Neue Laich- und Aufenthaltsgewässer für die streng geschützte Gelbbauchunke

Einweihung eines neuen Gelbbauchunken-Tümpelkomplexes bei Löchgau im LIFE+-Projektgebiet „LIFE rund ums Heckengäu“

Von links: Die Vertreter der beteiligten Projektpartner, Tatjana Scheerle, Monika Rieger, Monika Baumhof-Pregitzer, Gundula Gmelin, Bernd Renner, Wilhelm Stark und Karin Zimmer freuen sich über die gelungene Anlage des Tümpelkomplexes.
Von links: Die Vertreter der beteiligten Projektpartner, Tatjana Scheerle, Monika Rieger, Monika Baumhof-Pregitzer, Gundula Gmelin, Bernd Renner, Wilhelm Stark und Karin Zimmer freuen sich über die gelungene Anlage des Tümpelkomplexes.

Auf Gemarkung Löchgau wurde kürzlich ein neuer Tümpelkomplex mit Laich- und Aufenthaltsgewässern für die stark gefährdete Gelbbauchunke eingeweiht. Im Frühjahr 2016 haben die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Ludwigsburg Fachbereich Forsten zwei Tümpelkomplexe im Gemeindewald Löchgau und Staatswald Kirbachtal amphibiengerecht angelegt. Die Tümpel haben sich gut entwickelt und bieten zahlreichen gefährdeten Gelbbauchunken neuen Lebensraum. Mittlerweile sind in den Löchgauer Tümpeln zahlreiche adulte und junge Gelbbauchunken angekommen und erste erfolgreiche Reproduktionen konnten im Rahmen des Monitorings durch die Gelbbauchunken-Coaches beobachtet werden.

„Noch vorhandene Teilpopulationen der Gelbbauchunke müssen gestärkt und randliche oder isolierte Vorkommen wieder vernetzt werden. Deshalb werden Tümpelkomplexe für die Gelbbauchunke als Trittsteine in einem Radius von bis zu 500 Metern um ein bekanntes Vorkommen angelegt. Die Gelbbauchunke benötigt als Pionierart vegetationsarme besonnte Fortpflanzungs- und Aufenthaltsgewässer. Die unterschiedlich großen Tümpel, die von Regenwasser gespeist werden, dürfen nicht zu tief sein und sollen Flachwasserzonen im Norden aufweisen“, erläuterte Monika Baumhof-Pregitzer von der Stiftung Naturschutzfonds.

„Das zurückhaltend melancholische Rufen der Gelbbauchunke ist nur noch an wenigen Stellen in Baden-Württemberg zu hören. Deshalb freut es uns, mit unserem Tümpel einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Gelbbauchunken zu leisten“, betonte Bürgermeister Robert Feil in seinem Grußwort.

„Neben der vielen Arten zugute kommenden naturnahen Waldbewirtschaftung gibt es im Wald naturschutzfachlich bedeutende Arten wie z.B. die Gelbbauchunke, die spezieller Pflegemaßnahmen oder der Anlage bestimmter Lebensräume bedürfen. Dies erfolgt kontinuierlich im Rahmen der Waldbewirtschaftung, wo neben der Erhaltung von Kleinstgewässern, wie z.B. von Wagenspuren auch auf geeigneten Standorten spezielle Tümpel angelegt werden“, so Gundula Gmelin vom Fachbereich Forsten im Landratsamt Ludwigsburg.

Im Rahmen des landkreisübergreifenden LIFE+-Projektes „LIFE rund ums Heckengäu“ hat die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg ein Maßnahmenpaket zum Schutz für die Gelbbauchunke umgesetzt. Die Gelbbauchunke ist eine Art, die im Anhang II und IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie aufgeführt ist.

Diese Pionierart bevorzugt als Primärlebensräume Klein- und Kleinstgewässer der Überschwemmungsauen von Bächen und Flüssen, die derzeit sehr selten noch zu finden sind. Heute finden wir die Gelbbauchunke allerdings vermehrt in Sekundärlebensräumen wie Kies- und Tongruben, Steinbrüchen, Truppenübungsplätzen oder in angelegten Tümpeln im Wald oder Offenland.

Eine Vernetzungskonzeption für die Gelbbauchunke wurde im Rahmen des LIFE+-Projekts erstellt. Auf dieser Grundlage wurden in den Landkreisen Böblingen, Calw, Ludwigsburg und im Enzkreis insgesamt 37 Tümpelkomplexe von 2012 bis 2016 angelegt. Außerdem wurden elf Personen zu Gelbbauchunken-Coaches ausgebildet und zu Naturschutzwarten bestellt. Sie legen in Zusammenarbeit mit Naturschutz- und Forstverwaltung und den Gemeinden neue Biotope für die Gelbbauchunke an und erfassen die aktuellen Vorkommen der Unke mit Unterstützung durch Amphibien & Reptilien Biotopschutz-Baden-Württemberg e.V. Die Umsetzung dieses Maßnahmenpakets erfolgte mit je 50 % Mitteln der Stiftung Naturschutzfonds und des Förderprogramms LIFE+ der EU.

Hintergrund:

Besondere Bedeutung der Gelbbauchunke für Baden-Württemberg

Die Gelbbauchunke ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zum Aufbau des europaweiten Schutzgebietssystems Natura 2000 streng geschützt. Baden-Württemberg liegt im Zentrum des Verbreitungsgebietes dieser Art. Das Land hat daher eine besondere Verantwortung, die Gelbbauchunke zu erhalten. Da die ursprünglichen Lebensräume – Kleingewässer der Überschwemmungsauen von Bächen und Flüssen – immer seltener werden, ist es wichtig, Ersatzlebensräume zu schaffen.

Kennzeichen

Charakteristisches Merkmal der Gelbbauchunke ist die leuchtend gelb und schiefergrau marmorierte Bauchseite. Das Bauchzeichnungsmuster ist charakteristisch wie ein Fingerabdruck und eignet sich sehr gut als individuelles Erkennungsmerkmal. Die warzige Oberseite ist abhängig vom Lebensraum lehmgelb, braun oder grau. Die Pupille ist herzförmig bis rundlich. Sie ist ein kleiner Froschlurch mit 3 bis 5 cm Körperlänge und ca. 6 Gramm Gewicht.

LIFE+-Projekt „LIFE rund ums Heckengäu“

LIFE ist ein Förderinstrument der EU und steht für L´Instrument Financier pour l´Environnement. Es dient der finanziellen Unterstützung von ausgewählten Umwelt- und Naturschutzprojekten. Als Projektpartner von „LIFE rund ums Heckengäu“ führen die Landkreise Böblingen, Calw, Enzkreis und Ludwigsburg sowie die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg und das Regierungspräsidium Karlsruhe mit dem Landesbetrieb Gewässer von 2011 bis 2016 verschiedene Maßnahmen durch. Ziel ist es, gefährdete Lebensräume, Tiere und Pflanzen zu erhalten und zu fördern. Das Projektgebiet umfasst die Schutzgebiete des europäischen Netzwerkes Natura 2000 vom Stromberg über das Heckengäu bis hin zum Schönbuch – eine Fläche von 390 km2.

 

26.7.2016