender des Vorstandes der LAG der Werkstatträte.       

 

Im Folgenden finden Sie die Präsentationen der ersten beiden Beiträge sowie einige Worte zu dem dritten Beitrag und einige Hinweise zur Methode „Open Space“ von Herrn Dr. Häcker.

Präsentation Herr Prof. Jerg 


Dirk Bennewitz stellte anhand von fünf Thesen die Chancen und Herausforderungen für einen Leistungserbringer dar, der seine Arbeitsweise konsequent auf eine personenzentrierte umgestellt hat.

Präsentation Herr Bennewitz


Herr Ruschke erläuterte seine Situation als Mitarbeiter einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Er wollte wissen, welche Rechte er als Werkstattmitarbeiter hat und ob das was ihm von der Werkstattleitung und der Gruppenleitung gesagt wird, auch rechtlich abgesichert ist.
Das war der Grund für ihn, in den Werkstattrat zu gehen.
Danach erläuterte Herr Ruschke die Entwicklung der Arbeit der Werkstatträte auf regionaler-, Landes- und Bundesebene bis zum heutigen Zeitpunkt.

 

Dr. Walter Häcker zur Methode:
„Open Space” oder „Das Planungspotential der Kaffeepause”

Von Harrison Owen, dem charismatischen Organisationsentwickler, der die „soziale Erfindung” OST (open space technology) weltweit frei zugänglich gemacht hat, wird erzählt: Er habe einmal monatelang eine große Konferenz vorbereitet, berühmte Redner eingeladen, Seminarmoderatoren eingewiesen, Preprints gesammelt, Einladungs- und dann Protokollbücher redigiert und letztlich die erfolgreiche Konferenz mit einem ausgefeilten Fragebogen ausgewertet (evaluiert). Das Ergebnis auf die Frage, was den Teilnehmenden der Konferenz am meisten gebracht hat, war: Die Gespräche in den Kaffeepausen.

Nachdenken über dieses einleuchtende, wenn auch niederschmetternde Ergebnis ergab dann die Idee zur OST; einer Methode, die Raum gibt für die produktiven Energien aller Beteiligten, bei geringster Strukturvorgabe und einem Höchstmaß an Selbstorganisation.

Die wenigen Regeln für die Gruppenarbeit im open space klingen bewusst selbstverständlich:

  •      Wer immer kommt, es sind die richtigen Leute!
  •      Welche Überraschung immer geschieht, sie ist o.k. (und sowieso das 
         Einzige, was geschehen konnte)!
  •      Es beginnt, wenn es beginnt! (und: Wenn es vorbei ist, ist es vorbei!)

Das einzige Gesetz ist das „der zwei Füße”: Niemand braucht bei einem Thema, das für ihn schon klar ist, auszuharren – ein „Hummel-“ oder „Schmetterlings”-Verhalten ist erlaubt.

Methodisch kommen dazu: Der Marktplatz mit der Möglichkeit einer oder eines Jeden, zu einem Thema einzuladen. Hier schöpft Owens aus eigenen Beobachtungen bei Festvorbereitungen in einem großen westafrikanischen Dorf und bei Meetings kanadischer Indianern. Stärkere Strukturen gibt es nicht, die Hauptaufgabe der Moderation, die sich lieber „Begleitung“ nennt, ist es, den Entwicklungs-Spielraum für ein Engagement der Anwesenden offen zu halten.

 

Ablauf und Dynamik

Auf dem „Marktplatz“ wird in mehreren Runden zu Themen und Gruppen eingeladen.

Dabei ändert sich die Dynamik der Zusammenarbeit: In den ersten Runden sprechen die Teilnehmenden alles an, was ihnen auf der Seele brennt. Dann legen sie zunehmend Wert darauf, ihre Überlegungen auszuformulieren und zu dokumentieren. Auf dieser Grundlage können konkrete Planungen abgesprochen und Selbstverpflichtungen eingegangen werden.

Mit einigem Zeitabstand ist es gut möglich, an den Zauber des offenen Raumes wieder anzuknüpfen.

 

 

Die Gruppenarbeiten

In zwei Phasen konnte jede/r Teilnehmer/in zu einem Thema einladen. Die Themen wurden zu Beginn gesammelt, an einer Pinnwand für alle sichtbar aufgehängt, so dass alle Teilnehmenden die Gruppen finden konnten, an deren Diskussion sie sich beteiligen wollten. Die Gruppen skizzierten ihre Themen und Ergebnisse auf Flipcharts: Gruppenarbeit Vormittag


Vor der dritten Arbeitsphase wurden durch gemeinsame Bewertungen Prioritäten gesetzt und festgestellt welche Themen aus Sicht der Teilnehmenden die wichtigsten waren. Zu diesen Themen wurde ergebnisorientiert gearbeitet.

Auch hier können Sie die Stichworte zu den Arbeitsgruppen einsehen:
Gruppenarbeit Nachmittag

                                                                                                  



Welche Ergebnisse können von diesem Fachtag mitgenommen werden?

Die Beteiligung von Betroffenen und Angehörigen hat zum Gelingen der Tagung beigetragen und wurde rund-um positiv bewertet. Für die Zukunft müssen Strukturen erarbeitet werden, mit denen die Beteiligung fest implementiert wird.

Der Fachtag hat nachhaltig zur Verbesserung der Kommunikation unter den Partnern der Eingliederungshilfe beigetragen. Der Austausch erfolgte offen, lebendig und kreativ. Damit ist auch die Bereitschaft gestiegen, neue Wege zu beschreiten und neue Formen der Leistungserbringung zu erproben.

Bei den derzeit neu entstehenden Projekten werden die an diesem Tag diskutierten Leitgedanken, Ideen und Vorstellungen mit einfließen. Auch die gängige Praxis wird sich zunehmend an den in der UN-Konvention beschriebenen und im Teilhabeplan festgehaltenen Kriterien messen lassen müssen. 

Der Wohnungsmarkt ist für Menschen mit Behinderung nach wie vor schwer zu erschließen. Inklusion kann aber nur gelingen, wenn Wohnraum für Menschen mit Behinderung in den Gemeinden zur Verfügung steht. Hier wird es notwendig sein, Netzwerke zu knüpfen, um Politik und Wohnungswirtschaft für die Vorhaben zu gewinnen.

  

Link: Pressemitteilung vom 20.10.2009     
Link: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages

Projekt "Flexible Hilfen"

 

Vor dem Hintergrund der Leitgedanken für die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe und der aktuellen Bedarfslagen im Landkreis Ludwigsburg ist die Idee für das Projekt "Flexible Hilfen" entstanden. Menschen mit Behinderung sollen passgenauere Hilfen im Herzen der Gemeinden erhalten können. Damit verbunden ist das Ziel, dass Teilhabe an der Gemeinschaft im Sinne der UN-Konvention tatsächlich lebendig werden kann.

Umgesetzt wird das Projekt in Zusammenarbeit zwischen den leistungserbringenden Trägern der Eingliederungshilfe im Landkreis Ludwigsburg und dem Landkreis. Die Pojektkoordination erfolgt durch die Evangelische Hochschule Ludwigsburg unter der Projektleitung von Prof. Jo Jerg. Weitere Unterstützung bei der Einführung des ITP als Instrument für die Hilfeplanung, Hilfebedarfsbemessung und Finanzierung sowie bei der betriebswirtschaftlichen Umsetzung wird geleistet durch das Institut Personenzentrierte Hilfen - Frau Prof. Dr. Petra Gromann und Herr Ralf Bremauer von der Sozialwirtschaftlichen Beratung Bremauer.

Weitere Informationen zum Projekt "Flexible Hilfen" können Sie der Projektbeschreibung entnehmen.

 

2. Fachtag Eingliederungshilfe am 16. Juni 2010

 

Das Projekt "Flexible Hilfen" startete mit einem Fachtag Mitte Juni 2010.

Die Präsentationen von

Frau Prof. Dr. Petra Gromann

Herrn Prof. Jo Jerg

Herrn Ralf Bremauer

stehen Ihnen zum Download zur Verfügung. 

 

Projektförderung

Wir danken

der Paul Lechler Stiftung gGmbH, Ludwigsburg

der Heidehof Stiftung GmbH, Stuttgart

der Stiftung Jugendförderung, Arbeit und Soziales der Kreissparkasse Ludwigsburg

für ihre freundliche Unterstützung des Projektes "Flexible Hilfen".