Neujahrsempfang des Landkreises zum Thema „Gesundheit und Gesellschaft“ mit Ehrungen

Landrat Dr. Haas: Unsere Kliniken sind auf dem richtigen Weg

Landrat Dr. Rainer Haas (1. von links) mit den Geehrten.
Landrat Dr. Rainer Haas (1. von links) mit den Geehrten.
Landrat Dr. Rainer Haas (links) und der Gastredner Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing.
Landrat Dr. Rainer Haas (links) und der Gastredner Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing.

Die Entscheidung zur Gründung der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH fiel vor 25 Jahren. Dies hat der Neujahrsempfang des Landkreises am Freitagabend im Kreishaus zum Anlass genommen, das Thema „Gesundheit und Gesellschaft“ in den Mittelpunkt zu stellen. Als Gastredner sprach der Medizinhistoriker und Medizinethiker Prof. Dr. med. Dr. phil. Urban Wiesing, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Eine Ausstellung der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH vertiefte das Thema. Das Jugendphilharmonie-Orchester der Musikschulen im Kreis Ludwigsburg e.V. übernahm die musikalische Umrahmung der Veranstaltung, die wieder rund 600 Besucher hatte. Landrat Dr. Rainer Haas ehrte insgesamt fünf Persönlichkeiten mit der Verdienstmedaille des Landkreises, gab einen Ausblick auf 2018 und zog aus Sicht des Landkreises ein positives Fazit für das vergangene Jahr.

 

Als Belege dafür nannte der Chef der Kreisverwaltung die gute Finanzsituation des Kreises, die auf 28 Prozentpunkte gesenkte Kreisumlage, die Einweihung des zweiten, wieder im Zeit- und Kostenplan gebliebenen Kreishaus-Erweiterungsbaus sowie die auf 3 Prozent gefallene Arbeitslosenquote. Dass der Landkreis im aktuellen Stadt- und Landkreis-Ranking der Zeitschrift „Focus Money“ auf Platz 13 unter 381 untersuchten Stadt- und Landkreisen nochmals drei Plätze vorgerückt ist und damit ein sehr gutes Ergebnis erreicht hat, unterstreiche den positiven Eindruck. „Bei allem, was wir selbst steuern können, sind wir hervorragend aufgestellt“, stellte Landrat Haas fest.

 

Von der Kreisebene lenkte der Landrat dann den Blick auf die europäische Ebene: „Wir haben im Moment eine besondere Situation in Europa, weil es in vielen Staaten eine Skepsis gegenüber Europa gibt“, stellte Haas fest und fuhr fort: „Man spürt aber auch große Hoffnung, was die Reformvorschläge des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron angeht, der mit dem Thema Europa immerhin eine Wahl gewonnen hat. Er braucht jetzt unsere Unterstützung, damit es mit der europäischen Idee und der EU wieder vorangeht. Dafür ist jetzt natürlich auch eine zügige Regierungsbildung in Deutschland unerlässlich – andernfalls haben wir neben Asien, Indien, China und den USA keine Stimme in der globalisierten Welt.“

 

Die Mobilität, so Landrat Haas weiter, bleibe auch in diesem Jahr die zentrale Herausforderung, die auf Bundesebene gemeistert werden müsse. „Als kommunale Ebene sind wir hier nur die Flickschuster, denn wir können die ständige Zunahme des Individualverkehrs nicht selbst beeinflussen: Die Entscheidungen zur Mobilität fallen auf Bundesebene und diese sollte darauf hinwirken, dass mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden.“ Doch nach wie vor werde die Deutsche Bahn vernachlässigt und der Lastwagen-Verkehr subventioniert, machte der Chef der Kreisverwaltung deutlich. Ein Lastwagen belaste die Straße mindestens 60.0000 Mal stärker als ein Personenwagen. Für die Instandsetzung der Straßen werde dennoch nicht die Wirtschaft, sondern die Allgemeinheit herangezogen, stellte Haas fest. Der Bund habe bisher nicht den Mumm, die immer drängendere Mobilitäts-Herausforderung wirksam anzugehen.

 

Danach leitete der Landrat zum Thema des Neujahrsempfangs über: „Unsere Kliniken sind auf dem richtigen Weg. Die Entscheidung des Kreistags vor 25 Jahren, die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH zu gründen, war weise. Sie ist ein Erfolgsmodell mit Vorbildcharakter für andere Klinikenverbünde in Deutschland geworden. Vor allem aber ist sie eine gute Sache für die Menschen im Landkreis – und das bleibt natürlich auch weiterhin unser Anspruch.“

 

Anschließend zeichnete Landrat Haas fünf Persönlichkeiten mit der Landkreismedaille des Kreistags aus. Zunächst wandte sich Haas an Edwin Beckert: „Sie waren mehr als 15 Jahre lang Geschäftsführer der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH und haben diese grundlegend verändert. Dabei standen Sie immer für Qualitätssicherung, eine wohnortnahe Versorgung der Patienten und eine öffentliche Führung der Kliniken.“ Der Chef der Kreisverwaltung fuhr fort: „Mit Ihrer Art zu führen, haben Sie einzelnen Bereichen innerhalb der Kliniken mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung übertragen und sich immer durch eine vorausschauende Arbeitsweise ausgezeichnet. Ihnen war schon früh klar, dass die Kliniken vor großen Herausforderungen stehen, vor allem wegen des steigenden Kostendrucks.“ Haas erinnerte zum Schluss seiner Laudatio daran, dass Beckert maßgeblich beteiligt war an zwei Meilensteinen der Kliniken: der Gründung der Energieversorgungsgesellschaft Klinikum Ludwigsburg GmbH (EKL) im Jahr 1996 und der Gründung der Regionalen Kliniken Holding RKH GmbH im Jahr 2005.

 

Danach zeichnete Landrat Haas Gerhard Krug aus. Dieser ist seit 1990 Mitarbeiter des Klinikums Ludwigsburg, wo er zunächst als Krankenpfleger arbeitete. „2008 wurde Ihnen die Bereichsleitung der Brückenpflege übertragen – in dieser Funktion haben Sie entscheidend dazu beigetragen, die Brückenpflege weiter zu entwickeln und auszubauen. Die Brückenpflege nimmt vor der Entlassung eines Krebspatienten aus dem Krankenhaus Kontakt mit den Angehörigen auf, um die häusliche Versorgung rechtzeitig an individuelle Erfordernisse anpassen zu können“, sagte Haas. Er hob hervor, dass Krug die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) mitbegründete und den Aufbau der SAPV im Landkreis Ludwigsburg ab 2010 unterstützte. „Seit 2011 haben Sie die Leitung der Brückenpflege und der SAPV übernommen und mit großem Erfolg dazu beigetragen, die Angebote im Landkreis weiter voran zu treiben“, stellte Haas fest. Krug ist einer der Koordinatoren und der stellvertretende Vorsitzende des SAPV-Kuratoriums im Landkreis.

 

Als nächstes sprach Haas über die Verdienste des Internisten und Palliativmediziners Dr. Christoph Küenzlen, niedergelassener Arzt in Bietigheim-Bissingen. „Sie setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, dass auch Menschen im Landkreis von der Palliativmedizin profitieren, die Schwerkranken ein beschwerdearmes Leben ermöglichen möchte. So sind Sie auch zum Vordenker und Mitbegründer der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) geworden und waren maßgeblich für den Aufbau der SAPV im Landkreis Ludwigsburg verantwortlich.“ Die SAPV sei eine große Erfolgsgeschichte für die häusliche Versorgung von schwerstkranken Menschen. Mittlerweile arbeiten rund 30 qualifizierte Mitarbeiter verschiedener Pflegedienste im Palliative-Care-Team zusammen und betreuen jährlich fast 400 Patienten rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. „Ohne Ihr herausragendes Engagement wäre dies nicht möglich“, sagte Haas zu Küenzlen, der Vorsitzende des SAPV-Kuratoriums im Landkreis ist und maßgeblich zur Weiterentwicklung der Arbeit beiträgt.

 

Landrat Haas ehrte dann Heinrich Knodel, Geschäftsführer der Wohnungslosenhilfe im Landkreis Ludwigsburg gGmbH. „In den inzwischen fast 35 Jahren Ihrer Tätigkeit haben Sie viel für die am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen erreicht und ein wirkungsvolles, differenziertes Hilfesystem und damit einen ganzen Träger für Obdachlose aufgebaut“, sagte Haas. Er hob auch hervor, „dass es Ihnen mit Fachlichkeit und Beharrlichkeit immer wieder gelingt, auf dem engen Markt Wohnraum für Menschen zu gewinnen, die selbst kaum eine Chance hätten, eine Wohnung zu finden“. Knodel übe seine Geschäftsführer-Aufgaben erfolgreich aus. Darüber hinaus erbringe die Wohnungslosenhilfe im Auftrag des Jobcenters Landkreis Ludwigsburg Dienstleistungen, die Knodel koordiniere. Haas’ Fazit: „Sie übernehmen Verantwortung für Personengruppen, die ohne Ihre Arbeit chancenlos wären, geben ihnen eine Perspektive und leisten dadurch einen wichtigen Beitrag für den Landkreis und die gesamte Gesellschaft.“

 

Schließlich erhielt der Germanist und Historiker Steffen Pross die Verdienstmedaille des Landkreises. „Seit mehr als 20 Jahren arbeiten Sie die Geschichte der jüdischen Gemeinde Freudentals und das Schicksal ihrer Mitglieder während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auf. Die schreckliche Friedhofsschändung in Freudental im Jahr 2007 war der Auslöser für Ihre wichtigen und wertvollen Publikationen“, sagte Landrat Haas. Unter anderem veröffentlichte Pross das zweibändige „Freudentaler Adressbuch 1935“ sowie die Dokumentation „Freudental ’38 – Eine Ermittlung“ und wurde dafür mit dem Geschichtspreis der amerikanischen Obermayer-Stiftung ausgezeichnet. In seinen Forschungen untersucht Pross die Geschehnisse und die Schicksale einzelner Menschen in der Gemeinde Freudental während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. „Mit Ihrer Geschichtsforschung leisten Sie einen wichtigen kulturellen und historischen Beitrag, der die dunkle Zeit der deutschen Geschichte im Kreisgebiet beschreibt“, bilanzierte Landrat Haas. 15.1.2018