Städte und Gemeinden verwerten inzwischen einen Großteil des Klärschlamms thermisch

Landrat Dr. Rainer Haas: „Kreiskommunen haben bei der Klärschlammverwertung ihre Hausaufgaben gemacht“ – Kein Standort für gemeinsame Anlage zur thermischen Klärschlammverwertung gefunden

Insgesamt 29 kommunale Kläranlagen gibt es im Landkreis Ludwigsburg. Dort sind im vergangenen Jahr insgesamt rund 11.200 Tonnen Trockenklärschlamm angefallen, was einer Menge von etwa 42.000 Tonnen sogenanntem Nassschlamm entspricht. Noch im Jahr 2009 wurden im Kreis über 70 Prozent des Klärschlamms landbaulich oder landwirtschaftlich verwertet, das heißt auf den Boden ausgebracht. Dies war jedoch ökologisch nicht sinnvoll und Grund dafür, dass Landrat Dr. Rainer Haas seit 2010 bei den Kreiskommunen für eine Neuausrichtung der Klärschlammbehandlung, hin zur thermischen Verwertung, warb. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, findet der Chef der Kreisverwaltung: „Die Kreiskommunen haben bei der Klärschlammverwertung ihre Hausaufgaben gemacht. Die meisten verzichten inzwischen auf die bodenbezogene Verwertung des Klärschlamms. 2013 wurden bereits 83 Prozent der kommunalen Klärschlamme im Kreis Ludwigsburg thermisch verwertet.“

Aus Gründen des vorbeugenden Boden- und Gesundheitsschutzes spricht sich Landrat Haas gegen die Ausbringung des Klärschlamms in der Landwirtschaft aus. „Klärschlamm enthält alle Schadstoffe aus der Abwasserreinigung. Und diese Schadstoffe, die mit viel Aufwand aus Abwässern herausgefiltert werden, gehören nicht auf Ackerflächen und sonstige Böden.“ Die Abwasserdaten für das Jahr 2013 zeigen, dass der Landkreis Ludwigsburg bei der Klärschlammverwertung auf einem guten Weg sei und im Landesvergleich kräftig habe aufholen können (vgl. Anlage). Lediglich der Klärschlamm der Kläranlage Nesselwörth in Bietigheim-Bissingen wird weiterhin in den Landbau außerhalb Baden-Württembergs verbracht.

Da der landbauliche und landwirtschaftliche Anteil der Klärschlammverwertung mit über 70 Prozent zu hoch war, wirkte Haas seit 2010 bei den Kreiskommunen auf eine thermische Verwertung hin. Er gründete eine Initiative mit dem Ziel, die Verbringung des kommunalen Klärschlamms in die Landwirtschaft oder den Landbau zu stoppen. Haas richtete eine Expertengruppe unter Federführung des Landratsamtes ein, die zu dem Ergebnis kam, dass kommunaler Klärschlamm ökologisch nachhaltig und zugleich kostengünstig im Landkreis in einer thermischen Anlage getrocknet und mineralisiert werden kann. Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass aus dem Restprodukt Asche zu einem späteren Zeitpunkt der wichtige Rohstoff Phosphor zurückgewonnen werden kann. Die Kreiskommunen, die für die Abwasserbeseitigung und die Klärschlammverwertung zuständig sind, gaben positive Rückmeldung. Dennoch konnte keine Einigung zu einem Standort für die gemeinsame Anlage erzielt werden. Mit der Initiative konnte der Chef der Kreisverwaltung jedoch Kläranlagenbetreiber und Kommunen für das Thema sensibilisieren, was zu dem im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegenen Anteil thermischer Klärschlammverwertung führte. Die Landkreiskommunen bringen ihren Klärschlamm dafür in Anlagen außerhalb des Landkreises.