Reinigungsleistung der kommunalen Kläranlagen im Kreis

Vergleich stellt gutes Zeugnis aus

Der Einwohnerwert ist ein Maß für die Belastung einer Kläranlage mit häuslichem und gewerblich-industriellem Abwasser. Ein Einwohnerwert (EW) entspricht dabei der täglich von einem Einwohner ins Abwasser abgegebenen Menge an organischen Verbindungen, der Anteil des Verschmutzungsgrads von gewerblichem und industriellem Abwasser wird in EW umgerechnet. Die Summe der Einwohnerwerte ist deshalb deutlich höher als die tatsächliche Einwohnerzahl.

Im Landkreis Ludwigsburg waren 2010 insgesamt 30 kommunale Kläranlagen mit einer Ausbaugröße von 150 EW (Weissenhof/Löchgau und Lehrhof/Steinheim) bis zu 168.000 EW (Nesselwörth/Bietigheim-Bissingen, beschickt mit Abwasser von rund 87.000 Einwohnern und 4.500 Gewerbebetrieben) in Betrieb. Insgesamt sind im vergangenen Jahr in den kommunalen Kläranlagen des Kreises 63 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt worden. 16 der 30 Kläranlagen mit einer Ausbaugröße von mehr als 10.000 EW behandelten 93 Prozent des häuslichen und gewerblichen Abwassers. Die drei größten Anlagen im Kreis befinden sich in Bietigheim-Bissingen (168.000 EW), Ludwigsburg-Hoheneck (167.000 EW) und Ditzingen (120.000 EW).

 „Im Landkreis Ludwigsburg hat die Reinigungsleistung unserer Kläranlagen ein hohes Niveau erreicht, sie arbeiten sehr gut“, stellt Landrat Dr. Rainer Haas zufrieden fest. Dies sei auch an der Gewässerqualität zu erkennen, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert hat.

Häusliches Abwasser enthält feste und gelöste Stoffe sowie Bakterien und Viren. Die Prozesse der Abwasserreinigung sollen gewässerbelastende Inhaltsstoffe auf möglichst kleinem Raum in möglichst kurzer Zeit kontrolliert entfernen. Denn: Viele Abwasserinhaltsstoffe sind organischen Ursprungs und würden bei direkter Einleitung in ein Gewässer den Lebewesen den Sauerstoff für die Atmung nehmen. Durch weitere Nährstoffe wie Stickstoff und Phos­­­phor kann es im Gewässer zu Überdüngung und Algenentwicklung kommen. Dies verhindern die regelmäßig überwachten Kläranlagen im Landkreis Ludwigsburg. Zur Berechnung und Kontrolle der Reinigungsleistung einer Kläranlage dient primär der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB), der die Menge an Sauerstoff angibt, die zur Oxida­tion der gesamten im Wasser enthaltenen organischen Stoffe verbraucht wird. Weitere Kontrollwerte sind der Gesamtstickstoffgehalt (N) und der Phosphorgehalt (P).


Beim CSB betrug die Abbauleistung der 30 Kläranlagen im Kreis 96 Prozent, im Landesdurch­schnitt waren es 95 Prozent. Die Abbaugrade beim Gesamtstickstoff betrugen 79 Prozent (Land 76 Prozent) und beim Phosphor 90 Prozent (Land 89 Prozent). Für den Abbau der organischen Stoffe (CSB) waren auf den Kläranlagen insgesamt 31.130 Tonnen Sauerstoff notwendig. Außerdem wurden 2.261 Tonnen Stickstoff sowie 386 Tonnen Phosphor aus dem Abwasser entfernt. Selbst kleine und mittlere Anlagen, die weniger strengen gesetzlichen Anforderungen unterliegen wie die großen Anlagen, weisen meist eine gleich gute Reinigungsleistung auf. Der Hauptteil des Abwassers wird aber in den größeren Anlagen mit mehr als 10.000 EW behandelt. Die Abwassergebühren, die noch die Kosten für die Sanierung und Unterhaltung des Kanalnetzes und der Regenüberlaufbecken enthalten, schwanken im Kreis zwischen 1,55 und 3,80 Euro je Kubikmeter.