Landratsamt organisiert Landschaftspflege von Streuobstwiesen und Magerrasen

EU-Projekt „Life rund ums Heckengäu“ im Landkreis Ludwigsburg macht Fortschritte – Weitere Maßnahmen in Markgröningen, Sachsenheim und Vaihingen geplant

Die Entbuschung von brachgefallenen Streuobstwiesen ist ein Schwerpunkt des Life-Projekts im Vogelschutzgebiet Stromberg.
Die Entbuschung von brachgefallenen Streuobstwiesen ist ein Schwerpunkt des Life-Projekts im Vogelschutzgebiet Stromberg.

Brachgefallene Streuobstwiesen und zugewachsene Magerrasen sind die Sorgenkinder des Naturschutzes. Wo die Böden schlecht und die Hanglagen steil sind, lohnt sich die arbeitsintensive Bewirtschaftung in vielen Fällen schon lange nicht mehr. Mit Büschen und Bäumen zuwachsende jahrhundertealte Kulturlandschaften sind die Folge. So gehen nicht nur seit der Kindheit tief ins Bewusstsein eingravierte und Identifikation und Heimat vermittelnde Landschaftsbilder verloren, sondern auch die in solchen Lebensräumen ganz besonders große Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Dem wirkt das EU-Projekt „Life rund ums Heckengäu“ entgegen. Das Projekt macht auch im Landkreis Ludwigsburg Fortschritte. Weitere Maßnahmen in Markgröningen, Sachsenheim und Vaihingen sind im Winterhalbjahr 2014/2015 geplant.

Mit dem EU-Projekt „Life rund ums Heckengäu“, an dem neben den vier Landkreisen Ludwigsburg, Böblingen, Calw und Enzkreis die Regierungspräsidien Stuttgart und Karlsruhe sowie die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg beteiligt sind, wurden im Landkreis Ludwigsburg seit 2012 bereits rund 7,5 Hektar brachgefallene Magerrasen und artenreiche Blumenwiesen entbuscht, die nun wieder beweidet oder regelmäßig gemäht werden. Streuobstwiesen im Vogelschutzgebiete Stromberg in Sachsenheim wurden auf 7 Hektar entbuscht und auf weiteren 3 Hektar wurde der für den Baumerhalt notwendige Obstbaumschnitt ausgeführt. Zudem wurde in Vaihingen-Roßwag im Naturschutzgebiet „Roter Rain“ ein dauerhafter Ziegenzaun für die Beweidung des dortigen Steilhanges errichtet.

Im nun kommenden Winterhalbjahr 2014/2015 werden in der der Schäferlaufstadt Markgröningen in den Naturdenkmalen Schlüsselberg und Sonnenberg im Glemstal weitere 2,8 ha Kalkmagerrasen entbuscht beziehungsweise freigestellt, um diese wieder beweidbar zu machen. Eine Vielzahl von Orchideen und anderen, nicht nur im Landkreis Ludwigsburg seltenen Pflanzenarten wird davon profitieren.

Eine andere Zielrichtung haben die Maßnahmen in Streuobstwiesen bei Sachsenheim und Vaihingen. Im dortigen Vogelschutzgebiet Stromberg geht es vorrangig um die Optimierung der Lebensräume für die charakteristischen Vogelarten, wie Grünspecht, Halsbandschnäpper, Neuntöter und Wendehals, sowie der artenreichen Blumenwiesen mit Salbei und Wiesenbocksbart. In Häfnerhaslach und Ochsenbach werden weitere 10 Hektar Streuobstwiesen gepflegt. Darüber hinaus sind Maßnahmen in Sachsenheim-Spielberg und in Vaihingen-Gündelbach geplant. Auch hier sollen die Flächen anschließend über schonende Beweidungsprojekte oder Mahd offen gehalten werden, die über den Vertragsnaturschutz organisiert werden.

Alle Pflegeflächen sind Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000, für das die EU-Mitgliedsstaaten geeignete Flächen gemeldet hatten und auf denen die Vorkommen bestimmter Lebensräume mit ihrer gefährdeten Tier- und Pflanzenwelt nach internationalen Verpflichtungen geschützt und erhalten werden müssen. In diese Gebiete werden aber auch vorrangig die Fördermittel für Landschaftspflegemaßnahmen gelenkt.

„Manch ein Spaziergänger oder Wanderer könnte sich in den nächsten Wochen fragen, ob es bei dem Motorsägen- und Seilwindeneinsatz im Glemstal oder in den anderen Gebieten mit rechten Dingen zugeht. Diese dringend notwendigen Landschaftspflegemaßnahmen sind aber zur Erhaltung und Entwicklung der geschützten Gebiete erforderlich. Die in Hanglagen besonderes schwierigen und auch nicht ungefährlichen Arbeiten sind vom Landratsamt in Auftrag gegeben worden und werden von erfahrenen und bewährten Landschaftspflegefirmen durchgeführt“, so Dr. Rolf Gastel, der als Naturschutzexperte beim Landratsamt Ludwigsburg die Umsetzung des Life-Projektes betreut und auch um Verständnis für mögliche Beeinträchtigungen bei der Wegebenutzung in diesem Zeitraum wirbt.

Weitere Informationen zum Projekt finden Interessenten unter www.life-heckengaeu.de im Internet.

Das Projekt „Life rund ums Heckengäu“ läuft von 2011 bis 2016, ist mit 1,82 Millionen Euro ausgestattet und wird von der Europäischen Union mit 50 Prozent aus dem Förderprogramm LIFE+ bezuschusst. Die Buchstaben LIFE stehen dabei als Abkürzung für „L’Instrument Financier pour L’Environnement“ (französisch für „Finanzierungsinstrument für die Umwelt“). LIFE+ Natur und biologische Vielfalt finanziert ausgewählte Projekte in Natura 2000-Gebieten. Mit dem Naturschutzkonzept Natura 2000 haben es sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zur Aufgabe gemacht, europaweit charakteristische Lebensräume sowie gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Herzstück von Natura 2000 ist ein Netzwerk von Gebieten, die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie geschützt sind.

Im Landkreis Ludwigsburg sind Maßnahmen mit einem Volumen von 343.000 Euro vorgesehen. Die Eigenbeteiligung des Landkreises liegt bei 126.500 Euro. Die Entbuschung von Streuobstwiesen und der Pflegeschnitt der Obstbäume werden zudem von der Stiftung Umwelt- und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg mit 35.000 Euro unterstützt. Das Regierungspräsidium Stuttgart steuert weitere 45.000 € zu den Maßnahmen bei. 13.10.2014