Neujahrsempfang im Kreishaus – Rund 700 Besucher – Zahlreiche Präsentationen

Landrat Dr. Rainer Haas: Weinbau und Tourismus gehören im Landkreis eng zusammen und profitieren voneinander

Landrat Dr. Rainer Haas (ganz rechts) mit dem Gastredner Stuart Pigott (Dritter von rechts) und den Fraktionsvorsitzenden der Kreistagsfraktionen.
Landrat Dr. Rainer Haas (ganz rechts) mit dem Gastredner Stuart Pigott (Dritter von rechts) und den Fraktionsvorsitzenden der Kreistagsfraktionen.

Mit rund 700 Besuchern hatte der Neujahrsempfang 2015 des Landkreises im Kreishaus am Freitagabend eine Rekordbeteiligung. „Weinbau und Tourismus“ war dieses Mal das Motto. „Beides gehört im Landkreis Ludwigsburg eng zusammen und profitiert voneinander“, sagte Landrat Dr. Rainer Haas in seiner Begrüßung. Als Gastredner sprach der bekannte Weinjournalist und Sommelier Stuart Pigott, Autor zahlreicher Bücher über den deutschen Wein. Zwei Tourismusgemeinschaften, 13 Städte und Gemeinden sowie mehr als 30 Weinerzeuger aus dem Landkreis stellten sich und ihre Arbeit in Präsentationen vor, die noch bis 20. Februar im Kreishaus zu sehen sind. Das Kreisjugendorchester Ludwigsburg des Blasmusik-Kreisverbands Ludwigsburg e. V. setzte die musikalischen Glanzlichter. Im Anschluss an das Programm gab es einen Imbiss und Gespräche im Foyer. Eine Bildergalerie ist ebenfalls verfügbar.

 

Landrat Dr. Haas blickte zunächst kurz auf 2014 zurück und stellte fest, „dass es für den Landkreis ein erfolgreiches Jahr war, wobei die Flüchtlingsunterbringung im Vordergrund stand“. Die Erstunterbringung bleibe 2015 angesichts weiter steigender Flüchtlingszahlen neben Kliniken, ÖPNV und Individualverkehr sowie dem Baustart der zweiten Kreishaus-Erweiterung die größte Herausforderung des Landkreises. Haas verband diese Feststellung mit der Bitte an alle Beteiligten, die gute Zusammenarbeit bei diesem Thema fortzusetzen. Er betonte, dass die Flüchtlinge vor allem wegen des demografischen Wandels und des daraus resultierenden Fachkräftemangels ein Gewinn seien und keine Bedrohung.

 

„Die Menschen im Landkreis haben die Flüchtlinge ganz überwiegend mit offenen Armen empfangen; zahlreiche Asyl-Arbeitskreise haben sich gebildet, die den Flüchtlingen helfen bei Arztbesuchen, bei Behördengängen, beim Deutschlernen und mit Sachspenden – dafür allen ehrenamtlich Engagierten höchste Anerkennung und herzlichen Dank“, sagte der Chef der Kreisverwaltung. Auch den Städten, Gemeinden und Privatleuten, die dem Landkreis mit der Vermietung und Verpachtung von Grundstücken und Unterkünften helfen, dankte Haas. Dies sei mehr denn je notwendig, da die Zahl der Flüchtlinge, die der Landkreis monatlich neu aufzunehmen hat, von aktuell mehr als 200 auf voraussichtlich 300 steigen wird. Der Landrat kündigte in diesem Zusammenhang ein weiteres Demografie-Forum des Landkreises für 2015 an, dieses Mal zum Thema „Flüchtlinge“. Außerdem begrüßte er das von ihm mitinitiierte Pilotprojekt „StellA“, mit dem die Agentur für Arbeit und der Landkreis zunächst rund 60 Flüchtlinge ab Ende Februar mit Sprachkursen der Schiller-Volkshochschule des Landkreises schnell in den Arbeitsmarkt integrieren wollen, ohne die üblichen Fristen abzuwarten.

 

Danach ging Haas auf das Thema des Neujahrsempfangs ein. Weinbau habe im Landkreis eine jahrhundertelange Tradition und eine große Bedeutung für die Wirtschaft, so Haas. „Der Weinbau hat im Landkreis Ludwigsburg in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht: Die Bemühungen um Qualitätssteigerung tragen Früchte, indem Weine aus dem Landkreis immer häufiger in die internationale Spitzenklasse vorstoßen.“ Die Weingärtner hätten mit der Bewirtschaftung ihrer Weinberge über viele Generationen die Landschaft des Landkreises geprägt, erhalten und geformt. „Diese deutschlandweit einzigartige Kulturlandschaft gehört schon lange zu den weichen Standortfaktoren für die Attraktivität des Wohn- und Arbeitsumfelds“, fuhr Haas fort. Der Landkreis verzeichne gegen den allgemeinen Trend weiterhin einen Anstieg der Einwohnerzahl.

 

Ein besonders wertvoller Teil dieser Kulturlandschaft seien die Weinbausteillagen mit Mauerterrassen. Davon gebe es im Landkreis Ludwigsburg 365 Hektar. Er sei damit der Landkreis mit den größten zusammenhängenden Mauerterrassenflächen in Deutschland. Die Trockenmauern, die Wärme speichern, den Hang stützen und zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten, hätten eine Haltbarkeit von 70 bis 100 Jahren. Ihre Sanierung koste bei einer angenommenen Standzeit von 100 Jahren 20.000 Euro pro Hektar und Jahr. Erschwerend hinzu komme der durchschnittlich vier Mal höhere Arbeitsaufwand in Steillagen gegenüber Flachlagen. Schließlich trage auch die Erweiterung der für den Weinbau zugelassenen Flächen dazu bei, dass sich der Weinbau in leichter zu bewirtschaftende Lagen verlagere. Nicht bewirtschaftete Weinberge würden jedoch zu neuen Problemen, wie Verbuschung und einfallende Mauern, führen und das Landschaftsbild dramatisch verändern.

 

Die Steillagen mit Mauerterrassen sollten deshalb unbedingt erhalten bleiben, forderte der Landrat. Dazu gehöre, dass die Weinerzeuger nicht nachlassen mit ihren Anstrengungen zur Qualitätssteigerung; dass Steillagen gezielt vermarktet und touristisch beworben werden; dass hochwertige Rebsorten in Steillagen angebaut werden; dass Weine in verschiedenen Preissegmenten angeboten werden und Steillagen gezielt und nachhaltig gefördert werden auf allen Ebenen. Die Zukunft des kleingliedrigen und meist kostenintensiven Weinbaugebiets Württemberg liege in der weiteren Steigerung der Qualität. Denn mit den großflächigen Weinbaugebieten in vielen anderen Ländern mit entsprechend günstigen Produktionskosten könnten wir auf dem inzwischen bestehenden Weltweinmarkt ohnehin nicht konkurrieren, so der Landrat.

„Nur durch ein gemeinsames Handeln vieler Beteiligter im Landkreis können wir zumindest einen wichtigen Teil der Kulturlandschaft Steillagen erhalten.“ Die Anstrengungen sollten einem Drei-Säulen-Modell folgen, so der Landrat. Dieses bestehe erstens aus der Zusammenarbeit der Weinerzeuger mit den Städten und Gemeinden – zehn aus dem Landkreis und zwei außerhalb des Landkreises haben die Ländlichen Entwicklungskonzepte „Neckarschleifen“ und „Enzschleife“ beim Land beantragt –, zweitens der Förderung der Steillagen durch das Land, das für 2015 den Bewirtschaftungszuschuss erhöht hat, und drittens dem Engagement des Landkreises, der eine Steillagenkonzeption erarbeitet hat, eine Trockenmauer-Sanierung als ökologische Ausgleichsmaßnahme anerkennt und über die Kreissparkassen-Stiftung „Umwelt und Natur“ die Trockenmauersanierung fördert.

Der Chef der Kreisverwaltung fuhr fort: „Die Weinkulturlandschaft ist eine wichtige Grundlage für den Tourismus. Vor allem die vielfältigen Angebote für den Tagestourismus werden in unserem Landkreis seit vielen Jahrzehnten gut angenommen. Der mehrtägige Wein-Tourismus ist bei uns hingegen noch ein zartes, entwicklungsfähiges Pflänzchen.“ Hier habe der Landkreis aber viel Potenzial mit seinen Steillagen, Weinerlebnisführern, Fachwerk-Ortskernen, Museen, Beherbergungsbetrieben und zahlreichen Naherholungsmöglichkeiten, wie sie die reizvollen Rad- und Wanderwege bieten. Zudem beteilige sich der Landkreis an dem Projekt „PLENUM Heckengäu“, das für die Landschaft zwischen Vaihingen an der Enz im Norden und Nagold im Süden mit verschiedenen Aktionen als Freizeit- und Naherholungsgebiet wirbt, und der E-Bike-Region Stuttgart mit zurzeit zwölf Ausleihstationen und rund 30 Ladestationen im Landkreis. Man sei touristisch auf einem guten Weg – dies zeigten die seit Jahren kontinuierlich steigenden Übernachtungszahlen sowie etliche Auszeichnungen, wie „Schönster Weinort Deutschlands“ für Besigheim und „Schönste Weinsicht Württembergs 2012“ für einen Aussichtspunkt auf Walheimer Gemarkung über dem Zusammenfluss von Neckar und Enz.

„Wir dürfen die Standortfaktoren Naherholung und Tourismus nicht aufgegeben, sondern müssen diese fortentwickeln mit attraktiven Angeboten. Voraussetzung dafür ist, dass wir wachsam bleiben beim Flächenverbrauch und nur die Bau- und Gewerbegebiete ausweisen, die wir unbedingt brauchen“, bilanzierte der Landrat.

Beim Neujahrsempfang 2015 des Landkreises haben mitgewirkt:

Weinerzeuger: Weingut Bruker (Großbottwar), Weingut Christian Bähr (Erligheim), Weingut Dautel (Bönnigheim), Weingut Eberhard Klein (Walheim), Weinbau Feeß (Löchgau), Felsengartenkellerei Besigheim eG, Weinbau Funk (Löchgau), Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen eG, Weingut Graf Adelmann (Steinheim an der Murr), Weingut Günter Wagner (Erligheim), Weingut Herzog von Württemberg, IAW-Interessengemeinschaft Asperger Weingärtner e.V., Kirchheimer Steillagenverein e.V., Lauffener Weingärtner eG (Käsbergkeller Mundelsheim), Obst-, Wein- und Gartenbauverein Markgröningen, Weingut Sadlo (Gerlingen), Weingut Schäfer GbR (Steinheim an der Murr), Weinbau Scheuler (Löchgau), Weinbau Schopf (Gerlingen), Weingut Sonnenhof (Vaihingen an der Enz), Weingut Stärk (Oberriexingen), Weingut Steinbachhof KG (Vaihingen an der Enz), Weinbau Weigel (Löchgau), Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG, Sachsenheimer Wengerter (Weingut Fried Baumgärtner, Panoramaweingut Reinhard Baumgärtner, Weingut Katzer, Weinbauer Gerd Keller, Weinbau Werner Kurz & Adolf Rose, Weingut Merkle, Weingut Notz, Weingut Kurt und Dietmar Ott, WeinGut Weiberle, Weingärtnergenossenschaft Ochsenbach-Spielberg-Häfnerhaslach e.G.)

Städte und Gemeinden: Asperg, Eberdingen, Erligheim, Freudental, Gerlingen, Kirchheim am Neckar, Löchgau, Ludwigsburg, Markgröningen, Oberriexingen, Sachsenheim, Vaihingen an der Enz, Walheim

Tourismusgemeinschaften: 3B-Tourismus-Team und Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal

Orchester: Kreisjugendorchester Ludwigsburg des Blasmusik-Kreisverbands Ludwigsburg e. V.

Gastredner: Stuart Pigott, Weinjournalist und Sommelier. Laut Wikipedia gilt er „als ein unkonventioneller Weinkritiker und international als einer der besten Kenner des deutschen Weins“. 19.1.2015