ÖPNV-Sommergespräch im Kreishaus:

Landrat Dr. Haas: „Wir brauchen große Lösungen, wie die Stadtbahn, die spürbare Verbesserungen bringen werden“

Mona Schneider, Busfahrerin des Jahres 2017 im Kreis Ludwigsburg, mit VVS-Geschäftsführer Horst Stammler (rechts), Landrat Dr. Rainer Haas (2. von links) und OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen (links).
Mona Schneider, Busfahrerin des Jahres 2017 im Kreis Ludwigsburg, mit VVS-Geschäftsführer Horst Stammler (rechts), Landrat Dr. Rainer Haas (2. von links) und OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen (links).

Nach der Ehrung der Busfahrerin des Jahres im Landkreis Ludwigsburg fand am 3. August das ÖPNV-Sommergespräch im Ludwigsburger Kreishaus statt. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt in der Kreispolitik. Die Planung des Stadtbahn-Projekts, die Weiterentwicklung des Busverkehrs oder der weitere Ausbau der Strohgäubahn zeigen, dass sich in den vergangenen Jahren viel getan hat und dass es weiterhin viel zu tun gibt. Der ÖPNV im Landkreis Ludwigsburg ist attraktiv, das belegen die steigenden Fahrgastzahlen. Zudem ist sein Ausbau notwendig, um mehr Autos weg von den Straßen zu bringen, die inzwischen chronisch überlastet sind. Allerdings stößt auch der ÖPNV an seine Grenzen. Landrat Dr. Rainer Haas sagte dazu beim diesjährigen ÖPNV-Sommergespräch im Kreishaus: „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir mit kleinen Verbesserungen nicht mehr sehr viel erreichen können. Daher brauchen wir große Lösungen, wie die Stadtbahn, die spürbare Verbesserungen bringen werden."

Die Zahlen, die beim diesjährigen ÖPNV-Gespräch im Landkreis Ludwigsburg vorgestellt wurden, sprechen für sich: Mehr als 280.000 Personen nutzen im Landkreis Ludwigsburg täglich S-Bahnen, Regionalzüge, Stadtbahn und Busse, wobei die Busse immer noch am meisten genutzt werden, dicht gefolgt von der S-Bahn. Die gilt vor allem für die Verbindungen von und nach Stuttgart. „Das ist mehr als die Hälfte aller Landkreiseinwohner“, gab der Chef der Kreisverwaltung zu bedenken.

„Der ÖPNV im Kreis Ludwigsburg hat bereits einen sehr hohen Ausbaustand. Daher können wir hier im Moment nur weiter nachjustieren“, erläuterte Haas. Hierbei nannte er die seit Jahren laufenden Modernisierungsarbeiten bei der Strohgäubahn – sie fährt seit 2012 mit neuen Fahrzeugen und einem besseren Fahrplan. Ihr Ausbau kostet insgesamt fast 50 Millionen Euro, die in neue Bahnsteige, Gleisanlagen, die neue Sicherungstechnik sowie die neue Betriebswerkstatt investiert werden. Als weiteres Schienenprojekt ging er ausführlich auf die geplante Stadtbahn zwischen Remseck und Markgröningen ein, für die der Landkreis kürzlich den Antrag auf Zuschüsse aus Bundesmitteln gestellt hatte. Auch dass nun Untersuchungen zur Reaktivierung der Bottwartalbahn beauftragt werden sollen, begrüßte er nachdrücklich.

Daneben ging es um vier neue Linienbündel im Busverkehr, die zum Jahreswechsel in den Bereichen Stromberg, Neckartal, Eberdingen und Vahingen/Enz in Betrieb gehen werden. Auch wurde über das Pilotprojekt „Freiwillige Führerscheinrückgabe“ gesprochen, an dem seit dessen Beginn im Oktober 2015 fast 1.400 Senioren teilgenommen haben und dafür ein SeniorenJahresTicket des VVS erhalten haben. Derzeit wird geprüft, ob das bis Ende 2017 befristete Projekt fortgeführt und auf das gesamte Verbundgebiet ausgeweitet werden kann.

VVS-Geschäftsführer Horst Stammler freute sich über den anhaltend positiven Trend im ÖPNV: „Wir wachsen seit Jahren kontinuierlich. Noch nie sind so viele Menschen mit den Bahnen und Bussen gefahren. Auch im ersten Halbjahr 2017 konnten wir die Fahrtenzahl wieder um rund zwei Prozent steigern.“ Er zeigte sich zuversichtlich, dass sich die gute Entwicklung auch in Zukunft fortsetzt, sieht bei ständig steigenden Fahrgastzahlen aber auch die Gefahr von Kapazitätsengpässen. „Die U12, die ab Dezember nach Remseck fährt, muss bereits mit Doppelzügen gefahren werden. Auch in der Stadt Ludwigsburg wird man mit dem konventionellen Busverkehr nicht weiterkommen. Hier ist der Sprung zu einem höherwertigen Nahverkehrssystem, wie die Stadtbahn, angezeigt“, sagte er.

Stammler verwies außerdem auf die zunehmende Digitalisierung im ÖPNV. Die Busunternehmen im Landkreis Ludwigsburg sind an ein rechnergestütztes Betriebsleitsystem angeschlossen und informieren ihre Fahrgäste in Echtzeit. Der Standort aller Busse kann in der VVS-App angezeigt werden. Immer mehr Fahrgäste kaufen sich ihr Ticket per Handy. Stammler kündigte ein preisgünstiges Tagesticket in der Schadstoffperiode 2017/18 an: „Ab 16. Oktober reduzieren wir den Preis für das Tagesticket um bis zu 35 Prozent. Davon profitieren auch die Fahrgäste aus dem Landkreis Ludwigsburg. Das beste Mittel gegen Feinstaub und Stickoxid sind immer noch unsere Bahnen und Busse.“ 3.8.2017