Neujahrsempfang im Kreishaus mit 650 Besuchern – Begleitausstellung bis 16. Februar

Landrat Dr. Rainer Haas: Der positive Einfluss der Kunst auf den Einzelnen und die Gemeinschaft ist gerade heute wichtiger denn je

Landrat Dr. Rainer Haas hielt seine Rede vor rund 650 Gästen.
Landrat Dr. Rainer Haas hielt seine Rede vor rund 650 Gästen.

„Kunst im Landkreis“ war das Thema des Neujahrsempfangs des Landkreises im Kreishaus am Freitagabend. „Kunst ist kein Luxus, sondern Teil des Menschseins. Der positive Einfluss der Kunst auf den Einzelnen und die Gemeinschaft ist gerade heute wichtiger denn je. Ich freue mich, dass der Landkreis Ludwigsburg eine so vielfältige Kunst- und Kulturszene hat“, sagte Landrat Dr. Rainer Haas bei der Begrüßung der 650 Gäste. Als Gastredner sprach der frühere Gerlinger Bürgermeister und Kreisrat sowie ausgewiesene Kunstkenner Albrecht Sellner über die Begleitausstellung zum Neujahrsempfang. Diese ist bis 16. Februar im Kreishaus zu sehen und zeigt rund 180 Bilder und Plastiken von 68 Künstlerinnen und Künstlern aus 23 Städten und Gemeinden des Landkreises. Dass man sich auch um das hohe musikalische Niveau im Landkreis keine Sorgen machen muss, bewies einmal mehr die Jugendphilharmonie, das Sinfonieorchester der Musikschulen im Landkreis Ludwigsburg. Eine Bildergalerie ist verfügbar.  

„2015 war das Jahr, in dem das Thema Flüchtlinge alle anderen Themen in den Hintergrund gedrängt hat – und 2016 wird es nicht anders sein“, sagte Landrat Dr. Rainer Haas in seiner Rede. Dennoch gebe es auch andere wichtige Themen, so der Chef der Kreisverwaltung weiter. Das gelte beispielsweise für die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH: „2016 wird ein spannendes Jahr für die weitere Ertüchtigung unserer Kliniken“, stellte Haas fest. Die Ergebnisse des in Auftrag gegebenen Gutachtens sollen Ende März oder Anfang April vorliegen. „Ich bin zuversichtlich, dass der Kreistag auf der Grundlage dieser Ergebnisse dann eine gute Entscheidung treffen wird“, sagte Landrat Haas, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH. Nur, wenn die Kliniken im laufenden Betrieb eine schwarze Null erreichen würden, könne man gewährleisten, dass die Krankenhäuser in öffentlicher Hand bleiben. „Dem Kreistag, der Verwaltung und mir persönlich ist dies unerlässlich, um eine optimale stationäre Krankenversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.“

Ein weiteres wichtiges Thema sei der Verkehr, vor allem das Stadtbahnprojekt. Die Verkehrssituation, so Haas, habe sich im Landkreis in jüngerer Zeit zugespitzt. Das gelte vor allem für den Straßenverkehr. Hier seien in unserem hochverdichteten Landkreis nur noch Feinjustierungen, aber keine Befreiungsschläge mehr möglich. „Nur der ÖPNV bietet noch gewisse Möglichkeiten. Eine große Chance ist in diesem Zusammenhang das Stadtbahn-Projekt von Remseck über Pattonville, Ludwigsburg und Möglingen nach Markgröningen als Verlängerung der Stadtbahn-Linie, die bereits von Stuttgart nach Remseck fährt.“ Die mehr als 20-jährige Diskussion müsse endlich zu einem positiven Ende kommen, stellte Haas fest. Deshalb wünsche er sich, dass die Kommunen an der Strecke und der Landkreis sich auf einen Förderantrag einigen, um die Chance auf eine Förderung durch den Bund von rund 75 Prozent der voraussichtlichen Gesamtkosten – 150 bis 200 Millionen Euro – zu wahren. In diesem Zusammenhang freute sich Haas darüber, dass der Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik im vergangenen November der Verwaltung einstimmig den Auftrag erteilt hat, den Förderantrag zu stellen, sofern dies alle beteiligten Städte und Gemeinden mittragen. „Ich hoffe nun sehr, dass die anderen Städte an der Strecke den gleichen Auftrag erteilen – erst wenn der Antrag bewilligt worden ist, können wir endgültig entscheiden, ob wir die Stadtbahn bauen“, sagte Haas abschließend. Wer deshalb jetzt nein sage zur Antragstellung, vergebe eine große Chance und sei mitverantwortlich dafür, dass die vom Bund bewilligten Gelder anderswo und nicht in unserem höchstbelasteten Raum ausgegeben würden.

Als nächstes wandte sich Landrat Haas den Flüchtlingen zu. In Hinblick auf die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Großstädten stellte er klar: „Unsere Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge ist richtig und wichtig. Dazu verpflichten uns unser Asylrecht, die Genfer Flüchtlingskonvention und nicht zuletzt unsere christlichen Werte. Wir müssen den Flüchtlingen aber auch deutlich machen, dass sie sich an unsere Spielregeln halten müssen. Hier müssen wir klare Kante zeigen und darauf hinwirken, dass diejenigen abgeschoben werden, die sich nicht an unsere Werte und Regeln des Zusammenlebens halten. Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch fremdenfeindliche Äußerungen und Aktionen nicht dulden. Für Beides benötigen wir einen starken und wehrhaften Staat. Wir müssen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung schützen und bei Bedarf auch verteidigen“, so der Landrat.

Die Flüchtlingsunterbringung habe sich für die Landkreise zur andauernden Herausforderung entwickelt, auf die der Landkreis mit einer beispiellosen Aufstockung um 80 Personalstellen reagiert habe. „Die Zahl der Unterkünfte konnten wir in den letzten zwei Jahren von zehn auf fast 140 mit einer Kapazität von mehr als 4000 Plätzen erhöhen. Aktuell planen wir weitere 35 Unterkünfte mit rund 3900 weiteren Plätzen und haben 2016 dafür 30 Millionen Euro vorgesehen“, stellte der Chef der Kreisverwaltung fest. Trotz dieser großen Anstrengungen komme der Landkreis den massiv steigenden Zuweisungszahlen nicht mehr hinterher. Aktuell würden 300 Menschen und mehr pro Woche kommen – im gesamten Jahr 2010 seien es insgesamt 188 gewesen. Für 2016 rechne der Landkreis mit insgesamt 8000 neuen Flüchtlingen. Inzwischen habe man auch Sporthallen der kreiseigenen Beruflichen Schulen und das städtische Liederkranzhaus in Bietigheim-Bissingen belegen müssen. Und erstmals sei man wegen erschöpfter Unterbringungsmöglichkeiten gezwungen gewesen, bei einem Zuteilungstermin im Dezember einen Teil der Flüchtlinge direkt an die Städte und Gemeinden im Landkreis weiter zu verteilen.

Mit der Unterbringung der Flüchtlinge allein sei es aber nicht getan, stellte Haas fest. „Wir müssen alles daran setzen, die Flüchtlinge so schnell wie möglich in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Dies ist ein wichtiges Mittel, um sie gesellschaftlich zu integrieren. Eine nachhaltige Integration in Arbeit glückt wiederum nur dann dauerhaft, wenn die deutsche Sprache beherrscht wird“, so der Landrat weiter. In einem zweiten Schritt gehe es dann um die Frage, welche Fähigkeiten ein Flüchtling mitbringe und wie diese genutzt werden können. StellA (Schnelle Integration von Flüchtlingen und Asylbewerber/innen in gemeinsamer Verantwortung) sei in diesem Zusammenhang ein erstes Modellprojekt, das die Agentur für Arbeit und der Landkreis Ludwigsburg gemeinsam umsetzen würden. Bisher hätten rund 60 Flüchtlinge den Kurs absolviert, von denen bisher knapp die Hälfte in Berufspraktika vermittelt werden konnten. Innerhalb von zwei Jahren wolle man mit dem Projekt Flüchtlinge und Asylbewerber, die eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit sowie verwertbare schulische oder berufliche Vorqualifikationen haben, in Arbeit oder Ausbildung integrieren. „Die Wirtschaft ist dringend auf neue Fachkräfte angewiesen – die Zuwanderung ist deshalb auch eine Chance für Deutschland, aber auch ganz Europa. Wir brauchen in der Flüchtlingskrise eine gesamteuropäische Lösung“, sagte Haas und bemängelte dabei, „dass sich offensichtlich nicht alle Regierungen der europäischen Mitgliedstaaten der notwendigen Solidarität und den europäischen Werten verpflichtet fühlen“.

„Dass das ehrenamtliche Engagement im Landkreis für die Flüchtlinge so groß ist, freut mich sehr. Die zahlreichen Ehrenamtlichen in den mehr als 40 Asyl-Arbeitskreisen unterstützen uns in hervorragender Weise, indem sie den Flüchtlingen Hilfestellungen im täglichen Leben geben – ohne sie wäre es nicht zu schaffen. Für diesen außergewöhnlichen und alles andere als selbstverständlichen Einsatz herzlichen Dank“, fuhr Haas fort. Ein wichtiger Kooperationspartner sei dabei die ökumenische Fachstelle Asyl des Kreisdiakonieverbands, die sich für den effektiven Einsatz und die Weiterbildung der Ehrenamtlichen einsetzt. Mit den freien Trägern Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz und Arbeiterwohlfahrt habe der Landkreis zudem die Vereinbarung getroffen, dass diese mit für die soziale Beratung und Betreuung von Asylbewerbern zuständig sind, auch um die Vernetzung in die Gesellschaft hinein zu erreichen. Für die Integration biete der Landkreis Sprachkurse an, schule Sprachvermittler, binde Kinder aus Flüchtlingsfamilien in schulische Kulturprogramme ein und habe einen Leitfaden herausgegeben, der Antworten auf Fragen gibt, die von den Flüchtlingen häufig gestellt werden. „Integration ist eine große Herausforderung, weil die Flüchtlinge einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund haben – uns bleibt nichts anderes übrig, als uns dieser Herausforderung zu stellen. Ich habe die Erwartung, dass die Flüchtlinge sich unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und den europäischen Werten anpassen werden. Als Optimist hoffe ich, dass es so geschieht. Wir müssen zu einem guten Miteinander kommen“, bilanzierte Landrat Haas und erinnerte gleichzeitig daran, dass Deutschland in der Vergangenheit mit den Heimatvertriebenen und den Gastarbeitern schon zwei Einwanderungswellen erfolgreich gemeistert habe. Dennoch äußerte auch er die Erwartung, dass es gelingen muss, die Ursachen für die Einwanderung zu bekämpfen und damit die Zahl der Flüchtlinge deutlich zu reduzieren. „Wir wissen sonst tatsächlich nicht mehr, wo wir die Menschen unterbringen und wie wir sie integrieren sollen“, sagte er.

Im Anschluss daran wandte sich der Chef der Kreisverwaltung dem Thema des Neujahrsempfangs zu: „Der Landkreis Ludwigsburg zeichnet sich durch ästhetisch ansprechende und qualitativ hochstehende Kunst aus – das gilt besonders auch für den Bereich der Bildenden Kunst, wie die Begleitausstellung zum Neujahrsempfang eindrucksvoll vor Augen führt. Aus 23 Städten und Gemeinden haben sich fast 70 Künstlerinnen und Künstler engagiert beteiligt und stellen rund 180 Bilder und Plastiken aus. Das ist eine stolze Beteiligung der Kommunen und der Künstler. Mit der Ausstellung wollen wir den Besuchern das Können und die Kreativität der im Landkreises lebenden und arbeitenden Künstler vor Augen führen und diese gleichzeitig über unsere regelmäßigen ,Kunst im Kreishaus‘-Ausstellungen und -Ankäufe hinaus unterstützen. Die Werke der Begleitausstellung sind künstlerisch sinnvoll im Haus platziert worden, so dass ein harmonisches Gesamtbild entstanden ist.“

Nach Landrat Haas sprach Gastredner Albrecht Sellner, früherer Gerlinger Bürgermeister und Kreisrat sowie ausgewiesener Kunstkenner. In die Begleitausstellung führte er mit Bildern ausgewählter Kunstwerke ein, die in der Schau zu sehen sind. Den Kunstgenuss rundete die Jugendphilharmonie ab mit Stücken von Johann Strauß (Sohn), Franz von Suppé, Peter Tschaikowsky und Darius Milhaud. Bereits während des Defilees hatten die beteiligten Städte und Gemeinden im Foyer der Konferenzzone und im Großen Sitzungssaal anhand von Fotos einen Überblick über die Aussteller gegeben und gezeigt, wie Kunst und Kultur jeweils gefördert und angenommen werden.

Interessierte können die Ausstellung bis zum 16. Februar während der Öffnungszeiten des Kreishauses besichtigen: montags bis mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr. 22.1.2016